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Käpt'n Blaubär und Sir John: Wolfgang Völz ist tot

Berlin. Auf hoher See erlebte er dank Käpt'n Blaubär haarsträubende Abenteuer. Die Raumpatrouille Orion brachte ihn bis zu den Sternen. Mit 87 Jahren ist der Berliner Schauspieler Wolfgang Völz jetzt gestorben.

Als Stimme von Käpt'n Blaubär spann Wolfgang Völz in der „Sendung mit der Maus“ irrwitziges Seemannsgarn. Er war Mitglied der „Raumpatrouille Orion“ und Sir John in den Edgar-Wallace-Parodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“.

Ein breites, freundliches Lächeln und seine markante Stimme waren das Markenzeichen des Mannes mit dem Schnauzbart. Bereits am Mittwoch ist der Schauspieler Wolfgang Völz in Berlin im Alter von 87 Jahren gestorben, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Zuerst hatte die „Berliner Morgenpost“ berichtet.

„Auf Wiedersehen, Wolfgang Völz. Danke, dass du Käpt‘n Blaubär deine unverwechselbare Stimme gegeben hast“, twitterte die „Sendung mit der Maus“ am Freitag. „Du wirst immer bei uns sein!“

Für mehr als 600 Fernseh- und rund 150 Kinofilme stand das Berliner Urgestein vor der Kamera. Seine Stimme lieh er internationalen Stars wie Walter Matthau, Peter Ustinov und Mel Brooks. Den etwas älteren Fernsehzuschauern war Völz als schlitzohriger Butler Johann aus der kultigen Vorabend-Serie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ bekannt, die in den 60er und 70er Jahren lief.

Die Jüngeren kannten Völz vor allem als Sir John aus den schrägen Edgar-Wallace-Persiflagen mit Bastian Pastewka und Oliver Kalkofe. Und immer wieder spielte Völz in Kinderfilmen mit. In Michael „Bully“ Herbigs „Hui Buh“ war er der verrückte Adelige Servatius Sebaldus. Neben dem wunderbar schrulligen Käpt'n Blaubär war er auch die Stimme des melancholischen See-Elefanten in den „Urmel“-Animationsfilmen und vom weisen Walross Sopho in „Der kleine Eisbär“. Beim Synchronsprechen für die Erwachsenen-Filme mochte Völz den im Jahr 2000 gestorbenen US-Schauspieler Walter Matthau am liebsten.

Völz wurde am 16. August 1930 in Danzig geboren - um 07.00 Uhr früh. Lange Jahre fuhr die Völz-Familie an den „Fünfer-Geburtstagen“ dorthin, wo der Schauspieler damals das Licht der Welt erblickte, so erzählte er einmal. Im selben Haus war wenige Jahre zuvor auch der Komiker Eddi Arent zur Welt gekommen.

Schon als Kind spielte Völz gern Theater. Der Legende nach hat dann ein Regisseur, dem Völz als gelernter Bäcker Brötchen ins Hotel lieferte, sein Interesse für das Schauspielern wieder geweckt. In Hannover nahm Völz Schauspielunterricht. Als Page in Schillers „Don Carlos“ gab er 1950 am Landestheater Hannover sein Bühnendebüt. Es folgten Engagements an Theatern in ganz Deutschland.

1954 schloss sich der für sein komisches Talent berühmte Völz dem Kabarettensemble „Stachelschweine“ in Berlin an. In den 60er Jahren begann seine Fernsehkarriere mit Gastauftritten in zwei Folgen von Jürgen Rolands Krimiserie „Stahlnetz“. Mit Heinz Rühmann war er in „Charleys Tante“ zu sehen, mit Martin Held spielte er in „Banktresor 713“.

In dem deutschen Science-Fiction-Klassiker „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ trat Völz dann als Leutnant Mario de Monti an der Seite von Dietmar Schönherr auf - und schrieb so Fernsehgeschichte mit. 1990 wurde Völz mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Auch Völz' Sohn Benjamin und seine Tochter Rebecca sind Schauspieler und Synchronsprecher. In den letzten Jahren lebte Völz zurückgezogen in Berlin. Laut Medienberichten hatte er 2016 einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich aber wieder erholte.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte Völz nach der Nachricht von dessen Tod am Freitag als „großen Schauspieler“ und „couragierten Mitbürger“. „Als Volksschauspieler im besten Sinne des Wortes hat er sein Publikum in Schurkenrollen ebenso überzeugt, wie er uns immer wieder zum Lachen gebracht hat“, erklärte Müller. „Völz war ein großer Könner auf der Bühne, vor der Kamera und im Tonstudio, der seinen Fans, der Theaterstadt Berlin und allen Berlinerinnen und Berlinern fehlen wird.“

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