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Im Generationenprojekt schenken Schüler Freude und Senioren Geschichten

Gesamtschule

Die Achtklässler der Johann-Conrad-Schlaun-Schule Nordkirchen haben ein Sozialpraktikum im Altenhilfezentrum gemacht. Und dabei Überraschendes erlebt.

Nordkirchen

von Carolin West

, 11.07.2018
Im Generationenprojekt schenken Schüler Freude und Senioren Geschichten

Renate Sölters Mann hatte früher Tauben, bei deren Pflege sie ihn unterstützt hat. Zum Abschied am Mittwoch schenkte der Achtklässler David ihr deshalb ein selbst gemaltes Bild von einer Brieftaube. © Foto:Ingrid Wielens

David geht gebückt. Er hält sich den Rücken und stützt sich auf eine halbe Poolnudel. Der Achtklässler der Johann-Conrad-Schlaun-Schule verkörpert einen älteren Herrn, die Poolnudel symbolisiert einen Gehstock. Seine Mitschüler spielen Busfahrgäste – und das dreimal, jedes Mal verändern sie die Szene ein wenig. Beim ersten Mal fällt David so überzeugend hin, dass Magdalene Heubrock, eine Bewohnerin des Altenhilfezentrums St. Mauritius, erschrickt. „Ich dachte, er hätte sich wirklich wehgetan“, sagt sie sichtlich erleichtert und lacht.

Doch die Gesamtschüler sind nicht nur zum Theaterspielen im Altenhilfezentrum. Seit fünf Jahren absolvieren Achtklässler der Johann-Conrad-Schlaun-Schule dort ihr Sozialpraktikum vor den Sommerferien. Diesmal waren es zwölf. In der letzten Schulwoche vor den Ferien kamen sie von Montag bis Mittwoch mit zwölf Bewohnern des Altenhilfezentrums zusammen.

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Das Projekt nennt sich „Wer bist du? – Generationen begegnen sich und lernen mit- und voneinander“. Die Gelsenwasser-Stiftung „von klein auf“ finanziert die Aktion. Geleitet wird sie von der Sozialwissenschaftlerin und Theaterpädagogin Petra Lemke sowie dem Gesundheitspfleger und Dozenten Mike Becker. Die Schüler werden dabei von ihrem Lehrer Paul Kohues begleitet, die Altenzentrum-Bewohner von Ellen Klüsener, Leitung Sozialer Dienst.

Drei Projektphasen

„Das Projekt ist täglich in drei Phasen unterteilt“, erklärt Projektleiterin Petra Lemke. „Ab 8 Uhr stimmen wir uns mit den Schülern ein und machen Theorie, dann spielen die Schüler den Bewohnern die erlernten Theaterszenen vor.“ Im Anschluss sei dann Zeit für Gespräche zwischen Jugendlichen und Senioren. Die Schüler sollen so in lockerer Atmosphäre lernen, mit schwierigen Themen wie Alter und dem Leben in einem Altenzentrum umzugehen. „Es kommen immer intensive und offene Gespräche zwischen den Schülern und Bewohnern zustande“, erzählt Lehrer Paul Kohues. „Themen sind oft Kriegserlebnisse oder die Jugend im Nationalsozialismus.“

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Und insbesondere diese Gespräche waren es dann auch, die die Schüler staunen lassen. „Ich dachte, es wird langweilig hier“, gesteht Ella. „Aber es war überraschend schön.“ Die Chance, mit Zeitzeugen über den Weltkrieg zu sprechen, bekomme nicht jeder. Die Achtklässler der Gesamtschule seien dankbar, dass es ihnen ermöglicht wurde. „Es ist interessant, wie anders sie früher gelebt haben“, bestätigt Ellas Mitschülerin Alina. Beide Schülerinnen könnten sich vorstellen, in einem Altenheim zu arbeiten. Denn auch dafür ist das Praktikum da: Es soll einen Einblick in die Berufswelt bieten.

Unterhaltung

Für die Bewohner des Altenhilfezentrums ist der Besuch der Schüler unterhaltsam. Insbesondere Kleidung und Jugendsprache bieten viel Gesprächsstoff. So lernten die Senioren von den Jugendlichen, dass man heutzutage eher „voll schön“ als „sehr schön“ sagt und, dass man „kaputte Hosen“ kaufen kann, die sogar oft teurer sind als die heilen. Die Theaterszenen der Schüler waren dann wiederum an die Lebenswelt der Altenzentrum-Bewohner angepasst.

Zum Abschied am Mittwoch erhielt jeder Bewohner eine Karte mit Fotos der Praktikumszeit und ein persönliches Geschenk. Renate Sölter hatte den Schülern beispielsweise vom Taubenschlag ihres Mannes erzählt. Der Achtklässler David schenkte ihr deshalb ein Bild von einer Brieftaube. „Das ist aber toll“, freute sie sich. Zum Abschluss des Praktikums werden sich die Senioren, die mobil sind, die Gesamtschule am Donnerstag ansehen. „Und vielleicht kommen manche Schüler ja auch so noch einmal her“, sagt Ellen Klüsener vom Altenhilfezentrum.

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