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Kölner Gymnasiasten

In Sozialen Netzwerken: Eskalation des "Abikriegs"

KÖLN/NRW Sie zünden Flyer des Abijahrgangs des Erich-Kästner-Gymnasiums (EKG) an. Dieser kündigt wiederum über seinen Instagram-Kanal an: "14.3.16 - Die Bande kommt". Die Mottowoche ist an mehreren Gymnasien in Köln eskaliert, mehrere Schüler wurden verletzt. Und auch in den sozialen Netzwerken wurde der "Bandenkrieg" geführt.

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Eine Polizeistreife fährt Dienstag in Köln vor dem Humboldt-Gymnasium entlang. An Auseinandersetzungen von Abiturienten während der Mottowoche vor den Abi-Prüfungen an der Schule sollen laut Polizei 200 Schüler beteiligt gewesen sein.

Das Humboldt-Gymnasium, an dem es in der Nacht zu Dienstag zu Ausschreitungen kam.

"Niemand fickt mit dem Erich!", heißt es auf dem Instagram-Account richkaestner. Hier toben sich einige Abiturienten des Erich-Kästner-Gymnasiums in Köln aus, präsentieren sich vermummt auf Schwarz-Weiß-Bildern und posieren mit ausgestreckten Mittelfingern.

Ihre Rivalen des Abiturjahrgangs des Leonardo-Da-Vinci-Gymnasiums kündigen an: "Leonardos übernehmen". Auf ihrem Instagram-Kanal Leonardodesnippes ganz ähnliche Selbstdarstellungen - und etwa ein Video von einem brennenden Flyer des Abijahrgangs des EKG.

 

 

#erichwirdentjungfert #LDV #übermacht #wirkommen ? @richkaestner

Ein von LEONARDOS ÜBERNEHMEN!! (@leonardosdenippes) gepostetes Video am 14. Mär 2016 um 15:15 Uhr

 

Die Rivalitäten scheinen eskaliert zu sein. Angehende Abiturienten in Köln haben für mehr als 15 Polizeieinsätze gesorgt: Mehrere Schulen wurden beschädigt, es gab Körperverletzungen, Drogen und Waffen wurden beschlagnahmt. In der Nacht zu Dienstag sind zwei Schüler schwer verletzt worden. Wie die Polizei später erläuterte, erlitt ein 18-Jähriger eine Schädelfraktur, ein weiterer eine knöcherne Gesichtsverletzung. Beide mussten in eine Klinik. Nach ersten Erkenntnissen bewarfen sich die Schüler mit Gegenständen. Die Polizei berichtete, einen „speerähnlichen“ Stock sichergestellt zu haben. Zudem sei wohl auch Pyrotechnik gezündet worden.

Die sozialen Netzwerke geben einen Eindruck des "Abikriegs": Als Namensgeber einer der Gymnasien wird das Konterfei des deutschen Schriftstellers Erich Kästners zum Kopf des "Kästner-Syndikats". Mit einem Bibliotheksausweis stochert eine als Gangster-Boss verkleidete Person im Pelzmantel im Brausepulver herum. Einige Schnitte später finden sich ein paar Jugendliche auf einem schlecht-beleuchteten Platz zusammen und überreichen eine Sporttasche mit Kästner-Büchern: "Tüte Deutsch?"

 

#venividiVINCI - Schüler des LDV hingegen zeigen ganz unverhohlen ihre Abneigung gegen andere Gymnasien: Auf einem Bild ein junger Mann mit heruntergelassener Hose, der gegen ein Gebäude Erich-Kästner-Gymnasiums pinkelt. Ein weiteres zeigt ein Gruppe Jugendlicher, die vor dem Dreikönigsgymnasium ein Banner präsentieren: "Es kann nur einen König geben. LDV".

 

 

#eskannnureinenköniggeben #LDVrules #leonardoübernimmt #venividiVINCI ?

Ein von LEONARDOS ÜBERNEHMEN!! (@leonardosdenippes) gepostetes Foto am 13. Mär 2016 um 17:48 Uhr

 

Ein Kommentar der Kalisgang, des Abijahrgangs des Dreikönigsgymnasiums, dazu: "Abwarten ihr Clowns". Auch sie posieren vor den anderen Gymnasien, mit anstößigen Bannern, und dokumentieren dies auf Instagram: "Leonardo, das ist dein letztes Abendmahl".

 

 

Erst haben wir Gaben gebracht, jetzt führen wir euch zum #letztenAbendmahl ?

Ein von KÖNIGE REGIEREN (@diekalisgang) gepostetes Foto am 14. Mär 2016 um 14:58 Uhr

 

Nachdem am Dienstag dann zwei Schüler schwer verletzt wurden, beendeten die Gymnasiasten die vermeintlichen Streiche. Die Schüler des EKG gaben über Instagram ihren Rückzug aus dem "Abikrieg" bekannt, mit dem Hinweis darauf, dass sie immer gewaltfrei gewesen seien, so bleiben werden und die Ausschreitungen in keinster Weise unterstützten. Beteiligte des LDV taten dies ebenso - mit einer Erklärung und dem Hashtag #füreinenfairenabikrieg.

 

 

Wir wollen uns von der Gewalt der vergangenen Tage distanzieren, da dies nicht dem Sinn und Zweck der ,,Abikriege" in der Mottowoche entspricht. Wir haben lediglich mit Wasserbomben, Wasserpistolen und Bannern die ursprüngliche Idee der zum Spaß gedachten Rivalitäten weitergeführt. Fairness steht für uns im Vordergrund und wir wollen nicht für unfaire und inakzeptable Handlungen von anderen verantwortlich gemacht werden. Das LDV ist, war und bleibt #füreinenfairenabikrieg und hofft, dass es allen Verletzten so schnell wie möglich wieder gut geht.

Ein von LEONARDOS ÜBERNEHMEN!! (@leonardosdenippes) gepostetes Foto am 15. Mär 2016 um 4:27 Uhr

 

Und genau so unbeteiligt an der Gewalt seien nach eigener Aussage die Abiturienten des Humboldt-Gymnasiums gewesen:

 

Liebe Abiturienten/Presse/Polizei/Kriminelle,wir, die 12. Klasse des Humboldt Gymnasiums, beenden hiermit den '...

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Am Dienstagnachmittag reagierte dann auch der Philologen-Verband in NRW. „Ich finde es für die Schulen blamabel, ich finde es für die Schüler aber gleichermaßen entwürdigend“, sagte der Vorsitzende Peter Silbernagel am Dienstag. Mittlerweile sei wohl eine bedenkliche Eigendynamik erreicht worden. Silbernagel schlug vor, dass sich Pädagogen, Eltern und Schüler zukünftig schon frühzeitig vor dem Abitur zusammensetzen, um solche Vorfälle zu verhindern. 

Eskalation bereits in den vergangenen Jahren

Bereits in den vergangenen Jahren waren Feiereien angehender Abiturienten rivalisierender Gymnasien in der Stadt eskaliert. 2013 etwa waren Bengalos und Knallkörper gezündet worden, schon damals schritt die Polizei ein, es entstand hoher Sachschaden. Damals soll das „Kölsch Kraat Kommando“ - wie sich die Abiturjahrgänge des Humboldt-Gymnasiums nannten - verantwortlich dafür gewesen sein, dass der „Schulkrieg“ eskalierte, wie etwa der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet hatte.

Das „KKK“ habe einmal „als ehrlicher Wettstreit unter einigen wenigen Schulen Kölns“ begonnen, heißt es auf der gleichnamigen Facebook-Seite. Die Gruppe verbreitete im Internet satirisch gemeinte Kampfansagen gegen andere Schulen. Auf Facebook gab sie allerdings im Oktober 2015 bekannt, alle Aktivitäten in der Mottowoche einzustellen. „Wir wollen verhindern, dass es zum Modephänomen wird und künftigen Generationen nicht mehr bedeutet als eine Woche Action und ein bisschen Internetpöbelei.“

Die letzten Tage vor den Osterferien - für die angehenden Abiturienten die letzten Unterrichtstage überhaupt vor ihren Abi-Prüfungen - nutzen die Gymnasiasten der zwölften Klasse vielerorts zu einer sogenannten Mottowoche. In die Schule kommen sie dann in einer abgesprochenen Verkleidung, richten manchmal besondere Aktionen für alle Schüler aus - bevor dann für sie der Lern-Endspurt vor den Abschlussprüfungen beginnt.   

Mit Material von dpa

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Eine Polizeistreife fährt Dienstag in Köln vor dem Humboldt-Gymnasium entlang. An Auseinandersetzungen von Abiturienten während der Mottowoche vor den Abi-Prüfungen an der Schule sollen laut Polizei 200 Schüler beteiligt gewesen sein.

Das Humboldt-Gymnasium, an dem es in der Nacht zu Dienstag zu Ausschreitungen kam.

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