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Auf einer Insel

In dieser roten Hütte entstanden viele Abba-Lieder

VIGGSÖ Die Geschichte geht so: An einem warmen Sommerabend saß ein Mann namens Benny Andersson vor seiner Hütte auf der schwedischen Insel Viggsö, versteckt irgendwo in den Stockholmer Schären, und schaute übers Meer. Nichts Besonderes eigentlich. Wenn nicht in diesem Moment mal wieder ein Welthit entstanden wäre.

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In dieser Holzhütte auf der schwedischen Insel Viggsö sind viele Lieder von Abba entstanden.

Das ist das berühmte weiße Klavier, das jetzt im Stockholmer Abba-Museum steht.

Mit der Tribute-Show „Abbamania“ auf Tour (v.l.): Camilla Dahlin, Ulf Andersson, Katja Nord und natürlich eine große Band.

Es war der Tag, bevor Andersson zurück in die Stadt musste. Weg von seinem Ferienhaus und der sich dahinter duckenden Holzhütte mit dem weißen Klavier im Eingangsflur, von dem aus es in zwei spartanische Schlafzimmer geht.

Mehr Platz ist nicht in dem Häuschen. Eigentlich hätte Andersson an besagtem Klavier ein paar Songs mit Hitpotenzial schreiben sollen. Aber es war ihm und seinem Freund und Co-Komponisten Björn Ulvaeus kein großer Wurf gelungen.

Als Benny Andersson dann in den schwedischen Abendhimmel schaute, hatte er dann doch noch eine Idee. Wieder mal eine, die zum Welthit wurde. Denn aus den ersten Zeilen von der sternenklaren Nacht, die in diesen Momenten entstand, schuf er dann gemeinsam mit Ulvaeus und ihrem Manager Stig Andersson „Fernando“. Einen der größten Abba-Erfolge überhaupt.

Die Hütte gehört heue einem Unternehmer

Als Carl Magnus Palm die Geschichte erzählt, von der er schwört, dass sie wahr ist, steht er genau vor der Hütte der Welthits. Zwei Bücher hat er über die Gruppe geschrieben und dafür viel mit Andersson und Ulvaeus geredet.

Aber hier ist er bis zu diesem Moment auch noch nicht gewesen: „Es ist schon berührend“, sagt Palm. Wie Hunderttausende Abba-Fans kennt er Haus und Hütte nur von Fotos, auf der die beiden Ehepaare (Björn und Agnetha sowie Benny und Anni-Frid) mit den Kindern davor posieren. 

Das ist viele Jahre her. Inzwischen gehört das Refugium auf Viggsö dem Unternehmer Johan Bengtsson und seiner Frau Annika. Dass auf ihrem Grundstück ein durchaus beachtlicher Teil Musikgeschichte geschrieben wurde, haben sie erst erfahren, als der Kaufpreis schon überwiesen war: „Vorher hieß es nur, da habe ein bekannter Songwriter gewohnt“, lächelt Bengtsson, der erstmals einer Handvoll Menschen erlaubt hat, seinen Privatgrund zu betreten.

Mitglieder der Tribute-Show besuchen die Hütte auch

Still ist es hier, stiller geht nicht. Das weiße Piano, an dem auch „Dancing Queen“ und andere Evergreens entstanden, steht nicht mehr in der Hütte, es wird längst im Stockholmer Abba-Museum präsentiert. Und auf den Stühlen, die mal Björn und Benny getragen haben, sitzen jetzt Camilla Dahlin und Katja Nord.

Sie sind mit an Bord gegangen, als das Schiff Richtung Viggsö auslief, „diese Gelegenheit durften wir uns doch nicht entgehen lassen“, sagt Camilla. Beide Frauen feiern in diesem Jahr 20-jähriges Bühnenjubiläum. So lange ist es her, dass sie mit ihrer Tribute-Show zum ersten Mal vor Publikum auftraten.

Mittlerweile ist „Abbamania – The Show“ die größte ihrer Art, bis zu 30 Menschen stehen auf der Bühne und präsentieren alles, was die Band populär gemacht hat. „Natürlich haben wir als Jugendliche Abba gehört. Und es war uns auch klar, dass diese Truppe es geschafft hat, unser Land Schweden auf die Weltkarte der Pop-Musik zu bringen“, erklärt Katja Nord.

Zuerst haben beide in unterschiedlichen Gruppen gesungen. Irgendwann lernten sie sich kennen und stellten fest, „dass unsere Stimmen wirklich so gut zusammenpassen wie die der beiden Abba-Frauen“, erklärt Camilla. „Und bevor die Frage kommt: Es macht immer noch Riesenspaß, diese Songs zu singen. Weil sie einfach gut sind und zeitlos.“

Traumpaare mit einem unverwechselbaren Sound

Während Dahlin und Nord ihre Idole meist aus der Ferne betrachtet haben, war Ulf Andersson ganz nahe dran. So war er auch dabei, als Abba nach dem „Waterloo“-Welthit Richtung Australien aufbrachen, „wo sie schnell feststellten, dass dieses Land absolut verrückt nach ihnen war. Auf die Schnelle mussten wir Bodyguards beschaffen, denn die Vier konnten keinen Schritt mehr ohne Fans und Medien machen“, sagt Andersson

Andersson spielte in der Band Saxofon spielte und tut das heute noch bei den Tribute-Auftritten: „Als Björn, der mich als Studiomusiker damals schon kannte, anrief und fragte, ob ich bei der neuen LP dabei sein wolle, habe ich natürlich zugesagt. Mir war es ja egal, was das für Musik sein würde. Es ging ums Geldverdienen. Aber ich habe schnell gemerkt, was da für Perfektionisten am Werk waren und dass sie tatsächlich etwas für die Pop-Musik ganz Neues gemacht und diesen unverwechselbaren Sound geschaffen haben. Mal ganz abgesehen davon, dass da zwei Traumpaare zusammen auf der Bühne standen.“

Bei „Abbamania“ hat Ulf Andersson seinen größten Part beim Song „I do, I do, I do“, den er auch an Bord locker aus der Hüfte spielt. Apropos Hüfte: Selbst im Eingangsfilm des Abba-Museums auf der Vergnügungsinsel Djurgarden, wird nicht nur Agnethas Aussehen von vorn thematisiert. Sondern auch ihre Rückseite.

Ist die wirklich so einprägsam gewesen? „Es gab keinen, der nicht davon gesprochen hat“, grinst Ulf Andersson. Frau Fältskog nahm es mit Humor: „Ich weiß nicht, ob mein Hintern so toll ist. Ich kann ihn ja nicht sehen“, kontert sie im Film.

Abba war der Konkurrenz in Vielem voraus

Als der Abba-Song „Waterloo“ den Grand Prix gewann, zeigte sich, dass die Band ihrer Konkurrenz in Vielem voraus war. Ihr Manager Stig Andersson hatte trotz der immensen Kosten schon ein paar Millionen Singles pressen lassen.

„Und als die Fans am nächsten Morgen die Plattenläden stürmten, war die Scheibe schon zu kaufen. Andere brauchten nach dem Titel Wochen, um die Platten in die Geschäfte zu bringen“, erklärt Carl-Magnus Palm, was die Band neben der einprägsamen Geschichte zweier musikalischer Liebespaare anderen noch voraushatte.

Eins seiner Bücher beschäftigt sich mit Licht und Schatten des Quartetts: „Den größten Schatten hat wohl ihre Trennung geworfen“, weiß er. Besonders Agnetha war auf Dauer nicht gemacht für den Starrummel: „Die Jungs hatten ja schon in erfolgreichen Gruppen gespielt. Für sie waren die Folgen des Ruhms nichts Neues. Aber Agnetha hat in Australien manchmal regelrechte Panikzustände verspürt. Und als dann ihr erstes Kind auf die Welt kam, wurde alles noch schlimmer.“

"Abba ist Musikgeschichte"

Im Übrigen würde Palm gerne mal mit einem Gerücht aufräumen: „Es heißt immer wieder, Agnetha und Anni-Frid hätten sich nicht gemocht, weil die dunkelhaarige Anni-Frid immer im Schatten der blonden Kollegin gestanden habe. Blödsinn. Sie waren nicht die besten Freundinnen, sondern in erster Linie Kolleginnen. Aber sie hatten ein tiefes Vertrauensverhältnis.“

Nach der Trennung wurde es eine Zeitlang still um die Band. Carl-Magnus Palm: „Es schien so, als habe Schweden immer noch nicht verstanden, welche Bedeutung Abba für die Musikgeschichte hat.“

Inzwischen gibt es in Stockholm sehr populäre Führungen, die an viele Stellen führen, die mit den lebenden Legenden in Verbindung stehen. Abba, da sind sich alle an diesem Nachmittag auf Viggsö einig, ist Geschichte. In den Tribute-Bands aber lebt sie auch nach 45 Jahren noch weiter. Vor allem, wenn die so gut sind wie „Abbamania“.

Die Abbamania-Show


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