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Jugendamt sucht Pflegeeltern in Ascheberg mit Postkarten-Aktion

Pflegeeltern

Das Kreisjugendamt Coesfeld sucht dringend Pflegeeltern, die bereit sind, Kinder aufzunehmen. Mit einer Postkarten-Aktion machen sie auf den Notstand aufmerksam.

Ascheberg

, 13.08.2018
Jugendamt sucht Pflegeeltern in Ascheberg mit Postkarten-Aktion

Mit dieser Postkarte wirbt das Kreisjugendamt Coesfeld um Pflegeeltern. © Kreis Coesfeld

Rund 160 Kinder leben im Kreis Coesfeld derzeit in Pflegeverhältnissen. Der Bedarf an Menschen, die sich zur Aufnahme bereit erklären, ist groß. „Uns gehen allmählich die Pflegeeltern aus, die so ein Wagnis eingehen und bereit sind, ihre Familien mit einem Pflegekind zu erweitern“, sagt Johanna Dülker, die das Jugendamt im Kreis Coesfeld leitet.

Um auf den Bedarf aufmerksam zu machen und Interessenten anzusprechen, hat sich das Kreisjugendamt Coesfeld etwas Besonderes einfallen lassen. Ende Juli wurden in Ascheberg 6159 Postkarten verteilt. Darauf zu sehen ist ein kleines Kind, das mit Kreide auf der Straße spielt. Der bunte Schriftzug „Lernen wir uns kennen“?, soll potenzielle Pflegeeltern direkt ansprechen und Interesse wecken.

Kinder sehnen sich nach Familie

Auch der klassische Anblick von Mutter, Vater, Kind ist mit Strichmännchen abgebildet. Da es nicht genügend Pflegeeltern gibt, müssen einige noch auf die Familie warten und sind in Jugendeinrichtungen untergebracht. Das soll sich durch die Postkarten-Aktion jetzt ändern. „Einige Kinder sehnen sich nach einer Familie“, so Dülker.

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„Die Idee kam aus den Reihen der Mitarbeiter“, freut sich Dülker über so viel Kreativität. „Wir wollen vor allem Leute darauf aufmerksam machen, die bislang nicht darüber nachgedacht haben, sich die Aufnahme eines Pflegekindes aber gut vorstellen können.“

18 Rückmeldungen zur Postkarten-Aktion

Gesucht werden Eltern, die sich die Aufnahme eines Kindes kurzfristig, aber auch langfristig vorstellen können. In der Bereitschaftspflege, die nicht länger als sechs Monate dauern soll, geht es zum Beispiel darum, den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu erhalten und eine Rückkehrmöglichkeit offen zu halten.

Die Resonanz auf die Aktion ist sehr positiv. 18 interessierte und vielleicht zukünftige Pflegeeltern hätten sich nach dem Aufruf gemeldet und für eine konkrete Beratung angefragt, so Dülker. Mit zehn stehe man bereits in Gesprächen.

Das Alter ist nicht entscheidend

Ohnehin sind Gespräche mit dem Jugendamt die Grundvoraussetzung für ein Engagement als Pflegeeltern. Dort bietet sich Gelegenheit zu klären, ob man als Pflegeeltern infrage kommt und ob man sich das selbst überhaupt vorstellen kann.

Das Alter ist aber nicht entscheidend. „Wenn jemand Anfang 60 ist und bereit, einen 15-Jährigen aufzunehmen, kann das gut passen“, so Dülker. Es gebe generell viele unterschiedliche Bedürfnisse bei den Kindern.

Vom ersten Gespräch bis zur Aufnahme eines Pflegekindes kann bis zu einem Jahr vergehen. Potenzielle Pflegeeltern sollen gut vorbereitet sein. Deshalb müssen sie zuvor verschiedene Fortbildungen absolvieren, die sie auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten.

Umgang mit schwieriger Kindheit

Man darf nämlich nicht unterschätzen, dass die Kinder zum Teil traumatische Erlebnisse bei den leiblichen Eltern durchgemacht haben, sie vernachlässigt wurden oder Gewalt erfahren haben. Damit müssen die Eltern in spe umgehen können.

Heike Krusel vom Jugendamt schildert einen Fall eines Elternpaares, das zunächst auf natürlichem Weg ein Kind zeugen wollte. Als das nicht klappte, entschlossen sie sich im Alter von circa 30 Jahren dazu, sich als Pflegeeltern zu bewerben. Das betreuende Kind war damals zwei Jahre alt und wurde vernachlässigt.

Mittlerweile wohnt der Junge seit 13 Jahren bei der Familie. „Die Eltern haben uns gesagt, dass sie diesen Schritt nie bereut hätten und sie diesen Weg immer wieder gehen würden“, teilt Krusel mit. Jetzt sollen mithilfe der Postkarten-Aktion neue Erfolgsgeschichten geschrieben werden.

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Wer sich vorstellen kann, ein Pflegekind aufzunehmen und sich ein Gespräch wünscht, kann sich bei Petra Kluth unter Tel. (02541) 18 51 18 melden. Ab dem 27. August ist Nicole Kasper die Hauptansprechpartnerin. Sie ist unter Tel. (02591) 91 83 51 22 zu erreichen.
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