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Immer mehr Fälle für das Jugendamt

Verdreifachte Kosten

WITTEN Seit 2005 ist die Zahl der Wittener Kinder und Jugendlichen, die dauerhaft in Heimen leben von 35 auf jetzt rund 100 gestiegen. Darüber hinaus gibt es noch etwa 180 Kinder in Pflegefamilien, vor fünf Jahren waren es 144. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

von Von Beatrice Haddenhorst

, 06.08.2010

"Immer mehr Eltern sind einfach nicht in der Lage, sich ausreichend und gut um ihre Kinder zu kümmern", sagt Klaus Schmidt vom Wittener Jugendamt und kann das anhand trauriger Zahlen belegen. Hatte man im Jugendamt noch Mitte der 90er Jahre den Vorsatz gefasst, durch mehr aktive Hilfe in den Familien die Zahl der Heimunterbringungen zu senken und das auch geschafft, funktioniert dieser Ansatz heute nicht mehr. "Vor zehn Jahren wurden 20 Familien von unserer sozialpädagogischen Familienhilfe betreut, jetzt sind es 120 und es werden immer mehr. Doch oft kann man die Kinder einfach nicht in ihren Familien lassen, da kann auch die Familienhilfe nichts ausrichten", schildert Schmidt die Misere.

Ganz abgesehen von der steigenden Zahl dramatischer Kinderschicksale – denn immer haben die Kinder im Elternhaus schon viel Leid erfahren, bevor sie dort herausgeholt werden – hat die Entwicklung auch für die Stadt Witten drastische Folgen. "Die Kosten für die Heimunterbringung von Kindern haben sich innerhalb von 2005 bis 2009 von 1,35 Millionen Euro auf 4,2 Millionen Euro etwa verdreifacht und auch für das laufende Jahr rechnen wir mit einer Steigerung um etwa zehn Prozent", unterstreicht Schmidt. 3600 bis 6000 Euro kostet ein Heimplatz pro Monat.

Die hohe Preisspanne ist auf die individuellen Ansprüche der Kinder und Jugendlichen zurückzuführen, so Schmidt weiter. Manche Kinder und Jugendliche machen es den Erziehern sehr schwer, sind teilweise kaum zum normalen Umgang fähig. Pflegefamilien, bei denen man natürlich keine extrem schwierigen und auffälligen Kinder unterbringen kann, sind für das Jugendamt eine weitaus preisgünstigere Lösung. Die bekommen pro Kind im Monat 700 bis 800 Euro. Schmidt ist froh, dass es in Witten, anders als in vielen anderen Städten, immer noch gelingt, hilfsbereite Bürger zu finden, die bereit sind, Kinder bei sich aufzunehmen. Doch auch hier sind die Kosten für die Stadt in vier Jahren von 1,4 auf 2,1 Millionen Euro gewachsen. Während die Pflegefamilien alle in Witten leben, so Schmidt, arbeite das Jugendamt mit Heimen in der ganzen Bundesrepublik zusammen: "Oft ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen ganz aus ihrer Umgebung herauszuholen und an einem entfernten Ort unterzubringen."