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Hübsche Ausbeuter: Schmarotzer im Pflanzenreich

Hamburg (dpa/tmn) Wer lädt schon einen Schmarotzer zur Advents- oder gar zur Weihnachtsfeier ein? Millionen Menschen tun es. Obwohl, in Wahrheit ist es gar kein richtiger Schmarotzer. Denn die Mistel zählt zu den Halbschmarotzern.

Es gibt aber auch richtige Schmarotzer im Pflanzenreich und es gibt Pflanzen, die immer wieder als solche beschuldigt werden, obwohl sie überhaupt nicht schmarotzen. Die Mistel besitzt grüne Blätter. Damit kann sie assimilieren, also selbst Sonnenenergie in Zucker verwandeln. Ihre Wirtspflanze liefert ihr nur die nötigen Mineralstoffe und das Wasser. Sie schmarotzt also nur halb.

Andere Arten scheinen es ihr nachzutun. Wie die Mistel sitzen Bromelien, Nestfarn und Hirschgeweihfarn, die in Deutschland die Fensterbank zieren, in ihrer subtropischen Heimat auf Zweigen und Ästen. Die Leitungsbahnen ihrer Wirte mit all ihren Nährstoffen tasten sie trotzdem nicht an. Sie wollen lediglich näher ans Licht.

Dagegen scheinen viele wirkliche Halbschmarotzer völlig harmlos, nur weil sie wie normale Pflanzen auf der Erde wachsen. Dabei zapfen Läusekraut (Pedicularis), Wachtelweizen (Melampyrum) und Klappertopf (Rhinanthus) unterirdisch die Wurzeln ihrer Wirte an.

Liebenswert sind sie trotzdem und oft genauso gefährdet wie viele der echten Schmarotzer. Orchideen gehören dazu wie der Widerbart und der Violette Dingel, die beide sehr selten und streng geschützt sind. Dem Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) begegnet man häufiger in Buchenwäldern. Seine 10 bis 30 Zentimeter hohen, beige-bräunlichen Ähren werden nur meist im welken Laub übersehen.

Die Sommer- und Schuppenwurze, die Orobanchen und Lathraea-Arten, wachsen meist an guten Standorten. Namen wie Salbei-, Zistrosen-, Berberitzen- oder Distel-Sommerwurz verraten ihre bevorzugten Nährstofflieferanten. Viele Sommerwurz-Arten sind gefährdet und stehen unter Naturschutz, aber einige richten auch Schaden an. Orobanche ramosa und aegyptiaca schmarotzen auf Tabak, Kartoffeln, Tomaten und vielem anderen.

Noch schlimmer gebärden sich die Seiden, auch Teufelszwirn, Jungfernhaar oder Klebe genannt. Zu Beginn ist es nur ein winziges, blasses Fädchen, das der Keimling über den Boden schiebt, bis er seinen Wirt - etwa Kartoffel, Brennnessel, Hopfen- oder Hanfpflanze - gefunden hat. Hat der Teufelszwirn sein Opfer erreicht, schiebt er Haft- und Saugorgane in die Leitungsbahnen der Wirtspflanze. Nach kurzer Zeit ist aus dem dünnen Fädchen ein dichtes Fadengewirr geworden, das immer mehr Pflanzen erfasst und erstickt.

So ärgerlich wie Teufelszwirn im eigenen Gewächshaus ist, die liebenswerten Vertreter der Schmarotzer und Halbschmarotzer im Garten anzusiedeln, reizt durchaus. Bei der Mistel klappt das einfach. Der klebrige Samen, den sonst Vögel verbreiten, lässt sich auch von Hand auf Äste setzen.

Wachsen Erle, Pappel, Weide oder Haselnuss auf feuchtem, kalkhaltigem Boden im Garten, kann auch die Schuppenwurz (Lathraea squamaria) Fuß fassen. Wer im März und April ihre trübrosa Ähren entdeckt, kann später versuchen, ein paar Samen aus ihren abgeblühten Ähren zu schütteln. Zu Füßen ihrer Wirtspflanze ausgesät, besteht durchaus die Chance, dass sie keimen. Bis zur Blüte aber ist Geduld gefordert. Erst im Alter von etwa zehn Jahren treibt sie zum ersten Mal ihren schuppigen, grünfreien Blütenstand.

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