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Jochen Malmsheimers Runde zwei

Zeltfestival Ruhr

Zwei Tage nach seiner polarisierenden Rede bei der Eröffnungsfeier des Zeltfestivals stand der Bochumer Kabarettist Jochen Malmsheimer am Samstagabend erneut auf der Bühne. Auf exakt der gleichen Bühne. Nur das Publikum war ein anderes. Malmsheimer gestand: „Ich war nicht sicher, ob jemand käme.“

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 21.08.2010
Jochen Malmsheimers Runde zwei

Bestens Gelaunt: Malmsheimer lacht sich in's Hemd.

Obwohl nur die wenigsten Gäste die Eröffnung am Donnerstag live miterlebt haben dürften, war Malmsheimers Standpauke für Bochums Stadtverwaltung (wir berichteten) bekannt. Sie blieb nicht unbeantwortet. Als der Künstler die Bühne betrat, wurde er von einem großflächigen Plakat empfangen: „Danke Jochen für deine Rede“, stand in robuster Handschrift auf weißer Pappe. „Ich freue mich, dass du da bist“, grüßte er den Träger des Schilds mit freundlichem Grinsen im Gesicht und Applaus-Unterstützung der Zeltbesucher.

 Weitere Tiraden gegen Bochums Verwaltung oder andere erkennbare Persönlichkeiten blieben erwartungsgemäß aus. Jochen Malmsheimer hatte sich mit seinem Programm „Ich bin kein Tag für eine Nacht“ angekündigt und philosophierte eine gute Fußballspiellänge über die Sprache. Über Kneipensprache, deren Laute wiederzugeben die Grenzen der Tastatur überschreite. Über belanglose Moderatorensprache, am Beispiel der eigenen Kochshow fürs Radio mit dem Titel „Kochen mit Jochen“. Über die Nützlichkeit, der englischen Sprache mächtig zu sein, an einem Erfahrungsbericht über Flugzeugtoiletten und „rektale Ausgelassenheit“. All dies, in gewohnt wortgewandter Form, welche dem Zuhörer größte Aufmerksamkeit abverlangt, die trotz ausgiebiger Beanspruchung aller zum Lachen geeigneter Körperteile aufrecht erhalten werden will. Zur Entlastung der Zuschauert hat Malmsheimer sein Programm durch eine Pause in zwei Hälften geteilt, „wobei die zweite Hälfte stets kürzer ist, als die erste, was sie rein physikalisch nicht mehr zu einer Hälfte macht“ (Malmsheimer). 

Erst in der Zugabe blickte Malmsheimer einen Halbsatz lang noch ein Mal auf die Eröffnungsfeier des Zeltfestivals zurück. „Der Kabarettist ist nicht nur Spaßvogel, er ist auch Mahner und Künder“, erklärte Malmsheimer und mahnte von nun an über deutschlandweite Verblödungserscheinungen bei Bürgern und Obrigkeiten, die er „Herbstdemenz“ taufte. Wie diese auch auf das Ruhrgebiet passe, erklärte er, „dazu habe ich vor wenigen Tagen alles gesagt.“ Dem war von seiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen.