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Immer mehr «Todeszonen» in den Weltmeeren

Washington (dpa) In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl sauerstoffarmer «Todeszonen» in den Meeren um fast ein Drittel zugenommen. Die Ursache dafür sehen Forscher vor allem darin, dass immer mehr Nährstoffe - wie etwa Düngemittel aus der Landwirtschaft - über Flüsse in die Meere gelangen.

Neben der Überfischung, der Zerstörung mariner Lebensräume und dem Auftreten gefährlicher Algenblüten zähle der Sauerstoffmangel mittlerweile zu den größten Umweltproblemen der Meere, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «Science» (Bd. 321, S. 929).

Robert Diaz vom Virginia Institute of Marine Science (Gloucester Point/US-Staat Virginia) und Rutger Rosenberg von der Universität Göteborg (Fiskebäckskil/Schweden) analysierten zahlreiche Studien aus den vergangenen Jahrzehnten, in denen sich Angaben über Meeresgebiete mit Sauerstoffmangel fanden. Erstmals wurde in den 1930er Jahren von «Todeszonen» in der Ostsee berichtet. Das Problem weitete sich in den 1960er Jahren merklich aus: Damals kam es zu einem steilen Anstieg des Düngemittelverbrauchs in der Landwirtschaft, woraufhin auch erheblich mehr Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphate in die Meere gelangten.

1995 waren 305 Meeresregionen von Sauerstoffarmut betroffen, heute sind es über 400. Seit den 1960er Jahren bis zur Jahrtausendwende habe sich die Zahl der «Todeszonen» jedes Jahrzehnt fast verdoppelt, berichten die Forscher weiter. Die Gesamtfläche an diesen sogenannten Todeszonen erreiche heute mehr als 245 000 Quadratkilometer, das entspricht etwa zwei Dritteln Deutschlands. Das größte Korallenriff der Welt, das Great Barrier Reef in Australien, umfasst ein Gebiet von 230 000 Quadratkilometern.

Die Sauerstoffarmut entsteht, weil der erhöhte Eintrag von Nährstoffen das Wachstum von Algen massiv fördert. Sinken abgestorbene Algen auf den Meeresboden, werden sie von Bakterien zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht und der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt. Infolge dessen sterben zunächst die Lebewesen in Bodennähe, später auch die weiter oben lebenden Fische und Meeresbewohner. Oft wird der Sauerstoffmangel erst dann beachtet, wenn die Fischerei unter den Folgen zu leiden beginnt, berichten die Forscher weiter. Im Kattegat etwa sei das Problem der Sauerstoffarmut erst Jahre nach den ersten Berichten darüber ernst genommen worden - als es zu einem massiven Fischsterben und dem Zusammenbruch der norwegischen Hummerfischerei kam.

Um eine weitere Ausbreitung der «Todeszonen» zu verhindern und betroffene Regionen zu regenerieren, müsse der Eintrag von Nährstoffen in Küstengewässer verhindert werden. Eine Erholung der Gebiete sei möglich. Im Schwarzen Meer etwa habe sich ein sauerstoffarmer Bereich zwischen 1973 und 1990 auf mehr als 40 000 Quadratkilometer ausgeweitet. Nachdem 1989 staatliche Fördergelder für den Einsatz von Düngemitteln gestrichen wurden, habe der Nährstoffeintrag rapide abgenommen. 1995 war die «Todeszone» dann wieder verschwunden, hieß es weiter.

(Fachartikelnummer DOI: 10.1126/science.1156401)

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