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Katholikentag: Signal für mehr Frieden in der Welt aussenden

Münster. Krise im Nahen Osten, US-Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran - die Welt erscheint unsicherer denn je. Die Veranstalter des Katholikentags in Münster formulieren ein politisches Ziel.

Katholikentag: Signal für mehr Frieden in der Welt aussenden

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: Soeren Stache/Archiv

Mit einem Appell für mehr Frieden und Toleranz in der Welt haben die Veranstalter des 101. Katholikentags Zehntausende Besucher auf die fünftägige Veranstaltung in Münster eingestimmt. Das größte Laientreffen der katholischen Kirche in Deutschland wolle ein klares Signal gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit und für die Bereitschaft der Christen für Verantwortungsbereitschaft und Solidarität aussenden, sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, am Mittwoch.

Das Veranstaltungsmotto „Suche Frieden“ sei angesichts der derzeitigen Krisen aktueller denn je, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor mehr als 10 000 Besuchern bei der Eröffnungsfeier am Abend. Ein langfristiger Friede beispielsweise im Mittleren Osten sei mit dem jüngsten Rückzug der USA aus dem Iran-Atomabkommen „jedenfalls nicht wahrscheinlicher“ geworden. Aktuell sei das Motto „Suche Frieden“ aber „nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch in unserem eigenen Land“, sagte Steinmeier.

Münsters Bischof Felix Genn forderte, vom Katholikentag müsse ein „nachhaltiges, auch politisches Signal“ ausgehen. „Wir dürfen den Katholikentag nicht als harmonisches Familientreffen missverstehen, es geht auch um den Diskurs.“ Genn bezeichnete die international kritisierte Iran-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump als „verheerendes Signal“.

Vor dem Katholikentag hatten sich rund 50 000 Besucher eine Dauerkarte gesichert, zudem werden bis Sonntag rund 20 000 Tagesgäste erwartet. Sternberg sagte, seit dem Katholikentag 1990 in Berlin kurz nach dem Mauerfall habe die Veranstaltung nicht mehr so viele Menschen angezogen wie jetzt in Münster. Das liege auch daran, dass es im Bistum Münster „nach wie vor einen wirklich verankerten Katholizismus“ gebe. Insgesamt sind mehr als 1000 Veranstaltungen angesetzt: Diskussionsforen, Kulturangebote und Gottesdienste.

Die Großveranstaltung steht im Zeichen mehrerer kirchlicher und politischer Auseinandersetzungen. Die mögliche Segnung homosexueller Paare unter dem Dach der katholischen Kirche, der Beschluss des bayerischen Kabinetts zu Kreuzen in Behördengebäuden und die Teilnahme protestantischer Ehepartner an der katholischen Kommunion im Einzelfall sorgen für Zerwürfnisse.

Steinmeier bat die katholische Kirche in der Kommunionsfrage um ein Entgegenkommen. „Lassen Sie uns Wege suchen, den gemeinsamen christlichen Glauben auch durch gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Kommunion zum Ausdruck zu bringen“, sagte der Bundespräsident. „Ich bin sicher: Abertausende Christen in konfessionsverschiedenen Ehen hoffen darauf“, fügte er unter stürmischem Beifall seiner Zuhörer an.

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rief die katholische Kirche zu mehr Offenheit auf. „Dass Protestanten mit der Kommunion etwas anderes verbinden als Katholiken, unterscheidet uns, aber trotzdem sind wir letztlich eine Christengemeinde, der beide Ehepartner durch das Sakrament der Taufe angehören“, sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im Februar entschieden, dass Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen im Einzelfall gemeinsam an katholischen Eucharistiefeiern teilnehmen dürfen. Dann kam es jedoch zum Bruch: Sieben Bischöfe wandten sich offen gegen die Entscheidung. Sternberg wertete den jüngsten Appell des Vatikans, eine gemeinsame Lösung zu finden, als „klares Signal zur Stärkung der Bischofskonferenz“. Auf den innerkirchlichen Zwist angesprochen sagte er: „Eine Kirche, in der es nicht auch gelegentlich rumpelt und man streitet, wäre auch keine Kirche, die ich mir vorstellen kann.“

Die Einladung eines AfD-Vertreters zur Teilnahme an einer Diskussion über die Haltung der Bundestagsfraktionen zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft am Samstag verteidigte Sternberg. Eine Ausladung „böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren“, sagte der ZdK-Präsident.

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