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Anfeindungen nach Schlittenhund-Unfall

Hetzjagd auf den Husky-Mann von Duisburg

DUISBURG Jedes Jahr zur Adventszeit verkleidet sich Heiko Haarkötter als Nikolaus, um gemeinsam mit seinen 16 Schlittenhunden Kinder in Duisburg zu beschenken. An Neujahr geriet der 54-Jährige unter Verdacht: Ein Mann mit einem Hundeschlitten verursachte einen Unfall, bei dem ein Baby verletzt wurde. Für die Öffentlichkeit kam nur Heiko Haarkötter als Täter in Frage. Eine Hetzjagd auf den Nikolaus begann.

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Heiko Haarkötter mit seiner Husky-Bande.

Ein tiefer Blick in die Augen.

Resozialisiert: Der Husky wurde auf einer Razzia im Rotlichtmilieu beschlagnahmt. "Das war ein Psycho, jetzt ist es ein Schatz."

Heiko Haarkötter und seine Hunde bei einem Rennen in Action.

"Ich war total froh, als die Polizei anrief und meinte, dass sie den Schuldigen vermutlich haben. Aber der Mann soll jetzt erst einmal die Möglichkeit bekommen, seine Version zu schildern", erzählt Heiko Haarkötter erleichtert. Er hatte bereits sein Telefon abgeklemmt, weil er täglich Drohanrufe erhalten hat. "Da lässt du schon die Ohren hängen, wenn dir so etwas passiert. Ich konnte nicht mal vor die Türe, ohne beleidigt zu werden."

Die Vorgeschichte: Am Neujahrstag stürzte ein Kinderwagen mit einem einjährigen Baby eine Böschung herunter. Verantwortlich soll ein Schlittenhundgespann gewesen sein, dass den Wagen angestoßen hatte. Der Fahrer floh vom Tatort. Das Baby erlitt einige Schürfwunden, blieb aber ansonsten unverletzt. Die 27-jährige Mutter des Säuglings hatte insgesamt 16 Huskys gezählt - genauso viele Hunde, wie Heiko Haarkötter vor seinen Schlitten spannt. Damit geriet der 54-Jährige unter Verdacht.  "Ob es wirklich 16 Hunde waren, müssen wir noch ermitteln. Wir haben einen Verdächtigen gefunden, der noch diese Woche seine Aussage machen wird", sagte ein Sprecher der Polizei Duisburg. "Bisher gibt es nur eine Schilderung der Geschichte, da müssen wir abwarten. Aber Herr Haarkötter ist auf jeden Fall unschuldig", sagte der Sprecher weiter.

Seit 25 Jahren ist Heiko Haarkötter als Nikolaus in Duisburg unterwegs. Die Idee kam ihm, als sein Sohn im Krankenhaus lag. "Da wurde dort ein Weihnachtsmann gesucht. Ich habe vorgeschlagen, das zu übernehmen - zusammen mit meinen Huskys. Ein Weihnachtsmann auf einem Hundeschlitten sieht ja besser aus," lacht Haarkötter.  Wenn der Mitarbeiter von Thyssen-Krupp mit seinem Schlitten in der Stadt unterwegs ist, achtet er aber penibel auf Sicherheitsvorkehrungen. "Wenn ich eine Nikolaus-Veranstaltung mache, hole ich mir Polizisten zur Hilfe. Die halten mir dann den Rücken frei. Ich kann nicht so einfach mit den Hunden durch die Gegend fahren." Unfälle seien dann vorprogrammiert, erzählt Haarkötter. Er fährt mit seinen Hunden Rennen, dafür trainiert er auf einer privaten Industriebrache. "Die habe ich für mich allein, da gehe ich Ärger aus dem Weg." Eigentlich dachte Heiko Haarkötter, er sei der Einzige, der in Duisburg mit einem so großen Schlitten unterwegs ist. Der 54-Jährige ist sicher, dass der mutmaßliche Unfallverursacher ein Hunde-Profi sein muss.  "Wenn man 16 Hunde hat, ist das schon allein ein riesiges Theater, die vor den Schlitten zu spannen. Mit so vielen Hunden fährt keine Micky Maus."Große Enttäuschung  Dass er auf Verdacht verurteilt wurde, hat Haarkötter sehr enttäuscht. "Es ist ganz egal, was man macht - erst einmal muss nach dem Warum gefragt werden. Dafür ist unser Rechtsstaat da. Wir sind alle nur Menschen, jeder kann eine Dummheit anstellen." Allerdings gab es nicht nur Anfeindungen gegen den Husky-Mann: Viele Duisburger haben auch zu ihm gehalten und sich auf sozialen Netzwerken für Haarkötter ausgesprochen.

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Heiko Haarkötter mit seiner Husky-Bande.

Ein tiefer Blick in die Augen.

Resozialisiert: Der Husky wurde auf einer Razzia im Rotlichtmilieu beschlagnahmt. "Das war ein Psycho, jetzt ist es ein Schatz."

Heiko Haarkötter und seine Hunde bei einem Rennen in Action.

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