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Jurastudenten in Nöten in John Grishams „Forderung“

Berlin. Jurastudenten entdecken kurz vor dem Examen, dass sie durch ihren Enthusiasmus zu Opfern eines verbrecherischen Plans wurden. In seinem neuen Roman „Forderung“ zeigt der Erfolgsautor John Grisham, wie das Justizwesen gegen sich selbst gekehrt werden kann.

Jurastudenten in Nöten in John Grishams „Forderung“

In seinem neuen Roman hat der US-Schriftsteller John Grisham den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit zum zentralen Thema gemacht. Foto: Marcus Brandt

Mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht John Grisham seit rund 20 Jahren Romane mit spannenden Geschichten aus der Welt der Gerichte und Anwälte. In seinem neuen Roman „Forderung“ stellt er die Juristenausbildung in den USA und ihre Schattenseiten für die Studenten in den Mittelpunkt.

Seine Kritik an den Verhältnissen gießt er in die Form einer spannenden, zugleich unterhaltsamen und mitunter amüsanten Erzählung.

Getragen wird der Roman von einer Gruppe junger Leute, die alle im letzten Jahr ihres Jurastudiums an der privaten Foggy Bottom Law School in Washington sind. Vor Jahren hatten sie Hoffnungen auf eine Karriere im Rechtsbetrieb gehegt, aber von ihrem Optimismus ist nicht mehr viel übrig geblieben. Washington quillt über vor jungen Juristen auf der Suche nach einer Anstellung. Wer überhaupt einen Job findet, muss gewaltige Einschränkungen in Kauf nehmen.

Dann deckt der Student Gordy eine ebenso clevere wie niederträchtige Konstruktion auf, die er seinen Freunden als große Verschwörung präsentiert. Foggy Bottom ist eine private Uni, die sich in erster Linie durch die von den Studenten verlangten hohen Studiengebühren finanziert. Da die Regierung freigebig Studentenkredite verteilt, können viele junge Leute ein Studium aufnehmen. Und da Rechtsanwälte häufig sehr viel Geld verdienen, sind sie optimistisch, ihre Kredite problemlos zurückzahlen zu können.

Wie Gordy herausfindet, sind die meisten Studenten einem großen Schwindel aufgesessen. Nach ihrem Studium haben sie einen Riesenberg Schulden, aber kaum eine Chance, diese zurückzuzahlen. Das Perfide ist, dass die Eigentümer der Uni über ein verschlungenes Firmengeflecht davon profitieren. Gordy argwöhnt, dass Foggy Bottom in Wahrheit nichts anderes ist als ein System zur Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die Interessen der Studenten.

Was also tun? Schockiert von Gordys Selbstmord sind seine Freunde Mark, Todd und Zola überzeugt, dass sie ihr Leben grundsätzlich ändern müssen. Eher zufällig kommt ihnen eine abenteuerliche Idee: Wer sagt, dass man Rechtsanwalt sein muss, um als Rechtsanwalt zu arbeiten? Sie wissen, wie dünn das Eis ist, auf dem sie sich mit ihrer Unternehmung bewegen, sehr dünn ist: „Es ist am besten, wenn wir weiter lügen. Angesichts unserer Berufserfahrung gilt wohl, im Zweifelsfall - immer lügen.“

Grisham zeigt, wie vertraut er mit dem amerikanischen Gerichtssystem ist, als er seine Hauptfiguren einfach so in den Washingtoner Gerichtsfluren herumlaufen und sich wie Anwälte benehmen lässt. Sie erleben zahlreiche amüsante und absurde Situationen, aber auch anrührende Schicksale und Rechtsfälle.

Mark und Todd versuchen, Kunden zu gewinnen, die wegen Verkehrsvergehen vor Gericht erscheinen müssen, während Zola in Krankenhäusern nach möglichen Auftraggebern sucht. Viele Versuche scheitern, und über allem schwebt ständig die Gefahr, dass ihr Betrug auffliegt.

Erfolg und Scheitern liegen immer nahe beieinander, und die Studenten erleben ein ständiges Wechselbad der Gefühle. Grisham gelingt es, Sympathien für seine Figuren zu erzeugen, ohne ihre Verhalten gutzuheißen.

Je weiter der Roman fortschreitet, umso schneller werden die Handlungen der Figuren und umso größer wird ihr Einsatz. Hoffnungslos verschuldet, versuchen sie mit einem großen Schlag ihre Zukunftssorgen los zu werden, aber sie wissen nie, ob ihnen die Gegenseite nicht unerreichbar überlegen sind.

John Grisham hat in seinen Romanen schon häufig den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit zum zentralen Thema gemacht. In „Forderung“ gelingt ihm eine überraschende, sehr gelungene Variante dieses Themas.

- John Grisham: Forderung. Heyne Verlag, München, 432 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 978-3-453-27034-3.

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