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Inder versenkten Fischerboot statt Piratenschiff

Nairobi/Bangkok (dpa) Zunächst wurde es als Coup im Kampf gegen die Piraten vor der Küste Somalias gefeiert, nun stellt sich heraus, dass die indische Fregatte «INS Tabar» in der vergangenen Woche einen folgenschweren Fehlschuss abgab.

Inder versenkten Fischerboot statt Piratenschiff

Der indischen Marine zufolge brennt hier ein Piraten-Mutterschiff. In Wahrheit handelt es sich um ein thailändisches Fischerboot.

Es sei kein Piratenschiff versenkt worden, sondern ein von Seeräubern gekaperter thailändischer Fischtrawler mit 16 Mann Besatzung an Bord, bestätigte der Leiter des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) in Kuala Lumpur am Mittwoch.

Unterdessen wurde bekannt, dass es bei den Verhandlungen um die Freilassung des vor fast zwei Wochen gekaperten saudischen Supertankers «Sirius Star» offenbar bereits um die Lösegeldübergabe geht. Die saudische Tageszeitung «Al-Watan» berichtete weiter, die Piraten wollten den Tanker vor die Küste der Ortschaft Karali manövrieren, rund 100 Kilometer von dem berüchtigten Piratennest Eyl entfernt.

Das thailändische Außenministerium teilte am Mittwoch mit, bei der Aktion der indischen Marine vor gut einer Woche sei der Trawler «Ekawat Nava 5» versenkt worden. IMB-Chef Noel Choong bestätigte diesen Sachverhalt inzwischen. Nach Angaben des Eigners der «Ekawat Nava 5» befand sich das Schiff in der Gewalt von Piraten, als es von der indischen Fregatte beschossen wurde. «Das Schiff wurde von Piraten überfallen und alle Crewmitglieder waren gefesselt, als die indische Marine angriff», sagte der thailändische Außenamtssprecher Tharit Charungvat unter Berufung auf einen Überlebenden. Ein Sprecher der indischen Marine sagte, das Schiff sei zum Stopp aufgefordert worden. «Es hielt nicht an und feuerte. Wir haben dann in Selbstverteidigung zurückgeschossen», betonte er.

Im Zusammenhang mit der «Sirius Star» berichtete «Al-Watan», ein mutmaßlicher Kommandeur der Seeräuber habe für die Lösegeldübergabe gefordert, der Mittelsmann im Auftrag der Reederei müsse mit einem kleinen Boot zu den Piraten kommen, weil sie kein Risiko eingehen wollten. Der Pirat, der nach eigener Darstellung selbst kürzlich an dem Überfall auf einen iranischen Frachter und ein japanisches Schiff beteiligt gewesen war, erklärte, er habe früher als Soldat bei der somalischen Marine gedient.

Der Eigentümer der in der vergangenen Woche gekaperten «MS Erina» sagte am Mittwoch, die Sicherheitskräfte der halbautonomen Region Puntland im Norden Somalias bereiteten sich auf einen Sturm des jemenitischen Schiffes vor. Truppen, die von Stammeskriegern unterstützt würden, seien in die Piratenhochburg Eyl entsandt worden, sagte Attas Salim Aboud. «Die Piraten sind nun umzingelt und könnten nicht einmal Nahrungsvorräte bekommen.» Aboud hatte bereits am Dienstag jegliche Verhandlungen mit den Piraten ausgeschlossen. «Nicht einmal zehn Cent» Lösegeld wolle er zahlen, betonte der Schiffseigner, der selbst somalischer Herkunft ist.

Im ringen um die Freilassung des im September gekaperten und mit mehr als 30 Kampfpanzern beladenen ukrainischen Frachters «MS Faina» haben die Seeräuber ukrainischen Medienberichten zufolge derweil ihre Lösegeldforderung weiter gesenkt. Sie verlangten nun nur noch drei Millionen Dollar, nachdem ihre Forderung anfangs 35 Millionen Dollar betragen hatte.

Im Golf von Aden patrouillieren außer Schiffen der indischen Marine auch Kriegsschiffe aus den USA, Frankreich und verschiedenen NATO-Staaten. Ein Einsatz der EU ist für Anfang Dezember geplant. Dennoch kommt es regelmäßig zu Piratenüberfällen vor der somalischen Küste. Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Regierung und auch keine Küstenwache.

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