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Hilfe für Kinder mit dramatischer Biografie

MENGEDE Nach der Schule kommen sie. Essen, Hausaufgaben machen, spielen. Alles völlig normal für Kinder zwischen sechs und 13 Jahren. Normal, wenn sie nicht zum Teil schreckliche Erlebnisse hinter sich hätten.

von Von Arndt Brede

, 11.10.2007
Hilfe für Kinder mit dramatischer Biografie

Sie kümmern sich um die Kinder: (v.r.) Corinna Lenschen, Stefanie Rohde und Norbert Thomas.

Seit zehn Jahren nimmt die Heilpädagogische Tagesgruppe des Vereins für Erziehungshilfen (VfE) Mengede Mädchen und Jungen auf, die hyperaktiv sind, besondere Aufmerksamkeitsdefizite vorweisen, gewaltbereit, emotional verwahrlost oder gar Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Und deren Eltern nicht in der Lage sind oder waren, ihren Kindern den Lebensraum zu ermöglichen, den sie brauchen, um angemessen aufwachsen und sich entwickeln zu können.

Die Einrichtung im Mengeder Ortskern, Am Amtshaus, arbeitet eng mit den Jugendhilfediensten zusammen. Denn die fragen an, ob die Tagesgruppe einen Platz frei hat. Ist das Kind aufgenommen, überweist das Jugendamt pro Tag pro Kind ein Entgelt an den Träger der Tagesgruppe. Und dann beginnt ein meist langer Prozess. In dem bis zu neun Kinder an fünf Tagen in der Woche lernen, sich in die Gruppe zu integrieren, ihr soziales Verhalten zu verbessern. In dem sich aber auch die Eltern verpflichten, mitzuwirken, dass sie möglichst die Erziehungskompetenz erlangen, um dem Kind eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Bezugsperson

Drei hauptamtliche Mitarbeiter - Jugend- und Heimerzieherin Corinna Lenschen, Erzieherin Stefanie Rohde und Diplom-Pädagoge Norbert Thomas - kümmern sich, unterstützt von Hauswirtschaftskraft Angelika Borchert und Praktikanten, um die Kinder. Konkret: "Wenn sie nach der Schule zu uns kommen, essen wir gemeinsam zu Mittag", sagt Norbert Thomas. "Und dann ist Hausaufgabenzeit", führt Corinna Lenschen fort. Das heißt: "Einer von uns betreut jeweils drei Kinder. Die Kinder haben immer die selbe Bezugsperson." Dadurch sei auch gewährleistet, dass eine stärkere Beziehung zwischen Personal und Kindern aufgebaut werden könne. "Vertrauen ist die Basis unserer Arbeit", sagt Norbert Thomas.

Der Tagesablauf sieht dann noch einen "gestalteten Nachmittag" vor. In kleinen Gruppen oder als Gesamtgruppe geht es dann "möglichst nach draußen", wie Stefanie Rohde es beschreibt. Der Ablauf ist Teil eines Hilfeplans, der individuell auf jedes Kind und deren Eltern abgestimmt ist und der halbjährlich bzw. bei Bedarf auch früher intern überprüft wird, um gegebenenfalls Ziele neu zu definieren.

Bis zu zwei Jahren

Im Durchschnitt bleiben die Kinder eineinhalb bis zwei Jahre in der Tagesgruppe. Der Aufenthalt endet, "wenn sich was zum Positiven geändert hat, das Kind Auffälligkeiten abgebaut hat", sagt Corinna Lenschen. Am besten sei es, "wenn man für das Kind den besten Weg gefunden hat, dass es sich in einem Lebensraum gesund und normal entwickeln kann, ob im dann stabilisierten Familiensystem oder aber in einem Heim." Denn auch das könne dabei heraus kommen, wenn die Betreuer in der Tagesgruppe zu der Überzeugung gelangen, dass die Heimunterbringung für das Wohl des Kindes besser ist, als es in der Familie zu lassen. www.vfe-mengede.de