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„Industriegeschichte“: Eon und RWE teilen Geschäfte auf

Essen. Der Konkurrenzkampf zwischen Eon und RWE soll künftig vorbei sein. Die beiden Energieriesen wollen sich aus dem Weg gehen. Ein Deal, der nur Gewinner kenne, versichert RWE-Chef Schmitz. Doch auf die Beschäftigten kommen Einschnitte zu.

„Industriegeschichte“: Eon und RWE teilen Geschäfte auf

Rolf Martin Schmitz (r.), RWE-Chef, und Johannes Teyssen, E.ON-Vorstand. Foto: Rolf Vennenbernd

Energie-Allianz mit Folgen: Die beiden deutschen Versorger Eon und RWE wollen bei der Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy bis zu 5000 Stellen abbauen, wenn auch ohne Kündigungen. „Eon hat noch nie betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. So wird es auch weiter sein“, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen am Dienstag bei der Vorstellung des spektakulären Deals, mit dem sich die beiden Energieriesen nicht länger Konkurrenz machen wollen. Der Stellenabbau ist bei der neuen Eon vorgesehen, bei RWE soll es in den kommenden Jahren insgesamt keinen Personalabbau geben.

Um die Milliardenvereinbarung zu erläutern, haben sich Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz auf neutralem Terrain getroffen. In einem Saal der Messe Essen - aber doch genau gegenüber der Eon-Zentrale. Teyssen ergreift auch als erster das Wort, schließlich ist Eon der Käufer, der die RWE-Tochter Innogy übernimmt. Fragen nach dem Erfinder eines der „kreativsten Gestaltungsdeals der deutschen Industriegeschichte“, wie Teyssen das komplizierte Konstrukt lobt, lächelt der Eon-Chef weg: „Ich kann mich immer so schlecht erinnern.“

Die beiden Vorstandschefs haben unter zwei provisorisch an die Wand gehefteten Papierausdrucken der Konzernlogos Platz genommen. Es musste eben alles schnell gehen - aber auch „nach deutscher Beamtenart“, wie Schmitz die Verhandlungen beschreibt. In der Vergangenheit waren der Braunkohleverstromer Schmitz und der ergrünte Energiemanager Teyssen bisweilen aneinander geraten. Jetzt ist Harmonie pur angesagt: Schmitz schenkt Teyssen Wasser ein, für die Fotografen tauschen die Manager Firmen-Kugelschreiber.

Doch es geht um nichts weniger als die Neuordnung des deutschen Energiemarktes. Eon wird künftig keinen Strom mehr produzieren und sich ganz auf die Energienetze und den Stromverkauf an dann rund 50 Millionen Kunden in Europa konzentrieren. Unter dem Dach von RWE sollen die gesamten erneuerbaren Energien zusammengeführt werden. Für beide Konzerne sei das eine hervorragende Basis für langfristiges Wachstum „in Deutschland, Europa und der Welt“, versichert Teyssen.

Einig sind sich Schmitz und Teyssen auch in einem anderen Punkt. Man sei „aus einer Position der Stärke“ in den Deal gegangen, betonen die Manager unisono. Beide Konzerne haben 2017 die Milliardenverluste des Vorjahres hinter sich gelassen und wieder Geld verdient. RWE erzielte 2017 unter dem Strich einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro, Eon verdiente knapp 4 Milliarden Euro, wie aus den am Montag und Dienstag vorgelegten Bilanzen hervorgeht. Allerdings trieb auch die Rückzahlung der Atomsteuer die Ergebnisse hoch.

RWE hat seinen Strom bisher mit Kohle-, Gas-, Atomkraftwerken produziert. Jetzt werde man „mit einem Schlag“ zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa, betont Schmitz. Und RWE werde weiter in grüne Energie investieren. Geld dafür soll auch von der Beteiligung von knapp 17 Prozent an Eon kommen, die RWE halten wird. Bei der Wertsteigerung dieses Investments habe er „schon jetzt die Dollarzeichen in den Augen“, sagt der RWE-Chef. Aufstocken darf er die Eon-Beteiligung aber nicht - das ist so vertraglich geregelt.

„Ein Transaktion, bei der es eigentlich nur Gewinner gibt“, lobt Schmitz den Deal. Das gelte auch für die Mitarbeiter. Die Gewerkschaften Verdi und IG BCE, die bei solchen Deals oft kritisch sind, haben jedenfalls ungewöhnlich positiv reagiert. So wollte Verdi im Aufsichtsrat für das Geschäft stimmen. Die Arbeitnehmervertreter wüssten eben, dass für eine nachhaltige Entwicklung bei der Beschäftigung „auch mal Stellen wegfallen“, meint Teyssen. Viele Angestellte dürften das anders sehen.

Und die Stromkunden? Mehr Marktmacht von Eon müssten sie nicht fürchten, versichert Teyssen. Denn es sei „noch nie leichter gewesen, den Anbieter zu wechseln als heute“. Das schätzen auch Marktbeobachter so ein. Kundennähe sei sowieso selbstverständlich, sagt Teyssen, Eon solle sich anfühlen „wie ein großes Stadtwerk“.

In trockenen Tüchern ist der Deal aber noch nicht. Die Wettbewerbshüter in Deutschland und Europa müssen noch zustimmen. Teyssen ist überzeugt, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. Außerdem will Eon den freien Innogy-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot machen. Wenn alle annehmen, muss Eon dafür rund 5 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Geht alles glatt geht, könnte die gesamte Transaktion Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein.

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