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Für Fußball reist er durch die Welt

Wie wird man Fan?

Zweimal täglich trainiert Willy Stephanus. Abends studiert er. Sein Können hat ihn in die Nationalmannschaft Namibias gebracht. Und das, obwohl der 20-Jährige erst vor sieben Jahren angefangen hat. Sein Talent springt über: Innerhalb von drei Minuten bringt der Profi dem fußballtalentfreien Reporter Tricks bei.

HERBERN

von Von Nico Drimecker

, 19.06.2012

Willy Stephanus läuft noch der Schweiß herunter, als wir uns am Mittelkreis aufs Grün des SV Herbern setzen. Ein paar Herberner Jungs kommen heran geeilt, wollen noch ein Foto mit ihm machen. Sie posieren, Willy lächelt, ein Goldzahn blitzt heraus, Papa knipst die Söhne mit der Nummer 15 der namibischen Nationalmannschaft.  Willy spielt Sturm und Mittelfeld. Er und das Team waren kürzlich in Deutschland zu Gast. Drei Freundschaftsspiele in zehn Tagen, etwas Sightseeing und zum Schluss: einem Reporter Fußball-Leidenschaft näher bringen.Das Foto ist im Kasten, die Kinder verabschieden sich auf Englisch. Die Sonne versinkt hinter dem Tor, und Willy Stephanus erzählt mir, wie er als Kind zuerst Rugby spielte.

„Ich war der einzige von meinen Brüdern, der nicht Fußball gespielt hat“, sagt er. Erst als 13-Jähriger läuft er das erste Mal in Stollenschuhen, als er der Fußball-Schulmannschaft beitritt. Heute spielt er in der Mannschaft, die in der Weltrangliste auf dem 120. Platz steht. Dafür trainiert er zweimal täglich, abends widmet er sich dem Geologie-Studium. Eine kleine Trainingseinheit gibt es nach dem Spiel gegen den SV Herbern nur für den Ruhr-Nachrichten-Reporter. Willy Stephanus zeigt mir, wie er den Ball mit dem Fuß hochhält. Er schafft’s sooft er möchte. Bei mir fliegt der Ball nach zwei Kicks weg. Willy erklärt mir auf Englisch, nur mit dem Fuß zu wippen, nicht zu versuchen, mit der Kraft aus dem Bein zu halten. Sofort gelingt es mir, den Ball fünfmal in der Luft zu halten.

Geboren und aufgewachsen ist der 20-Jährige in Mariental, eine Stadt mit etwa 12.000 Einwohnern – und mit einem Fußballstadion. Aber das Fußballfieber sei in Afrika etwas weniger stark als in Deutschland, meint Willy Stephanus. Bei ihm zu Hause konkurrieren Rugby, Cricket, Leichtathletik und Fußball um die Aufmerksamkeit. Wenn hierzulande Fußball die Massen so begeistert, sollte es vielleicht einfach für mich sein, noch bis zum Ende der EM zum Fan zu werden.

auf einer größeren Karte anzeigen Nicht nur das Leder spielt für Willy Stephanus eine Rolle. Außerhalb von Afrika zu spielen, bietet ihm ebenfalls großen Reiz, sagt er. In Europa herum zu kommen. Könnte er wählen, in welcher Mannschaft der Welt er spielt, wählte er Barcelona oder Arsenal. „In Deutschland eher Bayern München“, sagt er und lacht, weil er weiß, dass in dieser Region die Menschen auf die Dortmunder Mannschaft abfahren. Aber: „Ich würde nicht Nein zu Dortmund sagen.“ Und Schalke? Er hat keine Spiele der Mannschaft gesehen. Aber hat es sich nun vorgenommen. Und ich habe verstanden, dass man auch noch spät seinen Weg zum Fußball finden kann.

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