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Karstadt verhagelt Arcandor-Bilanz

Düsseldorf (dpa) Schlechte Geschäfte bei der Warenhaustochter Karstadt haben dem Handels- und Tourismuskonzern Arcandor im abgelaufenen Quartal die Bilanz verhagelt.

Karstadt verhagelt Arcandor-Bilanz

Bei der Warenhaustochter Karstadt brach das operative Ergebnis um 42,5 Prozent auf minus 50,9 Millionen Euro ein.

Der Umsatz sank im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 (30. September) zum Vergleichsquartal um 4,2 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Schwarze Zahlen bei der Tourismustochter Thomas Cook und beim Versandhändler Primondo konnten die Verluste bei Karstadt nicht ausgleichen, so dass das operative Ergebnis des Konzerns deutlich um 20,3 Millionen auf 52,8 Millionen Euro zurückging. Unterm Strich verbuchte Arcandor nach Angaben vom Mittwoch in Düsseldorf einen Verlust von 119,2 Millionen Euro.

Vor dem Hintergrund steigender Risiken reduzierte Arcandor- Chef Thomas Middelhoff seine für das bevorstehende Geschäftsjahr 2008/2009 vorgelegte Prognose für das operative Ergebnis von 1,3 Milliarden Euro auf «größer 1,1 Milliarden Euro». Für das laufende Geschäftsjahr 2007/2008 kündigte er erneut einen Ergebnisanstieg im operativen Geschäft auf mehr als 800 Millionen Euro an, nach 642 Millionen Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr 2006/2007.

An der Börse ging die Arcandor-Aktie auf Talfahrt und brach bis zum Nachmittag um mehr als elf Prozent ein. Vor allem das Warenhausgeschäft habe enttäuscht, hieß es. Die Lage sei alles andere als rosig, und zudem habe Arcandor auch noch von einem Kostenproblem gesprochen, was den Weg hin zur Profitabilität zusätzlich erschwere, sagte ein Analyst.

Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marco Cabras, warf Arcandor-Chef Middelhoff vor, kein schlüssiges Konzept zu haben. «Middelhoff doktert seit drei Jahren an Karstadt herum und es hat sich nichts verbessert», sagte er. Entscheidend sei jedoch, dass die Warenhaussparte allein nicht erfolgreich sein könne. Derzeit sei eine mögliche Allianz etwa mit dem Konkurrenten Kaufhof nicht absehbar.

Nach den drei ehemaligen Konzern-Töchtern Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer ist nun auch der Essener Warenhausriese Karstadt unter Druck geraten. Im dritten Quartal brach das operative Ergebnis (bereinigtes EBITDA) der Arcandor-Warenhaustochter um 42,5 Millionen auf minus 50,9 Millionen Euro ein. Der Karstadt-Umsatz ging von April bis Ende Juni um 1,9 Prozent auf 886,9 Millionen Euro zurück.

Middelhoff kündigte bei der Bilanzvorlage ein erneutes Kostensenkungsprogramm für die Kaufhaustochter an. Finanzchef Peter Diesch stellte dabei auch einen weiteren Personalabbau unter den Karstadt-Mitarbeitern in Aussicht. Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Bereits Ende Juli hatte der Spitzen-Manager der Warenhaustochter, Peter Wolf, seinen Platz räumen müssen. Das neue Konzept soll nun von Nachfolger Stefan Herzberg umgesetzt werden. Noch ungeklärt ist das Schicksal von elf derzeit noch zu Karstadt gehörenden Warenhäusern, über deren Zukunft in den kommenden Monaten entschieden werden soll.

«Wo wären wir heute, wenn wir uns nicht konsequent von Teilen des Warenhausgeschäfts getrennt hätten?», fragte Konzernchef Middelhoff. Der Manager hatte nach seinem Amtsantritt 74 kleine ehemalige Karstadt-Häuser an britische Investoren verkauft, die für die mittlerweile unter dem Namen Hertie geführte Warenhauskette vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet hatten. Den Gang zum Insolvenzgericht mussten mittlerweile auch die beiden ehemals zu dem Essener Konzern gehörenden Textilhandelsketten Wehmeyer und SinnLeffers antreten.

Middelhoff bezifferte die möglichen Risiken durch die Schieflage der ehemaligen Töchter für Arcandor auf einen «unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag». Dabei handele es sich um mögliche Forderungsausfälle für Waren-Lieferungen an ehemalige Töchter und Risiken für von Arcandor übernommene Garantien für Mietzahlungen.

Unter Leitung der neuen Karstadt-Geschäftsführung werde es eine deutliche Verschlankung der Verwaltung bei einer gleichzeitigen Bündelung der Kräfte im Verkauf geben, kündigte der Konzernchef an. Gleichzeitig werde an Kostensenkungen durch eine Neuausrichtung in den Bereichen Einkauf, Logistik und IT gearbeitet. Middelhoff bekräftigte die eingeschlagene Strategie mit einem Ausbau des europäischen Warenhausgeschäfts.

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