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Astronomisches Ereignis

Jahrhundertschauspiel: Venus schob sich vor der Sonne

Hamburg Zehntausende Menschen haben in Ostasien, Australien und Neuseeland fasziniert ein Himmelsspektakel verfolgt, das erst in 105 Jahren wieder zu sehen sein wird. Mit Schutzbrillen ausgestattet verfolgten sie die Passage der Venus vor der Sonne. In Deutschland war das Schauspiel am frühen Morgen ebenfalls zu sehen - oder auch nicht.

Jahrhundertschauspiel: Venus schob sich vor der Sonne

Zum Sonnenaufgang am 6. Juni zieht die Venus vor der Sonnenscheibe vorbei. Ein solcher sogenannter Venus-Transit findet erst im Jahr 2117 wieder statt. Foto: Jonathan Drake / Archiv

Am Mittwochmorgen nach Sonnenaufgang war die seltene Mini-Sonnenfinsternis am Himmel zu bestaunen: Die Venus schob sich vor die Sonne. Zu sehen war dies im Westen Deutschlands allerdings kaum. Dichte Wolken verhinderten zumeist die Sicht auf die Sonne. 

Die Venus vor der Sonne

Der Anfang des Venus-Spektakels, aufgenommen in Quezon City, Philippinen.
In New Delhi, Indien, war das Wetter nicht ganz so gut, doch auch dort war die Venus deutlich zu sehen.
Thailänder tafen sich im Planetarium in Bangkok zum Venus-Watching.
Serienaufnahme des Spekatakels aus Quezon City, Philippinen
Stimmungsvolle Aufnahme aus New Delhi, Indien.
Astro-Fans beobachten im erzgebirgischen Drebach den Venus-Transit.
Auch in Bratislava, Slowakei haben sich die Venus-Fans getroffen
Ansicht vor dem Bratislava Schloss in der Slowakei.
Ein Astro-Fan beobachtet am im erzgebirgischen Drebach den Venus-Transit.
Der Planet Venus durchläuft die aufgehende Sonne am Mittwochmorgen über dem brandenburgischen Lebus (Märkisch-Oderland).

«Der größte Teil hat leider Pech gehabt. Dazu ist die Front mit den Wolkengebieten doch zu schnell reingekommen», sagte Meteorologe Torsten Walter vom Deutschen Wetterdienst, Nur 20 Prozent der Menschen in Deutschland hatten die Chance, das Schauspiel zu sehen. Die Sternenbegeisterten im Westen Deutschlands sind umsonst aufgestanden. Der Planet war als keiner schwarzer Punkt vor der riesigen Sonnenscheibe zu sehen. Die Venuspassage dauert mehr als sechs Stunden Das sehr seltenes Himmelsschauspiel wird kaum ein lebender Mensch wieder beobachten können: Es ist erst der sechste sogenannte Venustransit seit der Erfindung des Fernrohrs, und der nächste wird erst wieder in 105 Jahren stattfinden. „Solange die moderne Medizin nicht ein Wunder zur Verlängerung der Lebenserwartung erfindet, ist dieser Transit Ihre letzte Gelegenheit, unseren Schwesterplaneten zu beobachten, wie er über die feurige Sonnenscheibe wandert“, betont der Chefredakteur des US-Magazins „Sky & Telescope“, Robert Naeye, in einer Mitteilung.

Ein Venustransit gleicht einer Mini-Sonnenfinsternis. Die Venus ist der innere Nachbarplanet der Erde und überholt uns regelmäßig auf der Innenbahn. Meist zieht sie dabei am irdischen Himmel allerdings ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur sehr selten stehen Erde, Venus und Sonne so exakt in einer Reihe, dass die Venus genau über die Sonnenscheibe wandert. Während eines solchen Venustransits verdeckt unser Nachbarplanet dann für ein paar Stunden einen winzigen Teil der Sonne.Wer das nicht gezielt beobachtet, bekommt es allerdings gar nicht mit. Denn die schwarze Venusscheibe erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe und wandert als kleiner Fleck über die Sonne.  Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Hunderte Expeditionen ausgerüstet, um das seltene kosmische Schattenspiel zu beobachten, denn daraus ließ sich die Entfernung der Sonne berechnen. Von verschiedenen Punkten auf der Erde aus gesehen schiebt sich die Venus durch den etwas anderen Blickwinkel zu leicht unterschiedlichen Zeiten vor die Sonne, und aus der Geometrie ergibt sich die Distanz. „Heute kennen wir diesen Wert exakt, aber Transite sind immer noch nützlich“, erläutert US-Astronom Frank Hill vom National Solar Observatory. „Dieser wird uns helfen, verschiedene Instrumente für die Jagd nach extrasolaren Planeten mit Atmosphären zu kalibrieren.“

Denn so wie die Venus ein kleines Stück der Sonne verdeckt, schieben sich gelegentlich auch Planeten ferner Sterne von der Erde aus gesehen vor ihre Sonne. Die winzige Abschattung lässt sich mit Spezialinstrumenten registrieren. „Das europäische Weltraumteleskop “CoRoT“ hat mit dieser Technik bereits über 20 Exoplaneten entdeckt“, betont die Europäische Raumfahrtagentur Esa. Selbst die Atmosphäre solcher fernen Planeten, sofern sie eine haben, lässt sich dabei untersuchen, denn sie wird während des Transits vom Stern durchleuchtet. Venustransite treten stets paarweise im Abstand von acht Jahren auf. Danach dauert es abwechselnd 105 und 121 Jahre bis zum nächsten Transit. Zuletzt fand 2004 ein Transit statt, der nächste steht im Jahr 2117 an. Den besten Logenplatz für das diesjährige Spektakel hatten vermutlich die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS. „Die Mitglieder der Expedition 31 werden die ersten Menschen in der Geschichte sein, die einen Venustransit aus dem All zu sehen bekommen“, sagt Mario Runco vom Johnson Space Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Zwar gab es auch beim Transit von 2004 eine Besatzung auf der ISS, aber erst Astronaut Don Pettit hat daran gedacht, einen Sonnenfilter mitzunehmen. „Ich wusste, dass der Venustransit sich während meines Einsatzes ereignen würde, daher habe ich einen Sonnenfilter mitgebracht, als meine Expedition zur ISS im Dezember 2011 startete.“ 

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