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Günther Jauch im Interview

„Ich habe wenig von der Welt gesehen“

KÖLN Er ist einer der beliebtesten Deutschen und eine feste Bank im hiesigen Fernsehgeschäft: der Produzent, Moderator und Entertainer Günther Jauch. Jetzt kommentiert der 61-Jährige mit seiner markanten Stimme die Naturdokumentation „Unsere Erde 2“.

„Ich habe wenig von der Welt gesehen“

Kuscheln bei Kälte: „Unsere Erde 2“ reist auch in die entlegenen Gebiete dieser Welt. Foto: picture alliance / Universum

Herr Jauch, Sie sind ein leidenschaftlicher Winzer. Trotzdem erwecken Sie nicht den Eindruck, ein echter Naturbursche zu sein.

Sie meinen, weil Sie mich selten beim Wandern erwischt haben? (schmunzelt) Es stimmt schon, ich würde mich auch nie als Naturburschen bezeichnen. Aber ich kann mit der Natur schon etwas anfangen. Filme wie „Unsere Erde 2“ habe ich schon früher immer gern gesehen. Es ging los mit Grzimek und Heinz Sielmann und seinen „Expeditionen ins Tierreich“. Das war für die damalige Zeit technisch schon gut gemacht. Aber es kommt natürlich nicht ansatzweise an das heran, was heute möglich ist.

Wie hat man Sie ins Boot von „Unsere Erde 2“ geholt?

Ich habe schon „Unsere Erde 1“ vor 10 Jahren gesehen und fand den Film absolut faszinierend. Mir hat auch imponiert, dass man nicht à la „Fack ju Göhte!“ alle ein, zwei Jahre eine Fortsetzung hinterhergeschoben hat. Es hat zwölf Jahre gedauert, den Nachfolger zu drehen. Ich habe mir dieses aktuelle Werk angesehen und war auf Neudeutsch geflasht von dem, was sich da abspielt. Gleich am Anfang, wenn diese Meerechsen von den Schlangen verfolgt werden! Da können Sie mir jede James-Bond-Verfolgungsjagd schenken. Ich weiß, dass Super-Drohnen zum Einsatz kamen. Aber ich frage mich trotzdem bis heute, wie man so etwas drehen kann. Als ich dann noch hörte, dass der Sprecher der US-Version Robert Redford ist, war die Sache klar. Den deutschen Robert Redford geben – das ist mal eine Herausforderung.

Kennen Sie einige der Drehorte aus persönlicher Erfahrung?

Ich fürchte, ich war noch an keinem dieser Orte. Vor zwei Jahren reiste ich allerdings mal nach Botswana, genauer ins Okavangodelta. Dort gibt es zum Beispiel Löwen, die ihre Beute im Wasser schwimmend jagen. Das hatte ich noch nie gesehen, weil Löwen allgemein als wasserscheu gelten. Auch beim Film steht für mich das Staunen im Vordergrund. Viele Bilder gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Wir sehen ja normalerweise nicht, wie ein Regentropfen auf eine Biene fällt und die dann völlig ins Taumeln gerät. Erst diese Supertechnik zeigt uns, wie solche Dinge in der Natur ablaufen. Von einem Kolibri würden wir sonst wohl kaum etwas zu sehen bekommen. Bei diesem Film ist man als Zuschauer sozusagen Bestandteil der Natur. Früher kamen in solchen Dokus immer noch Menschen vor, die einem irgendetwas erklärt haben. Dass das in diesem Fall nicht so ist, macht für mich einen Teil der Qualität aus.

Wo findet man Ihre Sehnsuchtsorte: Am Meer, im Gebirge, in der Wüste?

Es ist unterschiedlich. Ich muss auch sagen, dass ich in meinem Leben wenig von der Welt gesehen habe. Zumindest im Vergleich zu anderen Leuten. Botswana war als Urlaubsreise für mich eine extreme Ausnahme. Mich faszinieren eher die Dinge vor der Haustür, zum Beispiel das Oderbruch. In Brandenburg gibt es auch diesen Buchenwald in Grumsin. Den finde ich herrlich. Oder die Nordsee, Dünenlandschaften, das wilde Meer lieber als das Wattenmeer. Ich war auch wochenlang in Masuren. Die Natur im Zusammenspiel mit den Spuren der Geschichte, macht diese Gegend für mich auch zu einem Sehnsuchtsort. Reizen würde mich noch die Antarktis. Viele weitgereiste Menschen haben mir gesagt, das sei etwas ganz Besonderes. Ein Kreuzfahrtkapitän meinte, an diesem Ort sei er Gott am nächsten gewesen. Hier hätte er verstanden, was sich der Schöpfer bei der Erschaffung der Welt gedacht hätte.

Gibt es Orte, die Sie an eine göttliche Ordnung glauben lassen?

Das weiß ich gar nicht. Es sind so kleine Momente. Wenn Sie zum Beispiel auf Sylt sind, einer Insel, die man für überlaufen bis zum geht nicht mehr hält, können Sie auf große, zusammenhängende Heidelandschaften stoßen.

„Ich habe wenig von der Welt gesehen“
Die gibt es in Europa fast gar nicht mehr. Wenn Sie die richtigen Wege kennen, begegnen ihnen auch kaum Menschen. Solche Augenblicke sind schon großartig. Wenn man in Botswana auf einem kleinen Hügel steht, kann man hunderte von Kilometern in die Savanne blicken und ganz hinten geht die Sonne unter. Ich habe Giraffen gesehen, die vor der untergehenden Sonne durch einen Fluss schreiten. Da hat man schon ein ganz anderes Lebensgefühl, als wenn man zuhause sagt, ich muss noch das ZDF-Traumschiff zu Ende schauen.

Hat diese Reise in Ihnen nicht die Lust auf mehr geweckt?

Die allermeisten Leute fliegen heute nach Mallorca oder New York, bevor sie das eigene Land erkunden. Das finde ich schade, gerade weil durch die deutsche Einheit zumindest für die Westdeutschen eine Unbekannte hinzugekommen ist, deren Erkundung sich absolut lohnt. Sowohl die Landschaft als auch die Städte.

Der Film spricht auch an, wie zerbrechlich unser Planet ist. Leben Sie selbst nachhaltig?

Ich wusste, dass diese Frage kommt. Und ich möchte sie ehrlich beantworten. Wenn ich mir meinen ökologischen Fußabdruck des heutigen Tages anschaue, dann ging es mit einem Flug von Köln nach Berlin los. So gesehen hätte ich schon eher mit der Bahn fahren sollen, aber dann hätten wir heute unsere Termine nicht geschafft. Ich bin zuhause zwar ein braver Müll-Trenner. Aber wenn man meine Energiebilanz im Ganzen betrachtet, gehöre ich wohl nicht zu den großen Vorbildern.

Wie stehen Sie als Autofan zum Thema Elektromobilität?

Die wird kommen. Aber ich denke schon, dass es deutlich länger dauern wird, als es sich unsere Politiker am grünen Tisch ausgedacht haben.

Wie gut waren Sie in der Schule in Erdkunde und Biologie?

In Erdkunde war ich mittelprächtig. In Biologie nicht schlecht. Biologie war das naturwissenschaftliche Fach, das mich am meisten interessiert hat. Ich habe es auch ins Abitur gewählt und wurde darin geprüft. Erdkunde hat mich vor allem im Zusammenhang mit Geschichte interessiert. Aber ich gebe zu, dass ich von all diesen Landschaften keine Ahnung hatte. Das Exotischste, was ich als Kind gesehen habe, war Grzimeks „Serengeti darf nicht sterben“. Und dann ging es wieder ins Schullandheim ins Fichtelgebirge. Afrika, Amerika oder das ewige Eis, das war einfach nur exotisch und ganz weit weg. Ich habe einmal nachgerechnet, dass meine weiteste Reise bis zum 16. Lebensjahr nach Prag geführt hat. Weiter bin ich nicht gekommen: Im Osten Prag, im Westen Köln und im Süden bestenfalls der Gardasee.

Der Film zeigt sehr eindrucksvoll den großen Tag der Eintagsfliegen. Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass morgen alles vorbei ist?

Das ist echt schwer zu sagen. Man verdrängt solche Gedanken ja auch. Ist es nicht ein Lutherwort: „Wenn ich wüsste, dass ich morgen das Zeitliche segne, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“? Ich wüsste nicht, ob mich nicht doch eine gewisse Panik beschleichen würde, wenn ich wüsste, dass der heutige Tag der letzte ist. Ich glaube, nicht viele Menschen hätten die Souveränität zu sagen, jetzt bringen wir diesen Tag zu Ende wie jeden anderen auch. Mir würde das schwerfallen. Ich wäre schon etwas besorgt.

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