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Homöopathie: Kritiker wollen Zusatzbezeichnung kippen

Münster. Gleiches mit Gleichem heilen - daran glauben Anhänger der Homöopathie und nutzen Arzneimittel mit extrem niedriger Dosierung. Kritiker halten das für Humbug. Wenn es Wirkungen gebe, dann höchstens durch Einbildung der Patienten. Der Streit tobt heftig.

Homöopathie: Kritiker wollen Zusatzbezeichnung kippen

Aus einem Röhrchen geschüttete homöopathische Globuli. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Illustration

Im jahrelangen, emotional geführten Streit um die Berechtigung der Homöopathie haben die Kritiker eine neue Attacke vorgebracht. Sie möchten erreichen, dass Ärzte nicht mehr die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ auf dem Praxisschild führen dürfen.

Mit einer solchen Zusatzbezeichnung für Ärzte werde das Patientenvertrauen untergraben. Denn der Titel gebe der homöopathischen Lehre den Anstrich wissenschaftlicher Seriosität. Tatsächlich handele es sich aber um eine „esoterische Heilslehre“, erklärten die Kritiker rund um die Münsteraner Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert am Freitag in Münster.

Die Kritikergruppe möchte, dass beim Ärztetag in Erfurt vom 8. bis 11. Mai die Weiterbildungsordnung so geändert wird, dass die Zusatzbezeichnung nicht mehr vergeben wird. Der Zentralverein homöopathischer Ärzte wies den Vorstoß zurück. Die Nachfrage nach ärztlicher Homöopathie sei in den vergangenen 20 Jahren enorm gestiegen, sagte die Verbandsvorsitzende Cornelia Bajic. Die ärztliche Zusatzbezeichnung Homöopathie sei „ein Garant für eine gute und sichere Versorgung der Patienten“.

Der Homöopathie-Markt hat nach aktuellen Schätzungen des Marktforschungsinstituts Insight Health bundesweit ein Umsatzvolumen von etwa 600 Millionen Euro pro Jahr. Auf dem gesamten deutschen Pharma-Markt wurden dagegen in Deutschland 2016 knapp 40 Milliarden Euro umgesetzt. Trotz der überschaubaren wirtschaftlichen Bedeutung gibt es um homöopathische Mittel und Behandlungsmethoden aber immer wieder heftigen Streit.

Die Kritiker halten die Homöopathie schlicht für wirkungslos. Die Arzneien würden so stark verdünnt, dass der Wirkstoff oft überhaupt nicht mehr nachweisbar sei. Unwirksame Verfahren seien aber unethisch. Sonst könnte man Ärzten nach entsprechender Weiterbildung auch eine Zusatzbezeichnung „Gesundbeten“ zubilligen, schreiben die Münsteraner Kritiker. Es gebe hunderte Studien zur Homöopathie, sie alle hielten ernsthaften wissenschaftlichen Anforderungen an die statistische Beweisführung und Wiederholbarkeit aber nicht stand.

Anhänger der Homöopathie verweisen dagegen stets auf die Besserung aus Sicht der Patienten in vielen Einzelfällen. Nicht umsonst würden homöopathische Therapien von sehr vielen Krankenkassen erstattet. Zudem sei die Homöopathie im Sozialgesetzbuch auch rechtlich verankert. „Die von den Ärztekammern verliehene Zusatzbezeichnung Homöopathie hat sich seit Jahrzehnten in der deutschen Ärzteschaft bewährt. Immer mehr Ärzte führen sie, aktuell sind es rund 7000 Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen“, erklärte Bajic. Klinische Forschungsdaten belegten sehr wohl den therapeutischen Nutzen.

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