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Hilfsarbeiter wird 22 Jahre nach sexuellem Missbrauch verurteilt

Sexueller Missbrauch

Vor 22 Jahren hat ein gehörloser Hilfsarbeiter (43) einen Grundschüler sexuell missbraucht. Vom Landgericht Essen wurde er jetzt zu 21 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Auch dank Facebook.

Essen

, 31.07.2018

Der Vorfall passierte Mitte der 1990er Jahre in Gelsenkirchen. „Ich weiß nur noch, dass ich mein Rad mit einer Mickey-Mouse-Fahne gerade neu hatte“, erinnerte sich der Zeuge. Was ihm damals widerfahren ist, hat der heute 31-jährige Hertener noch immer ganz genau vor Augen. „Ich gehe damit ins Grab. Das wird immer ein Thema für mich sein“, sagte er.

Der Grundschüler spielte damals im Sandkasten, als der Angeklagte (damals 19 oder 20) mit dem Rad an ihm vorbeifuhr. Weil die Eltern des Schülers ebenfalls gehörlos waren, konnte der Junge auch die Gebärdensprache. „Er hat immer gewunken“, erinnerte sich der Zeuge. „Irgendwann bin ich eingeknickt und mit meinem Rad hinter hergefahren.“ Im Keller des Wohnhauses des Angeklagten sei es zu einem sexuellen Übergriff gekommen. Geendet habe die Tat mit der Aufforderung, niemals etwas davon zu erzählen.

#MeToo-Debatte ermutigt

Jahrelang hat sich der 31-Jährige darangehalten. Erst als aus Hollywood die #MeToo-Debatte rüber schwappte, durch die Opfer sexueller Belästigungen animiert wurden, sich zu offenbaren, traute sich auch der Hertener. Der inzwischen junge Vater vertraute das Geheimnis erst seiner Frau an, dann schrieb über „Facebook“ den Täter an. Im Chat hatte er sich dafür mit dem Frauennamen „Fiona Gallagher“ getarnt und dem 43-Jährigen Avancen gemacht. Später ließ er seiner Wut freien Lauf: „Du hast mich sexuell missbraucht.“ Die Antwort des Angeklagten: „Sorry. Ich kann Dich bezahlen. Wieviel Euro?“ Kurz darauf erstattete das Opfer Strafanzeige.

„Es tut mir unendlich leid“, ließ der geständige Angeklagte eine Gebärdendolmetscherin übersetzen. Bereits im Vorfeld hatte er dem Opfer 300 Euro zur Schadenwiedergutmachung übergeben lassen. Dazu soll laut Urteil von ihm eine Geldauflage von 600 Euro bezahlt werden. Angesichts einer einschlägigen Vorstrafe mahnte Richterin Jutta Wendrich-Rosch den Angeklagten eindringlich. Dass er eine zweite Bewährungsstrafe erhalten habe, sei nicht zuletzt der lange zurück liegenden Tat und den damit einhergehenden prozessualen Besonderheiten (Anwendung von Jugendstrafrecht) geschuldet. Das Urteil lautet auf sexuellen Missbrauch von Kindern.

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