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Hilfe nach Hartz IV-Alarm

WATTENSCHEID Die Worte waren wie Peitschenschläge, mit denen Schulleiter Christoph Graffweg im Sommer seine Schüler in "Arbeitslosigkeit und Hartz IV entließ".

von von Sabine Strohmann

, 14.12.2007
Hilfe nach Hartz IV-Alarm

<p>Schiebt nichts auf die lange Bank: Schulleiter Graffweg.</p>

"Meine Aufgabe als Lehrer ist es, die Schüler auf das Leben nach der Schule vorzubereiten", hatte der Direktor der Wattenscheider Fröbelschule vor laufender "Monitor"-Kamera gesagt. Und das sei die einzig authentische und glaubwürdige Perspektive.

Zugang zur Bildung

Die provokanten Hiebe auf eine Gesellschaft, die nicht genug täte, um benachteiligten Kindern aus sozial schwachen Schichten zu Bildung und Chancengleichheit zu verhelfen, verfehlten ihre Wirkung nicht. Der einsame Rufer in der Nacht wurde gehört: Nachdem er im Frühstücksfernsehen von der fortan nur noch "Hartz IV"-Schule genannten Wattenscheider Förderschule erfahren hatte, meldete sich ein hochrangiger pensionierter Gewerkschafter aus Frankfurt, ließ seine Kontakte spielen und brachte ein Mentorenprogramm in Gang, mit dem er schon in anderen, vornehmlich Hauptschulen, gute Erfahrungen gemacht hat.

Seitdem hat Christoph Graffweg wichtige Partner an seiner Seite: Die Agentur für Arbeit, die BP-Stiftung, Betriebsräte, Gewerkschafter und Kreishandwerkerschaft. "Unser Ziel ist es, jedem Schüler der 10. Klasse einen persönlichen Mentor an die Seite zu stellen", beschreibt der Schulleiter das neue Programm. Sieben Mentoren sind schon gefunden: pensionierte Betriebsräte, ehemalige Lehrer, Mitarbeiter des Jugendamtes.

"Bei Problemen können die Schüler sie anrufen, oder aber Betriebe können sich dort melden, wenn die Jugendlichen nicht zur Arbeit erscheinen", erklärt Graffweg. Das erste Zusammentreffen von Mentoren und Schülern hat ihn schon ermutigt: Die Schüler zeigten sich hochgradig interessiert und motiviert. "Es war eine schöne Stimmung, die Schüler hatten kräftig mitgearbeitet und gekocht", ist Graffweg sehr mit seinen Schützlingen zufrieden. Auch die Mentoren schritten gleich zur Tat: Einer vermittelte einem Schüler sogleich ein Praktikum bei einem Dachdecker in den Weihnachtsferien.

Chance durch Praktika

"Das ist der einzige Weg, der bei unseren Schülern zum Erfolg führt", weiß Graffweg. Denn mit ihrem Schulabschluss stehen die Förderschüler hinten an. Das hat erst kürzlich eine ehemalige Schülerin erfahren, die drei Jahre lang in einer Firma Praktika gemacht hat - immer mit Aussicht auf eine Lehrstelle. Doch zwei Wochen vor der Unterschrift kam dann das Nein. "Eine Gymnasiastin hatte sich beworben, dagegen hatten unsere Schülerin keine Chance", erzählt Graffweg bitter.

Dieser Fall war es auch, der ihn bei der Abschlussfeier zu so drastischen Worten veranlasste: "Die Zahl von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf steigt, immer mehr Kinder leben in Armut und man weiß nicht erst seit Pisa, dass sie keinen Zugang zur Bildung bekommen", mahnt der Schulleiter. Deshalb fordert er Bildung und Förderung von Geburt an. Auch öffentlich: Denn seit der "Monitor"-Sendung über seine Schule und Schüler ist Christoph Graffweg ein gefragter Experte und Referent. Dabei plädiert er auch immer dafür, Arbeitsplätze zu schaffen, die für seine Schüler geeignet sind. "Die gibt es," ruft er auf, Arbeitsabläufe zu durchforsten.

Mit der Popularität steigt auch das Hilfsangebot für die Fröbelschule: Seit Oktober koordiniert eine Sozialarbeiterin die Hilfsangebote unterschiedlicher Träger für einige die Schüler der Schule. Graffweg: "Das bedeutet für diese Kinder Kontinuität und Stabilität - wichtige Bausteine für ihre Entwicklung, die nicht in Arbeitslosigkeit münden darf." Sabine Strohmann

 

Mentoren sind willkommen. Infos unter Tel.0 23 27 / 900 383 www.froebelschule-bochum.de