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Karl Marx - Unterhaltsames zum 200. Geburtstag

München/Berlin. Zu den weltweit unzähligen Publikation zum 200. Geburtstag von Karl Marx zählen auch zwei zum Jubiläum auf dem deutschen Büchermarkt erschienene Bände: Rolf Heckers Karikaturenband „Grüß Gott! Da bin ich wieder“ und der Roman „Revolution im Herzen“ von Claudia und Nadja Beinert.

Gehört hat so gut wie jeder schon mal von ihm: Karl Marx. Doch nur wenige können von ihm behaupten, ihn auch zu kennen. Eine hatte die Lizenz dazu: Helena Demuth, Hausmädchen und fast lebenslange Freundin der Familie Marx.

Demuth und ihrem zeitweiligen Geliebten - nämlich eben jenem Karl - ist ein Buch gewidmet, das zu den zahlreichen Publikationen gehört, die in diesem Jahr zum Jubiläumsgeburtstag von Karl Marx erscheinen. Er jährt sich am 5. Mai zum 200. Mal.

„Revolution im Herzen“ lautet der etwas schwülstige Titel des fiktiven Romans der Schwestern Claudia und Nadja Beinert. Doch ist der Lesestoff durchaus zu Herzen gehend und basiert auf vielen historischen Fakten, die mit der Person des Philosophen, Systemkritikers, Wirtschaftswissenschaftlers, Journalisten und Verfassers zahlreicher revolutionärer Schriften vertraut machen. Im Kontrast dazu, aber nicht weniger unterhaltsam ist ein anderer Band, der Marx auf besondere Weise ehrt, die ihm - dem Meister der scharfen Feder - vermutlich sehr zugesagt hätte: „Grüß Gott! Da bin ich wieder!“ - Karl Marx in der Karikatur.

Während die Beinert-Schwestern „den düsteren Karl“ einzig mit den Augen von Lenchen (Demuth) sehen und so dessen Charakter, sein Leben, sein Schaffen, seine Familie und seine Freunde zeichnen, wurde und wird der Schöpfer des „Kommunistischen Manifests“ und des „Kapitals“ ironischerweise weltweit knallhart vermarktet - polemisch oder satirisch, freundlich oder böse, kurz: in allen Schattierungen, die Karikaturen eben möglich machen. Und das sind allein hier rund 600 politische, soziale und Porträtzeichnungen sowie Kurztexte von damals und heute, gesammelt und herausgegeben von Rolf Hecker, Hans Hübner und Shunichi Kubo.

Harald Kretzschmar, selbst Karikaturist und Grafiker aus Berlin, fand für den Band der Lach- und Sachgeschichten eingangs genau die richtigen Worte, um auszudrücken, was die Sammlung über Old Charlie und sein Werk aussagt: „Parteimenschen lasen etwas hinein, was gar nicht drin stand. Gegen diese Heiligsprecher traten in breiter Phalanx die Verteufeler an. Sie wollten den Teufel aus ihm austreiben, der ihn nie geritten hat.“ Einige Grafiker allerdings hat er möglicherweise geritten, denn sie sehen in dem Philosophen aus Trier mehr als andere: Marx begnügt sich nicht mit Seinesgleichen (Engels usw.) und Nachfolgern im Geiste (Lenin usw.). Ganz und gar nicht: Mohammed und Jesus sind nur zwei von jenen Dealern („Religion ist Opium fürs Volk“), mit denen er sich auseinandersetzt.

Vom amerikanischen Schriftsteller Norman Mailer findet sich ein passendes Zitat im Buch: „Obwohl der alte Marxist in mir längst entschwunden ist, glaube ich immer noch, dass es zwischen Jesus und Marx Gemeinsamkeiten gibt.“ Nicht zuletzt: Auf dem Beatles-Cover von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ tummelt sich Marx neben Oliver Hardy. Vielfach reiht er sich auf den Bildern ein in die Phalanx großer Köpfe, platziert sich neben Einstein, Goethe, Freud, Dante und vielen mehr. Ob ihm alle Nachbarn genehm gewesen wären, sei dahingestellt. Eine aber wäre es sicherlich: Lenchen Demuth, die ebenfalls Eingang in den Band fand: bei Peter Hacks nur kurz als „ältlicher Hausgeist namens Lene“; etwas deutlicher verbal und als Karikatur in Hans Traxlers Bilderbogen „Karl Marx in London“: „Marx, wie man weiß, der hatte mal Nen Hang zum Küchenpersonal. So sah Frau Marx bald voller Wehmuth den Flirt von Karl mit Lenchen Demuth. Mein liebes Weib, ruft Marx, Ich seh se Doch nur als Deine Antithese. So elegant verwissenschaftet Hat auch Frau Marx den Fall verkraftet. So endet alles äußerst schicklich, Auch die Partei ist überglücklich.“

Helena Demuth, die als Kind nach Trier kam und als Hilfe in den Haushalt der von Westphalens aufgenommen wurde, hatte da sicher einen anderen Blick auf die Affäre und „den finsteren Karl“. Dass sie nach der Hochzeit von Marx und Jenny von Westphalen bei dem jungen Paar und der Familie bis zum Schluss eng verbunden blieb, ist verbürgt. Ebenso die Verfolgung wegen Karls aufrührerischer Tätigkeit, die vielen Umzüge, die Armut und große Not, die unglaubliche Unterstützung durch Friedrich Engels, der Kummer um die Kinder (vier von sieben starben früh). Und auch das gemeinsame Kind von Karl und Lenchen, das zur Adoption freigegeben wurde. Die freie Ausgestaltung dieses Rahmens durch Claudia und Nadja Beinert ist lesenswert, warmherzig, ohne Schönfärberei, und ebenso wie der Karikaturband „ein Buch der Ermunterung. Munterwerden mit Old Charlie“, wie Harald Kretzschmar abschließend befindet.

- Claudia und Nadja Beinert: Revolution im Herzen, Knaur Verlag München, 480 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-4266-5433-0.

- Rolf Hecker: Grüß Gott! Da bin ich wieder! Karl Marx in der Karikatur, Eulenspiegel Verlag Berlin, 224 Seiten, 25,00 Euro, ISBN 978-3-3590-1354-9.

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