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Howard Carpendale beim Zeltfestival

Interview

WITTEN/BOCHUM Howard Carpendale tritt am 25. August beim Zeltfestival am Kemnader See auf. Inzwischen hat er seinen 63 Geburtstag gefeiert. An sowas wie einen Ruhestand denkt er nicht, vertraute er uns im Interview an.

von Von Christian Lukas

, 05.08.2010
  • Sie haben vor sechs Jahren den Abschied von der Bühne verkündet – sind zurückgekehrt. Was trieb Sie an? Ich habe die Bühne vermisst. Wenn man so viele Jahre auf Tour war, ist es schwierig, einfach auf Wiedersehen zu sagen. Also haben ich vorsichtig meine Fühler wieder ausgestreckt, ich wusste ja nicht, ob vom Publikum noch Interesse bestand.
  • Ist die Bühne eine Sucht? Wäre es eine Sucht, wäre es nicht gut, denn es muss Spaß machen. Und es macht mir Spaß. Außerdem habe ich ja nie einen Hehl daraus gemacht, die Bühne zu lieben.
  • Also bleiben Sie den größeren Bühnen treu, es steht keine Clubtour an? Vielleicht unplugged? (lacht) Als junger Mann bin ich auch in kleinen Clubs aufgetreten. Das war schön, es war vor allem eine wertvolle Lehrzeit. Aber ich bevorzuge die größeren Hallen.
  • Nun begannen Sie ihre Karriere im Goldenen Schlagerzeitalter der frühen 70er... was wirklich lustig und toll war. Das Geschäft war naiver. Es war dadurch einfacher an einen Plattenvertrag oder einen TV-Auftritt zu kommen. Allerdings soll man der Vergangenheit nicht hinterher weinen. Und machen wir uns nichts vor: Wir neigen dazu, vieles aus der Vergangenheit zu verklären. Als Musiker behaupte ich, ist die Qualität heutiger Bands viel höher als damals.
  • Was ist das Rezept für eine so lange Karriere? Man muss sich immer wieder neu erfinden und darf keine Angst haben, etwas Neues auszuprobieren. Das bedeutet nicht, dass man sich selbst gegenüber untreu wird. Es ist wahrscheinlich die Mischung. Es hat keinen Sinn von den alten Hits leben zu wollen.
  • Wie würden Sie die eigene Entwicklung beschreiben? Ich bin rockiger geworden. Ansonsten überlasse ich dieses Urteil meinen Zuhörern
  • Sind die mit Ihnen in die Jahre gekommen? Nun ja, ich würde mal ein Durchschnittsalter von 40 bis 45 auf meinen Konzerten vermuten, aber es gibt auch viele jüngere Fans. Also scheine ich etwas richtig zu machen.
  • Wie etwa den Auftritt in einem Video der Fantastischen Vier vor einigen Jahren. War das ein Versuch, sich einem jungen Publikum bekannt zu machen? Können Sie sich ein Crossover-Projekt vorstellen, wie es Udo Lindenberg oder James Last produziert haben, mit jüngeren Künstlern an der Seite... Nicht jedes Crossover Alt/Jung ist gelungen und solch ein Projekt um jeden Preis, davon halte ich nichts. Es muss stimmen, es muss ein Projekt sein, von dem beide Seiten profitieren. Es gibt noch Wunschprojekte. Ich habe kürzlich mit Lionel Ritchie über eine Zusammenarbeit gesprochen, allein fehlt uns noch die zündende Idee. Und es gibt auch ein paar junge Künstler, aber ich muss nicht um jeden Preis hipp sein.
  • Denken Sie manchmal über einen endgültigen Rückzug aus dem Geschäft nach? Nein. Ich habe einmal den Schritt vollzogen, ihn dann wieder rückgängig gemacht und bin glücklich damit. Ich hoffe nur den richtigen Zeitpunkt für einen würdigen Abschied nicht zu verpassen. Aber zurzeit macht es mir richtig Spaß wieder auf der Bühne zu stehen.