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Loveparade-Prozess: Details der Obduktionen

Herz- und Lungen-Quetschungen: Tod kam durch Ersticken

DUISBURG/DÜSSELDORF Bei jedem einzelnen der 21 Loveparade-Toten haben vor knapp acht Jahren Gerichtsmediziner die Todesursache untersucht. Einer von ihnen sagte am Dienstag im Loveparade-Prozess aus. Angehörige von drei Opfern hörten sich die Obduktionsbefunde an.

Herz- und Lungen-Quetschungen: Tod kam durch Ersticken

Kreide markiert die Lage der Leichen am Unglücksort. Blutergüsse, Rippenbrüche und immer wieder Hirnschwellungen wegen Sauerstoffmangels: Im Loveparade-Prozess hat am Dienstag im Beisein mehrerer Angehöriger ein weiterer Rechtsmediziner die Verletzungen und Todesursachen von neun der 21 Opfer beschrieben. Foto: dpa

Blutergüsse, Rippenbrüche und immer wieder Hirnschwellungen wegen Sauerstoffmangels: Im Loveparade-Prozess hat am Dienstag im Beisein mehrerer Angehöriger ein weiterer Rechtsmediziner die Verletzungen und Todesursachen von neun der 21 Opfer beschrieben.

Nach Angaben des Mediziners Lars Althaus erstickten die von ihm obduzierten Menschen durch ein massives Zusammendrücken des Brustkorbs. Eine Bewusstlosigkeit sei in allen Fällen vermutlich nach einer halben bis einer Minute eingetreten, der Tod dann nach drei bis fünf Minuten. Zwei Opfer waren noch in Krankenhäuser gekommen, doch es war bereits zu spät.

21 Tote und 652 Verletzte

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg gab es am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände ein so großes Gedränge, dass 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt wurden. Althaus war zum Zeitpunkt des Unglücks vor knapp acht Jahren Leiter des Instituts für Rechtsmedizin im Duisburger Klinikum. Heute leitet er die Rechtsmedizin von Curaçao in der Karibik. Der 50-Jährige war der vorerst letzte Rechtsmediziner, der im Prozess vernommen wurde.

Düsseldorf Im Loveparade-Prozess hat die Beweisaufnahme begonnen. Schwer atmend berichtete die erste Zeugin von dem, was ihr und vielen anderen am 24. Juli 2010 in Duisburg widerfuhr. Ein Verteidiger versuchte vorab, die Vernehmung zu verzögern.mehr...

Manfred Reißaus, Vater der getöteten Svenja und Nebenkläger, reagierte gefasst auf die drastischen Schilderungen des Rechtsmediziners, der auch die Verletzungen seiner Tochter beschrieben hatte: „Ich wusste, was kommt. Man hört es nicht gerne, aber je öfter man es hört, desto besser kann man es verarbeiten.“ Er besuche die Verhandlungen immer, wenn es um seine Tochter gehe. Für ihn bedeute das auch eine Art Verarbeitung. Svenja starb mit 22 Jahren.


Mutter: Ich habe es längst verarbeitet

Auch Edith Jakubassa, Mutter der getöteten Marina und ebenfalls Nebenklägerin, war im Verhandlungssaal, als Althaus die Verletzungen der 21-Jährigen aufzählte. „Es war schon hart“, sagte sie anschließend. So ausführlich habe sie das noch nicht gekannt. Auf die Frage, ob es ihr bei der Verarbeitung des Todes helfe, sagte sie: „Ich habe das schon längst verarbeitet.“ Als der Arzt vor Gericht über ihre Tochter gesprochen habe, sei sie nicht zusammengebrochen. „Ich habe mich die ganzen Jahre intensiv damit auseinandergesetzt. Ich lebe mein Leben ganz normal.“ Auch der Ehemann einer in Duisburg gestorbenen Chinesin war gekommen. Ein Dolmetscher übersetzte die Aussagen des Gerichtsmediziners.

Herz- und Lungen-Quetschungen

Die Schilderungen von Althaus machten deutlich, wie groß der tödliche Druck auf die Körper gewesen sein muss. So sprach er etwa von Herz- und Lungen-Quetschungen, Schlagader- und Organrissen sowie einem schuhsohlenförmigem Bluterguss auf einem Brustkorb. In einem anderen Fall habe es vermutlich „ein mehrfaches Überrennen des Opfers“ gegeben.

Der Prozess vor dem Landgericht Duisburg gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters Lopavent hatte im Dezember begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor. Aus Platzgründen findet der Prozess in einer Kongresshalle in Düsseldorf statt.

von dpa

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