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Historische Stadtführung zeigt bewegende Gechichten

Heimat- und Bürgerverein Wattenscheid

Eine Stadtführung des Heimat- und Bürgervereins zeigte am Samstag, wie sich Wattenscheid in den Jahrhunderten verändert und entwickelt hat. Selbst Bürger, die schon lange in dem Stadtteil leben, konnten dabei allerhand Neues lernen.

BOCHUM

von Von Sabine Josten

, 19.03.2012
Historische Stadtführung zeigt bewegende Gechichten

Das alte Fachwerkhaus an der Getrudisstraße war einst prachtvoll, jetzt zerfällt es.

Standort: Alte evangelische Kirche. "Von hier ein Radius von 500 Metern, größer war Wattenscheid anfangs nicht", erklärte Ullrich Weber vom Heimat- und Bürgerverein bei der historischen Stadtführung am Samstag. Jenseits dieses Radius war Sumpf - "Strategisch lag das natürlich günstig, denn dann blieben die Angreifer erst einmal im Morast stecken." Auch der Name Wattenscheid stammt daher: Hügelrücken (scethe) inmitten von Watten, dem Sumpf. In der alten Kirche ein Kleinod: Ein Altar (mit Kanzel), geschnitzt von Dietrich Körmann 1694. "Vergleichbare Werke gibt es nur noch in etwa einer Handvoll anderer Städte", berichtete Heinz-Werner Kessler, Vorsitzender des Vereins.

Geldmangel

Auf der Rückseite der Kirche sind Vorsprünge am Mauerwerk. "Das deutet darauf hin, dass hier noch ein Turm angebaut werden sollte", zeigte Weber. Aus Geldmangel aber blieb es bei der Idee. Vorbei an der Gertrudisstraße 20. Wie prachtvoll das alte Fachwerkhaus einst war, lässt sich nur noch erahnen. Es gehörte einem erfolgreichen Kaufmann, jetzt steht die Zwangsversteigerung an. Aber niemand möchte es haben. Weber kratzt ein bisschen an einem Holzbalken: "Alles wurmstichig", konstatiert er. Ein Blick durch die zerborstenen Fenster zeigt Gerümpel, soweit das Auge reicht, der Geruch ist modrig. Schade.Gedenktafel

An die Wasserburg Lyren erinnert nur noch eine Gedenktafel. Das Rathaus passierend geht es vorbei an den "schönsten Fenstern" Wattenscheids. Früher war in dem Haus ein Spielzeuggeschäft. "Ja!", lacht eine Teilnehmerin, "ich weiß noch, wie wir uns als Kinder die Nasen an den Scheiben plattgedrückt haben." Eine Gedenktafel zeigt, wo einst die Synagoge stand. Auf ihr geschrieben stehen alle Wattenscheider Opfer der Shoa.

Die Propsteikirche zeigte sich geschmückt - schließlich war Samstag der Namenstag der Patronin Gertrudis. "Auch wegen der kirchlichen Würden war Wattenscheid ein Machtzentrum", erklärte Weber. Die Befugnisse des Propstes gingen bis hinauf nach Soest. Zusammen mit der Partnergemeinde aus Nivelles (Belgien, Heimat der Heiligen Gertrudis) würden die Wattenscheider an diesem Abend noch das Patronatsfest begehen. Einer der etwa 20 Teilnehmer resümierte: "Ich bin hier groß geworden. Und stelle nun fest, dass ich viele der hiesigen Schätze nicht gekannt habe."