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«Herzog Blaubarts Burg» in Salzburg

Salzburg (dpa) Er sitzt blind in seinem Rollstuhl und zappelt, tastet, klammert sich an die Hand seiner Krankenschwester Judith. Doch so recht kann der alte, behinderte Herzog Blaubart nicht mit seiner Außenwelt kommunizieren - er ist in sich selbst gefangen wie in einer Trutzburg.

«Herzog Blaubarts Burg» in Salzburg

Falk Struckmann als Herzog Blaubart und Michelle DeYoung als Judith

Der niederländische Regisseur Johan Simons hat aus dem bösen Herrscher mit Angst vor der Liebe (Bassbariton Falk Struckmann) aus der Bartok-Oper «Herzog Blaubarts Burg» einen Pflegefall gemacht und ihn in die Hände einer resoluten Krankenschwester (Mezzosopran Michelle DeYoung) gegeben. Das Publikum der Salzburger Festspiele war von der Premiere des stimmigen modernen Märchens begeistert. Inszenierung wie musikalische Leistung wurden anhaltend bejubelt.

Da mit dem Einakter des ungarischen Komponisten kein Abend zu füllen ist, spielen die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Peter Eötvös zudem vier Orchesterstücke und Bartoks weltliche Kantate «Die neun Zauberhirsche». Da die Bartok-Erben eine Bühneninszenierung der Orchestermusik untersagt hatten, ist zunächst nur ein leicht wehender, nachtblauer Vorhand zu sehen. Für «Die neun Zauberhirsche» hebt sich dann der Bühnenschleier und eine grell-bunte Installation des deutschen Malers Daniel Richter erscheint.

Das Märchen um den Vater, dessen neun Söhne sich während der Jagd in Hirsche verwandeln, findet bei Richter in einem surrealen Großstadtdschungel statt. Die Chormitglieder blicken in Freizeitkleidung wie neugierige Nachbarn aus kleinen, viereckigen Fenstern aus einer riesigen Fassade heraus, auf der sich Neon-Karos, Stadtszenen, Köpfe und Flammen finden. Der Vater (Falk Struckmann) beklagt vor einer bunten Hütte, auf der ein überdimensionaler, aufblasbarer Kanarienvogel thront, den Verlust seiner Söhne. Der Sohn (Tenor Lance Ryan) singt vor einem stilisierten Baum, dessen Verästelung auch ein Hirschgeweih sein könnte.

In Blaubarts Burg bleibt die Verästelung als Hintergrund erhalten, doch alles Bunte weicht einem Schwarz-Grau. Simons erzählt nicht schlicht das Märchen über den grausamen Frauenmörder, der seine Taten hinter sieben verschlossenen Türen seiner Burg versteckt und eine neue junge Naive dort hinlockt. Seine Judith hat deutlich mehr Kraft, es ist ein anrührendes Beziehungsspiel zwischen Liebe, Macht und Abhängigkeit. Blaubart ist blind und angeschlagen, er braucht Judith als Pflegerin - hat aber die sieben Schlüssel zu den geheimnisvollen Türen, hinter die sie so gerne blicken würde. Darum wirbt die dralle Krankenschwester im kurzen Kleidchen liebevoll und schmeichelhaft, kippt ihn aber auch entschieden aus dem Rollstuhl, wenn sie ihren Willen nicht bekommt.

Als sie schließlich alles über ihren Geliebten erfahren hat - die Waffen- wie Folterkammer, seine angehäuften Reichtümer und die toten Frauen gesehen sah - klammert sich das Paar hilflos aneinander. Richter lässt das Publikum hinter die letzte Tür blicken und der Hintergrund senkt sich wie ein Burgtor nach unten. Dahinter drehen sich weiß-graue Zackengebilde, wohl Blaubarts versteinertes Herz. Das Ende ist Dunkelheit.

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