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Italiens Problem: Ein Schuldenberg, der nicht schwinden will

Rom/Berlin. Die Eurozone sorgt sich um Italien, die Finanzmärkte sind in Alarmstimmung: Wird die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion zum Sanierungsfall, ähnlich wie vor mehr als acht Jahren das vergleichsweise unbedeutende Griechenland?

Italiens Problem: Ein Schuldenberg, der nicht schwinden will

Auch der italienische EZB-Chef Mario Draghi wird Italien im Falle einer Staatspleite nicht helfen können - dafür ist die Volkswirtschaft zu groß. Foto: Arne Dedert

Italien lebt mit einem riesigen Schuldenberg, in absoluten Zahlen mit fast 2,3 Billionen Euro (2017) dem höchsten aller Euroländer. Das entspricht fast 132 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Schlimmer ist die Lage nur in Griechenland (knapp 179 Prozent). Erlaubt sind nach dem EU-Regelwerk für die Währungsunion eigentlich nur 60 Prozent.

Schulden in dieser Höhe können zu einem echten Problem werden, wenn die Zinsen dafür drastisch steigen. So musste Rom am Mittwoch für neue Anleihen eine erheblich höhere Verzinsung akzeptieren - für fünfjährige Anleihen zum Beispiel gut 2,3 Prozent statt zuvor knapp 0,6 Prozent.

Würde dieser Trend anhalten, könnte sich Italien auf Dauer nicht mehr zu auskömmlichen Bedingungen frisches Geld leihen - so wie im Falle Griechenlands, das angesichts dramatisch gestiegener Anleihezinsen 2010 unter einen internationalen Rettungsschirm schlüpfte.

Eine vergleichbare Hilfsaktion für das viel größere Italien gilt aber als unmöglich, weil dafür die Mittel des Rettungsfonds ESM nicht ausreichen würden. Und sollte Italien tatsächlich Schulden nicht mehr bedienen können, bekämen etliche Banken ein Riesenproblem. Denn viele Banken, vor allem in Italien, haben in großem Umfang italienische Staatsanleihen in den Büchern.

Allerdings ist die Ausgangslage alles andere als neu. Schon beim Euro-Start 1998/99 war die enorme Verschuldung Italiens ein Thema, ohne dass die drittgrößte Volkswirtschaft seither auch nur an den Rand einer drohenden Staatspleite gekommen wäre. Damals stellte das Europäische Währungsinstitut, der Vorgänger der EZB, in seinem ersten „Konvergenzbericht“ den Euroländern die Reifezeugnisse für den Euro aus. „Die Schuldenquote liegt weit über dem Referenzwert von 60 Prozent des BIP. Nach einem Höchststand im Jahr 1994 ging die Quote (...) zurück und lag 1997 bei 121,6 Prozent; (...).“

Die 20 Jahre alten Schlussfolgerungen gelten unverändert: Man müsse „nach wie vor besorgt sein, ob das Verhältnis des öffentlichen Schuldenstands zum BIP hinreichend rückläufig ist und sich rasch genug dem Referenzwert nähert und ob bereits eine auf Dauer tragbare Finanzlage erreicht wurde“.

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