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„Ich will das haben!“ - Konsumrausch im Kinderzimmer

Lüneburg. Wenn Vierjährige mit großen Augen vor dem Spielwarenregal stehen und sagen: „Bitte, bitte kauf mir das!“: Wer kann da schon Nein sagen? Viele Eltern jedenfalls nicht. Aber bei Spielzeug ist weniger oft mehr.

Wenn glubschäugige Plüschtiere, die neue Ritterburg und der Kaufmannsladen im Kinderzimmer kaum noch nebeneinander passen, beschleicht viele Eltern ein ungutes Gefühl. Trotzdem scheint die Flut der großen und kleinen Geschenke einfach nicht abzureißen.

Spielzeug gibt es nicht nur zu Weihnachten und zum Geburtstag, sondern oft auch einfach so, zwischendurch. „Für viele Eltern hat es einen hohen Stellenwert, ihre Kinder optimal zu fördern“, beobachtet Daniel Fischer. Er lehrt als Professor für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg. Da folge man oft dem irrigen Prinzip „viel hilft viel“.

Statt jeden Wunsch zu erfüllen, sollten Eltern die Anzahl der Besitztümer begrenzen, empfiehlt Fischer. Denn was knapp ist, gewinnt an Wert - dieses Gesetz gilt auch im Kinderzimmer. So kann man einige Spielzeuge wegräumen und die Dinge von Zeit zu Zeit austauschen. In einigen deutschen Städten bieten sogenannte Ludotheken Brettspiele und manchmal auch Kinderspielzeug zum Verleih an.

Vor allem bei spontanen Wünschen sei es wichtig, auch mal Nein zu sagen, meint Inka Bormann. Sie ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Denn manche Wünsche verfliegen genauso schnell, wie sie gekommen sind.

Oft lassen sich die Bedürfnisse, die hinter den Kinderwünschen aufblitzen, auch anders befriedigen. „Eltern können stattdessen Anregungen geben und Erlebnisse schaffen“, sagt Fischer. Ein gemeinsamer Ausflug im Wald erfüllt den Wunsch nach Abenteuer, beim Verkleiden kann das Kind in eine andere Rolle schlüpfen.

Viele naturpädagogische Angebote setzen auf solche Erlebnisse, beispielsweise die Seminare im Ökodorf „Sieben Linden“ bei Salzwedel. „Wir laden Kinder und Jugendliche ein, Natur und Gemeinschaft bewusst zu erleben“, sagt Simone Britsch, die mit ihrer Familie in dem ökologischen Gemeinschaftsprojekt lebt. Die Umweltpädagogin organisiert ein- und mehrtägige Workshops für Kinder und Jugendliche sowie Camps für Familien. „Ich erlebe immer wieder, wie dabei die materiellen Bedürfnisse zurücktreten - auch wenn sie natürlich noch da sind“, so Britsch.

Für gemeinsame Erlebnisse ist im durchgeplanten Familienalltag oft wenig Raum. „Wir leben in einer Gesellschaft, wo unsere Bedürfnisse zunehmend durch Konsumgüter und Dienstleistungen befriedigt werden“, sagt Fischer. Kinder lernen am Modell, sie orientieren sich am Verhalten ihrer Eltern. Wer selbst eine Online-Lieferung nach der anderen bekommt, kann von seinem Kind nur schwer verlangen, dass es bis Weihnachten auf das heiß ersehnte Spielzeug wartet. Anders herum prägt ein bewusster Lebensstil der Eltern auch das Verhalten der Kinder.

Wie das funktionieren kann und wo der eigene Einfluss endet, das erfährt Simone Britsch täglich mit ihren eigenen vier Kindern. „Wenn Klassenkameraden von Computerspielen erzählen oder ein Handy haben, macht das schon Neid.“ Beim Thema Medien haben sie und ihr Mann klare Regeln aufgestellt: Nach einer Kindheit fast ohne elektronische Medien bekommt jedes Kind zum 13. Geburtstag einen Computer und darf sich vom selbst gesparten Geld ein Handy kaufen.

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