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"Ich war immer nett und sachlich - diesmal war ich nur sachlich"

Malmsheimer über sein Grußwort

Am Abend der Eröffnung des Zeltfestivals saß Jochen Malmsheimer nach seinem Grußwort meist allein am Tisch. Kaum einer der geladenen Gäste suchte das Gespräch. Am Morgen danach sah die Welt anders aus.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 24.08.2010

Seine kritischen Worte über die Bochumer Stadtverwaltung haben eine Debatte losgetreten. Zumindest außerhalb des Rathauses. In Internet-Foren. In den Kneipen. Auf den Straßen. „Diese Tatsache zeigt, dass es die Leute angeht“, sagt der Kabarettist. Die Reaktion, die er bislang am häufigsten gehört hat: Das wurde mal Zeit. „Es gab Kritik“, sagt Malmsheimer. „Aber es gab unglaublich wenig Kritik.“ Und diese habe sich in keinem Fall gegen Inhalt, sondern stets gegen Ort und Zeit gerichtet.

Malmsheimer nimmt dies zur Kenntnis, sagt aber: „Es gibt keinen anderen Ort, keine andere Zeit in diesem Jahr.“ Zu keiner anderen Zeit würde ihm die versammelte Stadtspitze gegenüberstehen. Ihm zuhören müssen. „Mir war es in dem Moment nicht anders möglich“, sagt Malmsheimer. Charakter und Beruf seien zusammen gekommen. Der Kabarettist Jochen traf auf den Bochumer Bürger Malmsheimer. „Ich habe Stellung bezogen und das war wichtig für mich.“ Pause. Seine ernste Mine weicht einem Lachen. „Ich war immer nett und sachlich“, sagt Malmsheimer. „Diese Mal war ich nur noch sachlich.“

Sachlich heißt in diesem Fall: „Ich habe Sachlagen beschrieben“, so Malmsheimer. „Ich habe niemanden persönlich angesprochen. Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich es gemacht.“ Um so mehr verwundert ihn, dass seine Rede von der Oberbürgermeisterin scheinbar als persönlicher Angriff gewertet wird, ohne inhaltlich darauf einzugehen. Für sie sei die Sache erledigt, sagt sie. Glücklich ist Jochen Malmsheimer darüber nicht. In dieser Stadt seien zu viele Dinge einfach erledigt. Verfehlungen würden ausgesessen. „Es passiert nichts“, findet Malmsheimer. „Die Leute sind verzweifelt, weil es keine Konsequenzen hat.“ Seiner Rede müsse eine inhaltliche Debatte folgen, so der Wunsch des Kabarettisten.

Einen Teil der Menschen scheint er hinter sich zu haben, wie unsere, zugegebenermaßen nicht repräsentative, Online-Umfrage zeigt. Mehr als 1000 User gaben ihr Votum ab. Die überwiegende Mehrheit, 87,7 Prozent, sagt: Mal ehrlich: Er hat doch recht. 6,4 Prozent der User, die abgestimmt haben, finden, die Eröffnung des Zeltfestivals sei nicht der richtige Rahmen gewesen. Knapp 2,5 Prozent waren der Überzeugung, die Rede Malmsheimers ging gar nicht.