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«Ho Ho Ho» im Hochsommer - Nikolaus-Ausbildung

Sankt Nikolaus (dpa) ­ Es ist schwülwarm und drückend im kleinen Sankt Nikolaus, die Bäume sind grün, Blumen blühen. Doch die Ruhe mitten im Hochsommer täuscht: Laut dröhnt ein sonores «Ho Ho Ho» aus der ehemaligen Schule des beschaulichen Dorfes im Saarland.

«Ho Ho Ho» im Hochsommer - Nikolaus-Ausbildung

Zwölf Nikolaus-Anwärter werden in Sankt Nikolaus im Saarland ausgebildet, um Kinder an Weihnachten glücklich zu machen. (Bild: dpa)

Drinnen wird inmitten von Weihnachtsschmuck und Zimtgeruch gepaukt: Elf Männer und eine Frau arbeiten sich als «Nikolaus-Anwärter» durch theoretischen Unterricht, Stimmtraining und praktische Prüfungen. Sie alle wollen echte Nikoläuse werden ­ mit Zertifikat. Und die Prüfer sind Experten. Seit 1967 ist der Festausschuss Sankt Nikolaus und sein Weihnachtspostamt eine Institution über das Saarland hinaus.

Mehr als eine Million Briefe von Kindern haben die ehrenamtlichen Helfer in den vergangenen 40 Jahren beantwortet und tausende Euro Spenden für Bedürftige gesammelt. Nun bilden die Mitglieder mit Hilfe der Deutschen Post erstmals «Nachwuchs» aus. Für die zwölf «Azubis» aus dem Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz ist während des Nikolaus-Seminars Weihnachtszeit. Sie alle hatten sich nach Aufrufen der Post beworben und einen Platz für das Wochenendseminar ergattert.

«Es ist schon sehr heiß unter der Perücke», sagt Rafael Mailänder. Schweiß rinnt von seiner Stirn, und wie seine Mitschüler hat der 45-jährige Saarbrücker Schwierigkeiten, die große Bischofsmütze auf seinem wallenden grauen Nikolaus-Haar zu halten. Helmut Zimmermann aus dem hessischen Waldbrunn schiebt beim Waffelbacken den riesigen Rauschebart aus dem Gesicht. «Der stört sonst.» Für die praktischen Prüfungen müssen die angehenden Nikoläuse ein prächtiges Bischofs-Ornat anlegen.

Anschließend werden die Nachfolger des legendären Bischofs von Myra in die Geheimnisse des Weihnachtspostamts eingeweiht. Briefe beantworten, Umschläge mit dem Sonderstempel bedrucken, Waffeln backen und Pakete packen entpuppen sich als schweißtreibende Angelegenheit. Aber auch als heitere: «Es macht einen Riesenspaß», sagt Renate Siewert aus Hanau. Die 48-Jährige will nach bestandenem Examen auch in der hessischen Heimat Kinder zu Weihnachten glücklich machen.

Denn bei allem Spaß steckt hinter der Aktion ein ernstes Anliegen. «Es geht uns vor allem um das Karitative», sagt Peter Gerecke. Er ist Vorsitzender des Festausschusses und weiß um die Probleme, die Kinder mitunter haben. Die Zahl derer, die sich in den Briefen an den Nikolaus statt Spielzeug und schöne Geschenke einen Job für die Eltern oder weniger Streit in der Familie wünschen, steige. «Auf solche sorgenvollen Briefe können sie nicht mit Textbausteinen antworten.» Die christliche Mission des Nikolaus' ist Gerecke und seinen Leuten eine Herzensangelegenheit - auch und gerade in Abgrenzung zum konsumorientierten Weihnachtsmann.

Seit 1967 arbeiten die Einwohner des 960-Seelen-Dorfes fleißig und ehrenamtlich an diesem Ziel. Ein Jahr zuvor hatte das erste Kind einen Brief in die Gemeinde nahe der französischen Grenze gesandt. «Sankt Nikolaus ist der einzige Ort in Deutschland mit diesem Namen», erklärt Gerecke. Gemeinsam mit der Post wurde das Weihnachtspostamt gegründet. Es gibt Sonderstempel, die bei Sammlern im ganzen Land begehrt sind. Vom 7. bis zum 24. Dezember kann jeder hier seine Post aufgeben. Mehr als 274 000 Euro haben die Helfer damit in den Jahren gesammelt und gespendet. Jeder der jährlich rund 15 000 Briefe wird beantwortet. «Das ist wichtig, die Kinder warten darauf», sagt Gerecke. Alle Teilnehmer haben auch diese Lektion gelernt und bekommen ihr Zertifikat - und dürfen, wenn sie wollen, in der Weihnachtszeit in Sankt Nikolaus helfen.

St. Nikolaus im Warndt: www.sankt-nikolaus-warndt.de

Weihnachtspostamt: www.nikolauspostamt.de

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