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Jonathan Wilsons „Rare Birds“: Eine Riesenmasse Retro-Rock

Berlin. Ein Album mit knapp 80 Minuten Musik ist fast immer zu lang - auch „Rare Birds“ von Jonathan Wilson entgeht dieser Gefahr nicht. Dennoch bleibt der Karriereweg dieses Retro-Folkrock-Fetischisten aus Kalifornien eine spannende Erfolgsgeschichte.

Jonathan Wilsons „Rare Birds“: Eine Riesenmasse Retro-Rock

Schön retro: Jonathan Wilson im Op-Art-Ambiente. Foto: Andrea Nakhla

Der Mann sieht immer noch so aus, als sei er einem Hippie-Film der frühen 70er Jahre entsprungen. Der Look ist geblieben - ansonsten hat sich aber viel geändert in der erstaunlichen Laufbahn des Jonathan Wilson.

Seit dem Durchbruch mit dem Neo-Westcoast-Album „Gentle Spirit“ (2011) ist der 43-jährige US-Amerikaner zu einem der gefragtesten Produzenten in den Staaten und zu einem veritablen Solo-Star des Retro-Folkrock avanciert. Auch sein neues Album „Rare Birds“ (Bella Union/Pias) präsentiert ihn als Multi-Instrumentalisten und Sänger mit riesigen Ambitionen - und dem durchaus sympathischen Mut, auch mal über das Ziel hinauszuschießen.

Denn auch diese Platte ist mit 13 langen Songs und einer Spieldauer von fast 79 Minuten ein arg üppiges, aber immerhin auch sehr abwechslungsreiches Festmahl. Manche Lieder ächzen unter all den Ansprüchen Wilsons, nicht nur eine Rockmusik-Ära (Stichworte: der Laurel-Canyon-Sound aus dem Kalifornien der Seventies) nachzuempfinden, sondern sie ins Hier und Jetzt zu transportieren.

Aber Stücke wie der bluesige Opener „Trafalgar Square“ oder der Titelsong sind eben auch großartige Kompositionen, sie machen es selbst kritischen Zeitgenossen schwer, Wilson als langhaarigen Größenwahnsinnigen zu denunzieren. Zumal dieser Musiker auch gar kein eitler Poser ist, sondern mindestens ein erstklassiger Handwerker - und bei Live-Auftritten ein bescheidener, netter Kerl.

Zwar waren „Gentle Spirit“ und der Nachfolger „Fanfare“ (2013) insgesamt konzentriertere Werke, doch „Rare Birds“ ist beileibe kein Fehltritt. Wilsons Solo-Karriere ist zudem nur sein zweites Standbein: Zuletzt produzierte er das tolle Album „Pure Comedy“ von Father John Misty (der musikalisch eine Art Bruder im Geiste zu sein scheint, allerdings mit edlerer Stimme). Außerdem arbeitete er für Roger Waters (früher Pink Floyd), Conor Oberst, Roy Harper, Dawes und Bonnie „Prince“ Billy.

Konzerte: 27.3. Köln, 28.3. Berlin, 29.3. Hamburg

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