Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Letztes Interview mit James Last

"Ich bin kein ich-bezogener Mensch"

Dortmund Ein tolles Gefühl auf der Bühne zu stehen hatte James Last bis zum Schluss. Am Mittwoch ist der Bandleader im Alter von 86 Jahren in Florida gestorben. Noch im Dezember gab der Musiker dieser Zeitung ein großes Interview. Da hatte er sich gerade von einer schweren Operation erholt. Er war sich aber schon sicher, nicht der neue Johannes Heesters zu werden.

"Ich bin kein ich-bezogener Mensch"

James Last 2012 in Berlin. Der Bandleader starb mit 86 Jahren in Florida. Foto: Britta Pedersen

Hallo Herr Last, wie geht es?

Ich bin zufrieden. Schön zu hören. Da haben sich ja doch einige Menschen Sorgen um Sie gemacht in den letzten Wochen. Ich mir selbst auch. Das war nicht ohne. Und ein bisschen wackelig bin ich auch jetzt noch. Aber grundsätzlich ist alles gut.

Wie haben die Fans reagiert?

Es gab natürlich jede Menge Genesungswünsche. Manche haben sogar Torten geschickt. Das war schon toll.

Mit Krankheiten haben Sie ja eigentlich selten zu tun gehabt. Man kennt James Last als fitten Menschen.

Es waren mal ein paar Kleinigkeiten wie neue Hüfte, neues Knie oder so. Nichts Dramatisches. Ich hatte aber bis dahin nie was Verstecktes, was niemand einordnen konnte am Anfang.

Welche Symptome gab es denn?

Ach, es ging mir lange Zeit eben nicht so gut. Ich konnte nichts mehr essen, nicht mal mehr was trinken. Dann kam Fieber dazu. Da hat meine Frau dann gesagt, komm, wir fahren in die Klinik. Da haben sie mir das Fieber weggemacht und dabei andere Sachen entdeckt.

Und da wussten Sie, jetzt wird es ernst?

Nein, nicht wirklich. Das ganze Ausmaß der Geschichte haben die Ärzte ja erst bei der Operation entdeckt. Da habe ich tief und fest geschlafen. Dass ich dieses riesige Darmgeschwür hatte, das mich fast umgebracht hätte, habe ich erst hinterher erfahren.

Geht man jetzt mit seinem Leben anders um?

Für mich heißt es schlicht: Hurra, es geht weiter. Mit einer Tournee sogar. Das habe ich ja schon immer gesagt: Andere gehen zur Kur, ich auf Tour. Ich bin jetzt 85 aber immer noch flott dabei. Das macht einfach Spaß.

Und das Alter vergisst man einfach, wenn man rausgeht auf die Bühne?

Genauso ist das. Ich hab mein Leben lang Musik gemacht. Und wenn ich dann da oben stehe und die Lieder höre, die ich ja alle selbst geschrieben habe und sehe, wie die Leute reagieren, dann ist das eben ein tolles Gefühl.

Und nach dem Konzert ist immer noch Party?

Ich nenne es „den Tag ausklingen lassen“. Also nie vor Mitternacht ins Bett. Genau das könnte passieren. Tut es aber nicht immer, weil meine Frau aufpasst. Allerdings kann ich direkt nach dem Auftritt ja nicht gleich ins Bett gehen. Ein Glas Wein muss schon drin sein. Und dann wird man irgendwann doch müde.

Also ist es nicht ganz so wie bei Udo Jürgens, der über die Einsamkeit nach dem Auftritt singt...

Genau deshalb lasse ich ja den Abend in Gesellschaft ausklingen. Und dann ist ja auch noch meine Frau bei mir.

Es gibt eine neue CD, auf der Sie Ihre Lieblingssongs verewigt haben. Welthits wie „Morgens um 7“ sind merkwürdigerweise nicht dabei.

Es muss nichts auf die Platte, nur weil ich es komponiert habe. Mir ging es auch darum, fröhliche Songs zu nehmen. Und Songs, die mir viel sagen, mich an bestimmte Situationen erinnern. Bei den meisten Titeln aus diesen 30 Jahren weiß ich noch genau, wie wir im Studio gesessen haben.

Sind das Titel, in die Sie besonders viel Liebe gesteckt haben.

Man kann nie einen Titel schreiben, ohne jede Menge Liebe reinzustecken. Aber manche sind schon sehr emotional. Wie „Der einsame Hirte“ zum Beispiel, den Quentin Tarantino dann auch für seinen Film „Kill Bill“ benutzt hat.

Wie sucht man denn die Titel für die Tour aus?

Das ergibt sich ein bisschen von selbst. Wir leben in einer kurzlebigen Zeit, Hits von heute sind schnell wieder vergessen. Also muss ich schon mal Titel nehmen, die die Leute nicht vergessen haben. Die arrangiere ich dann wieder mal neu für die Tournee. Dann wird die Auswahl schon einfacher. Allerdings müssen es auch ein paar aktuelle Sachen sein. Die hatte ich Gott sei Dank schon fertig, bevor es mich erwischt hat.

Gehen Sie auch auf Wünsche der Fans ein, wenn die zum Beispiel schreiben: Mach doch mal diesen Titel im Happy Sound?

Kommt vor, ja. Aber nicht sehr oft. Ich habe meinen eigenen Geschmack. Gott sei Dank passt er zu dem meines Publikums.

Das wie alt ist?

Mir hat mal ein Fan geschrieben: Du erzählst immer was von drei Generationen im Konzert. Bei uns kommt jetzt die vierte Generation mit. Sowas ist toll.

Woran liegt es, dass Sie auch auf junge Menschen noch wirken?

Ich habe nicht die geringste Ahnung. Vielleicht ein bisschen daran, dass ich mich selbst noch jung fühle. Ich erzähle auch niemandem, dass früher alles besser war. Stimmt nämlich nicht. Wenn man lebt, dann muss man im Jetzt leben und nicht in der Vergangenheit.

Sie sind gerade in Hamburg, haben aber auch einen Wohnsitz in Florida. Wann leben Sie bevorzugt wo?

Das ergibt sich eigentlich zwangsläufig. Mal habe ich hier zu tun und mal da. Aber es sind ganz verschiedene Welten. Locker, leicht im warmen Florida und vielleicht etwas Schwermut in Hamburg. Man muss beides miteinander mischen. Es geht doch letztlich immer darum, sein Leben interessant zu gestalten. Letzten Endes läuft es ja so: Ist man in Florida denkt man: Och, Hamburg ist auch schön. Bin ich wieder in Hamburg, zieht es mich nach Florida. Irgendwie sind die Menschen ja immer unzufrieden.

Man hat den Eindruck, dass Sie eigentlich immer gut gelaunt sind. Wäre ja sonst auch schwierig, Lieder im Happy Sound zu schreiben...

Da ist was Wahres dran. Nein, eigentlich bin ich immer zufrieden so, wie es gerade läuft.

Jetzt nochmal Hand aufs Herz: Wird James Last der nächste Johannes Heesters? Der ewig auf der Bühne steht?

Sicher nicht. Das hängt letzten Endes nicht allein von der körperlichen Fitness ab. Irgendwann geht natürlich auch das nicht mehr. Aber man muss natürlich auch bedenken, dass wir mit einem 40-Mann-Orchester unterwegs sind. Und das kostet. Also heißt es: Immer nachrechnen, ob das noch aufgeht. Mein Vorteil aber ist, dass ich ja bis an mein Lebensende Musik schreiben kann. Schriftsteller können noch im hohen Alter schreiben. Und ich mache eben keine Bücher, sondern Musik.

Ihre Band besteht zu einem großen Teil aus jungen Leuten. Was zieht die zu Ihnen?

Die Musik. Und die Bandbreite dessen, was bei mir geht. Die können da viel zeigen.  

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sondierungen in Berlin

Optimismus und Skepsis nach Jamaika-Gesprächen

Berlin Jamaika ausloten, Tag zwei: FDP und Grüne wollten am Donnerstag bei ihrem Treffen bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen nicht zu sehr in Verletzungen der Vergangenheit rumwühlen. Nebenbei rumort es aber ordentlich - vor allem im konservativen Lager.mehr...

Fußball: Champions League

FC Bayern schlägt Celtic Glasgow ohne Probleme

MÜNCHEN Der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München hat den Einzug in das Achtelfinale der Champions League wieder fest im Visier. Die Münchner gewannen am Mittwoch am dritten Spieltag der Gruppe B daheim 3:0 (2:0) gegen Celtic Glasgow.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Politik

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) Bei der Bundestagswahl jubelte die AfD in Sachsen - und löste die CDU als stärkste Kraft im Freistaat ab. Nun zieht Regierungschef Tillich persönliche Konsequenzen. Seine CDU wird kalt erwischt.mehr...