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Hobby-Römer stellen Marsch nach

Xanten (dpa) Wie ein gewaltiger Hagelsturm hört es sich an, als dutzende Walnüsse auf die römischen Breitschilde der «Legio XV Primigenia» prasseln.

Hobby-Römer stellen Marsch nach

Nach einem neuntägigen Fußmarsch haben 16 als römische Legionäre ausstaffierte Hobbyarchäologen ihr Ziel erreicht.

Kinder, die am Wochenende das Römerlager auf dem Xantener Fürstenberg besuchen, erleben, wie sich Soldaten in der Antike vor Wurfgeschossen verteidigten. Während das für den Nachwuchs ein Spiel ist, müssen die Hobby-Römer hinter den Schildern ihre letzten Kraftreserven aufbieten. An neun Tagen war die 17-köpfige Gruppe zuvor von Bergkamen bis nach Xanten marschiert. Mit 40 Kilogramm Marschgepäck pro Mann, Waffen und Standarte hatten sie Pfade beschritten, die das römische Militär schon 1950 Jahre vor ihnen zurücklegte. Eine authentische Reise auf den Spuren ihrer Vorbilder.

Mit seinen Freizeit-Legionären der «Legio XV Primigenia» war «Centurio» Alexander Schneider am 24. Juli aufgebrochen. 100 Kilometer legten die Archäologiebegeisterten entlang der Lippe zurück. Mit dem Römermarsch 2008 wollten die Hobbyforscher detailgetreu die Marschleistung römischer Soldaten nachvollziehen. Besonderen Wert legten die 16 bis 52 Jahre alten Männer dabei auf eine authentische Ausrüstung und Bekleidung. Neben dem römischen Kurzschwert «Gladius», und einem Schuppenpanzer namens «Segmentata», gehört dazu auch ein neun Kilogramm schweres Kettenhemd. Außerdem führte, wie bei den Römern üblich, jeder Soldat einen Beutel mit Getreide, Käse und getrockneter Wurst mit sich.

An ihrem Zielort Xanten, errichteten die Soldaten ihr Zeltlager mit Feuerstelle zum letzten Mal. Ihre ersten Erfahrungen ihres Experimentes tauschten sie dort mit knapp 100 Besuchern aus. «Wir hätten vorher nicht gedacht, dass die römischen Ledersandalen so robust sind», sagte Alexander Schneider. Nur von Nägeln und Riemen gehalten, hatten sie den ganzen Marsch heil überstanden. Von Blasen blieben die Freizeit-Legionäre allerdings nicht verschont. Für moderne Kieswege sind die altertümlichen Latschen nämlich nicht gemacht. Kleine Steine, die sich zwischen die Laschen setzten, scheuerten die Füße wund. «Außerdem fällt die Knautschzone weg, weil die Sandalen sehr flach sind. Abends spürt man vor allem seine Hacken», sagt Eike Hofmann, der jüngste Legionär, der unterwegs seinen 16. Geburtstag feierte.

Auf eine Torte an seinem Ehrentag musste Eike allerdings verzichten. Bei der Speisung des Militärs wollten die Freizeit-Legionäre authentisch bleiben. So musste der «Pistor», der Bäcker des Lagers, Wilhelm Smitmans, auf das zurückgreifen, was in die Taschen passte oder bei Bauernhöfen am Wegesrand zu erwerben war. «Es gab hauptsächlich Eintöpfe mit regionalem Gemüse. Und einen Getreidebrei namens «Puls» hab ich fast jeden Tag zubereitet». Ergänzt wurde der Speiseplan mit Brot aus dem Lehmofen. Besonderer Höhepunkt für den Küchenchef Smitmans war der Einsatz einer gusseisernen Klapp-Pfanne. Ein Stück, das ein befreundeter Schmied der Gruppe nach einer Vorlage aus dem Xantener Museum angefertigt hatte. «Man konnte zwar kein Steak darin braten, aber mit viel Liebe und Öl gab es für 17 Mann herrliches Rührei», sagte Wilhelm Smitmans.

Die gesammelten Erkenntnisse ihres Abenteuer-Ausfluges stellt die Legion in der nächsten Woche dem Bergkamener Museum und einem Römer-Museum im holländischen Nijmwegen zur Verfügung. Ausprobiert haben die Neuzeit-Römer unter anderem antike Grabwerkzeuge zum Ausheben einer Feuerstelle, den Nachbau einer pompejianischen Feuerstelle mit zwei Töpfen und verschiedene römische Rezepte für Eintöpfe. «Das Leben war zwar damals nicht so komfortabel, aber die Utensilien die wir getestet haben, waren für ein Leben in der Natur sehr praktische Hilfsmittel», sagt Alexander Schneider. Vermisst habe er lediglich die Dusche, sein Bett, und «eine große Pizza», so der Anführer der Gruppe.

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