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Polizisten entdeckten Brand nur durch einen Zufall

Anschlag auf Flüchtlingsheim

Unverständnis und Entsetzen am Tag nach dem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim an der Bultenstraße in Ascheberg. Wer hinter der Tat steckt, ist unklar. Allerdings wurden am Sonntag weitere Details bekannt. Zum Beispiel, dass eine Polizeistreife den Brand nur durch Zufall entdeckte. Und selbst unmittelbare Anwohner nichts von dem Unglück mitbekommen hatten.

WERNE

, 10.01.2016

Bürgermeister Dr. Bert Risthaus sprach in einer offiziellen Erklärung von einem kriminellen Akt, „den wir auf das Schärfste verurteilen“. Er war direkt am Samstagmorgen nach dem Anschlag zu der Unterkunft geeilt und hatte sich ein Bild vor Ort gemacht. Am Sonntagnachmittag hat er mit unserer Redaktion gesprochen und sich sehr besorgt geäußert, zum Kurzinterview geht es hier.

Die Polizei in Münster hat nach Auskunft von Thomas Kreuzheck noch „keine konkreten Hinweise und keine Ermittlungsansätze“. Die Beamten hoffen daher auf Zeugenhinweise.

Das könnte schwierig werden. Denn von dem Brandanschlag am frühen Samstagmorgen hat in der Nachbarschaft wohl niemand etwas mitbekommen. Selbst die 34 Bewohner der Unterkunft – die ehemalige Gaststätte Geismann – wurden erst aufmerksam, als Polizei und Feuerwehr eintrafen. Offenbar hat es bei der Entzündung des Brandsatzes keine laute Explosion gegeben.

Polizeistreife suchte eigentlich nach betrunkenem Autofahrer

Die Tat ereignete sich im rückwärtigen Teil des Gebäudes am Samstagmorgen gegen 2.50 Uhr. Zufällig war eine Polizeistreife in der Nähe, die eigentlich nach einem betrunkenen Autofahrer suchten. „Die Beamten bemerkten dabei den Feuerschein“, sagt Kreuzheck. Die Streife fuhr sofort los und die Beamten löschten die etwa 1,80 Meter hohen Flammen mit dem Feuerlöscher aus ihrem Wagen.

Plastikflasche mit brennbarem Inhalt

Es stellte sich heraus, dass unbekannte Täter, etwa einen Meter von einer gemauerten Hauswand entfernt, eine Kunststoffflasche mit brennbarer Flüssigkeit entzündet hatten. Ein Übergreifen der Flammen auf das Gebäude erfolgte nicht, Personen kamen nicht zu Schaden. Auf dem Areal befinden sich zwei von Asylbewerbern genutzte Häuser. Einmal die ehemalige Gaststätte Geismann, an der der Brandanschlag stattfand, und im hinteren Bereich ein kleineres Gebäude.

Bürgermeister in großer Sorge

Im Dorf war der Anschlag Gesprächsthema Nr. 1, auch beim SPD-Neujahrsempfang am Sonntag. Parteichef Johannes Waldmann: „Dies war ein schwerwiegender krimineller Akt, nicht nur gegen die, die bei uns Schutz suchen, sondern auch gegen uns alle, die wir ihnen Schutz bieten wollen.“ 

Der Bürgermeister der Gemeinde Ascheberg, Bert Risthaus, sprach mit Redaktionsleiter Jörg Heckenkamp am Sonntagnachmittag über die Ereignisse: 

Herr Risthaus, bedeutet dieser Anschlag einen Gesinnungswandel in der Bevölkerung? Bis jetzt gab es ein gutes, ruhiges Miteinander sowohl in den Einrichtungen als auch außerhalb. Das sehe ich nun in Gefahr.

Was ist der Grund?  Die Silvester-Vorgänge in Köln tragen sicherlich ihren Teil dazu bei, ebenso die perspektivlose Politik der Bundesregierung. „Wir schaffen das“ reicht nicht mehr.

Befürchten Sie weitere Anschläge?  Gewalt ist keine Antwort. Man kann Unmut und Befürchtungen haben, aber eine solche Tat geht einfach nicht. Ich hoffe, dass sich der Unmut nicht in weiteren solchen Taten Bahn bricht. Aber ich glaube, uns steht in Sachen Flüchtlingspolitik ein unruhiges Jahr bevor.