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Insulin: Schwieriger Nachweis eines tückischen Mordwerkzeugs

München. Ein Hilfspfleger soll mit Insulin einen Menschen in Ottobrunn bei München ermordet haben. Ermittler prüfen auch in anderen Todesfällen Zusammenhänge. Doch wie leicht lässt sich das Hormon als Mordinstrument bei Toten noch nachweisen?

Insulin: Schwieriger Nachweis eines tückischen Mordwerkzeugs

Ein Tropfen Insulin ist an der Nadelspitze eines Pen zu sehen. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Seit Mitte Februar sitzt ein 36-Jähriger Hilfspfleger wegen Mordverdachts in München in Haft. Der Mann soll einen 87-jährigen Pflegebedürftigen in Ottobrunn bei München mit Insulin getötet und dann beraubt haben. Die Münchner Staatsanwaltschaft I ermittelt - die große Frage dabei: Ist der Pole ein Serienmörder? Hat er womöglich deutschlandweit noch mehr Menschen mit Insulininjektionen getötet? 

Neun weitere Todesfälle bundesweit sind es insgesamt, in denen die Ermittler einen Zusammenhang prüfen - darunter in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen. Zwei Leichen wurden bereits exhumiert. Wo und wie lange sie schon unter der Erde lagen, sagten die Münchner Ermittler nicht. Doch wie leicht lässt sich Insulin als Mordinstrument bei Toten noch nachweisen?

Nicht so leicht, sind sich Experten sicher. „Je fauliger die Leiche ist, desto schwieriger wird es“, sagte Prof. Herbert Bratzke vom Berufsverband Deutscher Rechtsmediziner der Deutschen Presse-Agentur. Brauche man einen eindeutigen Beweis, „sprechen wir hier von Tagen“. Am besten müsse der Körper direkt nach dem Tod untersucht werden, so der Experte.

Auch die Toxikologin Cora Wunder vom Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main verwies auf die schwierige Nachweisbarkeit des Hormons - und das manchmal schon Tage nach dem Tod. Auf die Frage, wie lange man nichtkörpereigenes Insulin bei einer Leiche feststellen könne, sagt sie: „Da lässt sich definitiv keine Tages- oder Jahreszahl angeben.“

Ihrer persönlichen Einschätzung nach habe man nach zum Beispiel zwei Jahren kaum Aussichten auf Erfolg. Prinzipiell hänge es vom Zustand des Leichnams ab, wenn er exhumiert werde, sagt Wunder. „Wenn er verbrannt wird, gibt es sowieso keine Chance mehr - auch wenn der Körper schon vergraben ist, ist es schwierig.“

Doch wieso ist es so problematisch, den Stoff nachzuweisen? „Je hämolytischer das Blut wird - mit dem Tod platzen ja die Zellen, das Blut zersetzt sich und die roten Blutkörperchen treten aus - desto schwieriger wird es“, so die Expertin. „Sobald das Hämoglobin mit dem Insulin zusammenkommt, erfolgt eine Zersetzungsreaktion und man kann es derzeit nicht mehr nachweisen.“

Mit dem Hormon Insulin regelt der Körper die Aufnahme von Zucker in seinen Zellen. Es nimmt damit eine Schlüsselposition im Stoffwechsel ein.

Die Münchner Staatsanwaltschaft bekam im Zuge einer Öffentlichkeitsfahndung mehr als 50 Hinweise für Orte bundesweit, an denen der Hilfspfleger tätig gewesen sein soll. Am Mittwoch könnten weitere dazu kommen. Die Ermittler wenden sich dann bei der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ erneut an die Öffentlichkeit.

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