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Fragen & Antworten

Karstadt und Kaufhof: Hochzeit rückt näher

Düsseldorf Über eine Fusion von Karstadt und Kaufhof wird schon lange spekuliert. Jetzt werden die Angebote konkreter. Doch macht eine solche Deutsche Warenhaus AG überhaupt Sinn? Und welche Folgen würde eine Elefantenhochzeit für die Beschäftigten haben?

Karstadt und Kaufhof: Hochzeit rückt näher

Karstadt (L) und Kaufhof in Düsseldorf. Foto: Martin Gerten/Archiv

Karstadt-Eigner René Benko will den Konkurrenten Kaufhof übernehmen. Medienberichten zufolge hat er für den Konkurrenten ein Angebot in Höhe von rund 2,9 Milliarden Euro vorgelegt. Eine Elefantenhochzeit unter den beiden letzten großen Warenhausketten würde die Handelslandschaft in Deutschland verändern. Doch bislang sind alle Anläufe zur Gründung einer Deutschen Warenhaus AG gescheitert.

Was plant der Karstadt-Chef?

Benko will Kaufhof und Karstadt fusionieren. Es entstünde eine Art Deutsche Warenhaus AG. Die Idee an sich ist nicht neu. Ähnliche Pläne hatte schon der frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor Thomas Middelhoff 2008. Auch der bislang vorletzte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen versuchte 2011 eine gemeinsame Warenhaus-Kette zu schmieden. Alle Anläufe scheiterten jedoch bisher.

Was würde ein Verkauf bedeuten?

„Signas Angebot umfasst eine langjährige Standort- und Beschäftigungsgarantie für alle Kaufhof- und Karstadt-Filialen“, sagte Karstadt-Chef Stephan Fanderl am Wochenende der „Bild am Sonntag“. „Mit beiden Firmen unter einer Führung aber können wir das Warenangebot steuern und an Doppelstandorten unterschiedliche Sortimente anbieten“, so Fanderl, der auch Geschäftsführer von Signa Retail ist. 

Also würden Karstadt und Kaufhof nebeneinander bestehen bleiben?

Ja, im Falle der Zusammenführung beider Warenhausketten unter einem Dach würde Signa mit beiden Namen weiterarbeiten, sagte Fanderl.

Was spricht noch für eine solche Elefantenhochzeit?

Vor allem der harte Wettbewerb, mit dem sich die Warenhausketten konfrontiert sehen. Die Konkurrenz von Online-Händlern wie Zalando, von preisaggressiven Modeanbietern wie H&M oder Primark, von Einkaufszentren und der wachsenden Zahl von Markenshops hat die Marktanteile der Warenhäuser in den vergangenen Jahren immer mehr schrumpfen lassen. Nach Einschätzung von Karstadt-Chef Stephan Fanderl würde es eine Fusion einfacher machen, auf die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden zu reagieren und mehr zu investieren. Doch auch die gesteigerte Einkaufsmacht einer Deutschen Warenhaus AG würde wohl die Position im Wettbewerb verbessern.

Ist der Kaufhof-Mutterkonzern Metro überhaupt bereit, seine Warenhauskette zu verkaufen?

Im Prinzip ja. Der Handelsriese zählt die Kaufhof-Warenhäuser schon lange nicht mehr zu seinem Kerngeschäft, weil die Sparte zu wenig Wachstumspotenzial hat und nicht wirklich internationalisierbar ist. Voraussetzung für einen Verkauf sei aber, dass ein potenzieller Käufer "einen angemessenen Preis, eine solide Finanzierung und ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegt", betonte das Unternehmen schon im Mai.

Ist Benko der einzige Interessent? 

Nein. Die Metro erklärte selbst, dass es "in diesem Kontext verschiedene Gespräche" gebe. Der kanadische Handelsriese Hudson's Bay (HBC) bietet in ähnlicher Milliardenhöhe mit.

Eine kanadische Firma auf einem deutschen Markt - können die das?

Dem Handelsexperten Thomas Roeb vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zufolge ist die Antwort ein klares Nein. "HBC hat allem Anschein nach wenig Verständnis für den deutschen Markt. Offenbar hält man die deutsche Einzelhandelswelt für rückständig oder gar unfähig." Roeb beschreibt die Ankündigungen HBC's, der Warenhauskette Kaufhof "wieder mehr Leben einhauchen, sie aufregender und damit deutlich größer und ertragreicher (zu) machen." Roeb hat eine klare Meinung zu HBC's "Wir wissen schon wie es geht"-Einstellung: "Daran ist Wal-Mart gescheitert. Daran sind Jennings und Berggruen gescheitert. Erfahrung kann auch ein Ballast sein, wenn es die falsche Erfahrung ist."

Hat das Kartellamt schon Bedenken für eine Fusion von Karstadt und Kaufhof angemeldet?

Bislang nicht und laut Roeb wird das auch nicht passieren. Karstadt und Kaufhof haben nach seiner Einschätzung in keinem Produktbereich auch nur annähernd eine kartellrelevante Marktposition.

dpa/dot

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