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Josef Winkler: Geschichten über Religion und Tod

Wien (dpa) Eine menstruierende Fünfzehnjährige stürzt sich in den Fluss, ein feiernder Mann wird von einem Panzer überrollt, und zahlreiche Kinder sterben unter Autorädern.

Josef Winkler: Geschichten über Religion und Tod

In Josef Winklers neuem Werk lauert überall der Tod.

Ob in Kärnten oder in Indien - der Tod lauert im neuen Werk des diesjährigen Büchner- Preisträgers Josef Winkler überall. Das schmale, in der Edition Suhrkamp erschienene Bändchen «Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot» ist eine Sammlung kurzer Prosatexte des österreichischen Autors, in die Erfahrungen aus seinen Reisen und aus seiner Kärntner Kindheit einfließen.

Wie auch in seinen vorherigen Werken sind in den Geschichten Religion und Tod die Leitmotive. Zudem reflektiert Winkler über die Werke für ihn wichtiger Autoren wie Alfred Döblin und Annemarie Schwarzenbach. Er schreibe keine «Mitteilungsliteratur», sagte Winkler einmal. «Mein Thema ist vor allem die Sprache, die Form, der Stil und der Klang.» Demnach kann der Leser im neuesten Werk auch keine zusammenhängenden Geschichten erwarten. Winkler baut vielmehr zu einem Leitthema assoziative und teils fantastische Textkunstwerke, die für den Leser manchmal unübersichtlich sind, aber durch ihre eindringliche Sprache und hohe Suggestionskraft in ihren Bann ziehen.

In «Zeit der Butterblumen, Zeit der Gladiolen» sinniert der Ich- Erzähler nach Erhalt der Sterbekarte eines Kraftfahrers auf dem Weg ins Kino über Butterblumen und den Tod. «Als ich den St. Ruprechter Friedhof verließ und über eine mit Butterblumen übersäte Wiese zwischen mehreren hochgewachsenen Birken hindurch, in denen die Schnittstellen eingeritzter Herzen und Namen verharzt waren, Richtung Volkskino ging, um mir den Film "Sehnsucht" von Valeska Griesbach anzuschauen, und mir als Proviant auf der anderen Straßenseite in der Fleischhauerei Kanzelbinder zwei Wurstsemmeln kaufen wollte, wobei mir, während ich über die Straße ging, wieder der im weißen Kindersarg liegende, von einem Auto getötete, auf seinem auf dem weißen Totenpolster liegende Kopf einen von Bienen umschwärmten Kranz Butterblumen tragende zwölfjährige Meinard Deweis einfiel (...)», beschreibt Winkler in Endlossätzen Assoziativketten.

Winkler wurde 1953 in Kamering in Kärnten geboren und wuchs in einem katholischen Elternhaus auf. Seit 1982 arbeitet er als freier Schriftsteller und lebt in Klagenfurt. Inzwischen gilt er als einer der renommiertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, in diesem Jahre erhielt er neben dem Büchner-Preis auch den österreichischen Staatspreis. Sein neuestes Werk ist wieder preisverdächtig: «Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot» ist im Wettbewerb um den kuriosesten Buchtitel 2008 nominiert. In dem Winkler-Text «Nur mit den Kernen der Apfelbutzen» wird die Herkunft klar. Es ist die Entgegnung des Erzählers - basierend auf einem Schlagertitel aus den 30er Jahren - auf die tägliche Ermahnung der Mutter, den Herrgott nicht bei den Füßen herunterzuziehen und ihm nicht die Fersen abzuschneiden.

Josef Winkler

Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

Suhrkamp Verlag,

125 S., Euro 9,00

ISBN: 3518125567

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