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IS beansprucht Messerangriff in Hamburg für sich

Hamburg (dpa) Wird ein Mord in Hamburg zum Terrorfall? Mitte Oktober wird ein Jugendlicher am Alsterufer hinterrücks tödlich verletzt. Zwei Wochen später teilt der IS mit, einer seiner "Soldaten" habe zwei Menschen angegriffen. Nun ermittelt der Staatsschutz in dem rätselhaften Fall.

IS beansprucht Messerangriff in Hamburg für sich

Polizisten stehen am Tag nach der Messer-Attacke am Tatort in Hamburg. Der IS reklamiert den tödlichen Angriff für sich. Foto: Daniel Reinhardt

Die Terrororganisation IS hat nach Angaben ihres Sprachrohrs Amak einen Messerangriff auf zwei Menschen in Hamburg verübt. Amak teilte in der Nacht zum Sonntag mit, ein "Soldat des Islamischen Staats" habe die beiden am 16. Oktober angegriffen.

An diesem Tag war ein 16-Jähriger an der Hamburger Alster von einem Unbekannten mit mehreren Stichen getötet worden. Seine 15-jährige Begleiterin stieß der Angreifer ins Wasser, sie blieb aber unverletzt. Ob die Terroristen sich tatsächlich auf diese Tat beziehen könnten, konnte die Polizei zunächst nicht bestätigen.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagte, man nehme die aktuellen Hinweise auf einen möglichen IS-Hintergrund sehr ernst. Allerdings enthalte die Bekennernachricht des IS auch Ungereimtheiten. "Ziel des IS - auch bei Bekennungen - ist regelmäßig, Angst und Verunsicherung zu verbreiten. Deshalb ist es richtig, dass die Ermittlungen mit Hochdruck, aber auch mit professioneller Unaufgeregtheit und in alle Richtungen weiter geführt werden", teilte Grote mit.

Die Bundesanwaltschaft prüft die angebliche Bekennerbotschaft des IS-Sprachrohrs Amak . Es gebe noch keine Entscheidung, ob der Generalbundesanwalt den Fall an sich ziehe, sagte ein Behördensprecher. Über das Verlautbarungsorgan Amak reklamiert der IS üblicherweise Anschläge für sich.

Die Hamburger Mordkommission geht nun unter Beteiligung des Staatsschutzes ebenfalls dem Hinweis auf einen IS-Hintergrund nach.

Die Hintergründe des tödlichen Angriffs am 16. Oktober sind bisher völlig unklar. Der Polizei zufolge hatte sich das Verbrechen gegen 22 Uhr unter der Kennedybrücke ereignet, wo die beiden Jugendlichen am Ufer saßen. Der Täter sei etwa 23 bis 25 Jahre alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß gewesen. Er habe den 16-Jährige unvermittelt hinterrücks angegriffen und mit mehreren Stichen verletzt, vermutlich durch ein Messer. Der Jugendliche starb kurz darauf im Krankenhaus. Vom Täter und der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund gab es damals nicht.

Die von Amak zunächst auf Arabisch und Englisch verbreitete Mitteilung war so formuliert, dass offen blieb, ob die angeblichen Opfer verletzt oder getötet wurden. Demnach könnten sie sowohl erstochen als auch niedergestochen worden sein. Zudem fügte der Angreifer am 16. Oktober nur einem Opfer Stichverletzungen zu.

Weiter heißt es in der Amak-Botschaft, der "Soldat" des IS habe die Attacke "als Reaktion auf die Aufrufe ausgeführt, Bürger der Koalitionsländer anzugreifen". Gemeint sein dürfte das internationale Bündnis gegen die Terrormiliz. Mit derartigen Aufrufen hat der Islamische Staat seine Anhänger in der Vergangenheit wiederholt zu Gewalt angestachelt.

Dass die Islamisten des IS auch Deutschland im Visier haben, hatte sich in jüngster Zeit mehrfach gezeigt. Zuletzt sorgte der Fall des Syrers Dschaber al-Bakr für Aufsehen, der sich schon Sprengstoff besorgt hatte, um den Ermittlern zufolge einen Berliner Flughafen anzugreifen. Al-Bakr erhängte sich kurz nach seiner Festnahme in seiner Zelle.

Das Thema soll an diesem Dienstag auch in der routinemäßigen Lagebesprechung der Chefs der deutschen Sicherheitsdienste im Kanzleramt eine Rolle spielen.

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