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Karadzic beharrt: «USA versprachen mir Immunität»

Den Haag (dpa) Radovan Karadzic bleibt dabei: Die USA hätten ihm 1996 versprochen, er werde nicht an das UN-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert, wenn er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzieht.

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Der frühere bosnische Serbenführer Karadzic bei der Anhörung vor dem UN-Tribunal in Den Haag.

Die Bilder zeigen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic: links eine Aufnahme aus dem Jahr 1994, rechts als "Dr. Dragan David Dabic" in neuerer Zeit.

UN-Chefankläger Serge Brammertz will sich für ein zügiges Verfahren gegen Karadzic einsetzen.

Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic auf dem Weg zum UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Mit einem Flugzeug landete der ehemalige bosnische Serbenführer zunächst in Rotterdam.

Unerkennbar steht ein bewaffneter Polizist in Scheveningen Wache, als Karadzic eintrifft.

In Belgrad demonstrierten noch am Abend vor der Überstellung Karadzic-Anhänger gegen dessen Auslieferung.

Karadzic-Anhänger lieferten sich in Belgrad Straßenschlachten mit der Polizei.

Der ehemalige bosnische Serbenführer bekräftigte diese schon wiederholt vorgebrachte Behauptung einen Tag nach seinem ersten Auftritt vor dem Tribunal. Das Gericht veröffentlichte seine Ausführungen am Freitag als offizielle Eingabe des Angeklagten.

Das Versprechen auf Straffreiheit habe ihm der damalige US-Unterhändler Richard Holbrooke gegeben, schrieb Karadzic. Holbrooke selbst und andere US-Politiker haben die Behauptungen über eine geheime Vereinbarung mit Karadzic, der damals bereits wegen Völkermordes angeklagt war, stets dementiert. Noch am Freitag sagte Holbrooke im US-Sender CNN: «Das ist eine vollständig falsche Aussage.» Auch der heutige schwedische Außenminister Carl Bildt, der damals für die internationale Gemeinschaft in Bosnien vermittelte, dementierte.

Holbrooke gilt als Architekt des Friedensabkommens von Dayton, mit dem der Bürgerkrieg in Bosnien nach drei Jahren 1995 beendet wurde. Ein Jahr später verhandelte er wieder - auch mit Karadzic - um das Abkommen mit Leben zu erfüllen. Für ihn war Karadzic der größte Blockierer. «Ich habe mit Karadzic damals ein hartes Geschäft ausgehandelt», sagte Holbrooke jetzt. «Als er dann verschwand, hat er noch die Falschinformation verbreitet, dass er nach einer Absprache mit mir nicht verfolgt würde.» Holbrooke hat später wiederholt kritisiert, dass - auch von internationaler Seite - keine ausreichenden Anstrengungen unternommen würden, Karadzic zu verhaften.

Karadzic wiederholt in seiner Eingabe auch die - ebenfalls nicht neue - Behauptung, die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright habe vorgeschlagen, er könne ins Exil gehen. Auch Albright, die dies in einem Gespräch mit Karadzics Nachfolgerin und Rivalin Biljana Plavsic gesagt haben soll, hat längst dementiert. Karadzic behauptet weiter, er sei damals sogar bereit gewesen, sich dem UN-Tribunal zu stellen. Dann hätten Mitarbeiter des Gerichts aber unter Vorwänden offizielle Archive der bosnischen Serben durchwühlt. Er habe deshalb keinen fairen Prozess mehr erwarten können.

Karadzic hatte seine Version schon bei der ersten Anhörung vor dem Tribunal am Donnerstag darlegen wollen. Richter Alphons Orie forderte ihn jedoch auf, das schriftlich vorzulegen und mit Fakten zu untermauern. Karadzic, der keinen Anwalt will, müsse auch darlegen, welche Auswirkungen seine Behauptungen für das Verfahren haben sollten. Der nächste Sitzungstermin ist am 29. August.

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