Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Totengeläut für verstorbenen Kardinal Karl Lehmann

Katholische Kirche trauert um beliebten Kardinal

BONN/MÜNCHEN Mit einem halbstündigen Geläut der größten Domglocke hat das Bistum Mainz des verstorbenen Kardinals Karl Lehmann gedacht. Gleichzeitig läuteten auch viele Pfarreien in Rheinland-Pfalz und Hessen die Glocken. Lehmann starb am frühen Sonntagmorgen im Alter von 81 Jahren. Er galt als einer der beliebtesten Bischöfe Deutschlands, war Brückenbauer, Buchautor, Fußballfan.

Katholische Kirche trauert um beliebten Kardinal

Kardinal Karl Lehmann starb mit 81 Jahren.  Foto: dpa

Mit großer Betroffenheit und Trauer hat die Deutsche Bischofskonferenz auf die Nachricht vom Tod Kardinal Lehmanns reagiert.

Kardinal Karl Lehmann ist viele Jahre das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland gewesen. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz prägte er eine ganze Ära - von 1987 bis 2008 stand er den Oberhirten vor und wurde so zu einem der prominentesten deutschen Katholiken. Lehmann war eher ein Mann der leisen und besonnenen Töne, dennoch verschaffte er sich mit klugen Gedanken immer wieder Gehör in den öffentlichen Debatten. Der beliebte Oberhirte mit dem dröhnenden Lachen erarbeitete sich auch als Theologe und Buchautor weltweit Ansehen.

Dem Kardinal war nur ein kurzer Ruhestand vergönnt - erst im Mai 2016 hatte diese Lebensphase mit seinem 80. Geburtstag begonnen. Zu seinem Nachfolger als Oberhirte wurde erst 15 Monate später Kohlgraf geweiht. Das geschichtsträchtige Bistum liegt zu zwei Dritteln in Hessen und zu einem Drittel in Rheinland-Pfalz, dazu kommt die Exklave Bad Wimpfen in Baden-Württemberg.

Katholische Kirche trauert um beliebten Kardinal

kardinal Karl Lehmann in seiner Zeit als Mainzer Bischof. Foto: dpa

Geboren wurde „unser Karl“, wie ihn die Mainzer und auch hessische Katholiken liebevoll nannten, am 16. Mai 1936 als Sohn eines Dorfschullehrers im schwäbischen Sigmaringen. Er entschied sich erst ein halbes Jahr vor dem Abitur für den Priesterberuf. Als er 1983 vom Mainzer Domkapitel zum Oberhirten gewählt wurde, war er Theologieprofessor in Freiburg. Bis Mai 2016 wirkte Lehmann als Bischof von Mainz. Das war die drittlängste Amtszeit in der mehr als tausendjährigen Geschichte des Bistums.

In Mainz und Umgebung war Lehmann mit seiner offenen Art beliebt, später wurde er zum Ehrenbürger der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ernannt. Selbst im Fußballstadion war das Ehrenmitglied von Erstligist FSV Mainz 05 hin und wieder anzutreffen.

Verheiratete Priester für Lehmann kein Tabuthema

Auf den Kardinalstitel musste Lehmann länger warten, erst 2001 läuteten die Glocken des Mainzer Doms eine Viertelstunde lang zu seiner Ernennung. Dies bezeichnete Lehmann als einen der Höhepunkte seiner langen Kirchenkarriere. Es gab indes auch den Nachsatz: „Aber ich habe nie ein Leben nach Höhe- und Tiefpunkten beurteilt.“

Beobachter hatten damals schon früher mit seiner Kardinalsernennung gerechnet - doch Lehmann hatte sich mit seinen Äußerungen nicht immer nur Freunde im Vatikan gemacht. So etwa, wenn er über verheiratete Priester sinnierte: „Und wenn ich zum Beispiel manchen verheirateten Diakon erlebe, da gibt es ganz hervorragende Leute, da kann ich mir vorstellen, dass so jemand in einigen Jahren durchaus die Priesterweihe erhalten kann.“ Oder mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken.

Kardinal Max: Die katholische Kirche verneigt sich

„Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns“, sagte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising. Mit Lehmann gehe ein warmherziger und menschlicher Bischof von großer Sprachkraft. „Die Kirche in Deutschland verneigt sich vor einer Persönlichkeit, die die katholische Kirche weltweit wesentlich mit geprägt hat“, heißt es in der Mitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom Sonntag.

Mehr als zwanzig Jahre leitete Lehmann die Bischofskonferenz. Dabei habe er „Höhen und Tiefen erfahren“, sagte Marx. Dazu gehörten Momente wie die „Kölner Erklärung“ von 1988, das Ringen um den richtigen Weg in der Schwangerenkonfliktberatung und das Bekanntwerden von Fällen sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Verdienste habe sich Lehmann auch bei der Ökumene erworben. „Den Kontaktgesprächskreis zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD hat er mit Leben und Ideen, Diskussionen und Anregungen gefüllt“, sagte Marx. Mit dem Tod von Karl Lehmann verliere die Kirche in Deutschland eine prägende Gestalt und einen überzeugten Europäer. „Karl Lehmann war ein katholischer Weltbürger, auskunftsfähig zu allen Themen der Zeit.“

Katholische Kirche trauert um beliebten Kardinal

Karl Lehmann war das beliebte Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Foto: dpa

Bistum würdigt Einsatz für die Ökumene

Auch das Bistum Limburg hat den Einsatz des verstorbenen Kardinal Karl Lehmann für die Verständigung der Konfessionen gewürdigt. „Die katholische Kirche in Deutschland verliert mit ihm einen ganz großen Brückenbauer. Die Brücken, die er geschlagen hat, sind solide und können weiter gefestigt werden“, erklärte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Sonntag in einer Mitteilung. Lehmann habe sich immer für die Ökumene eingesetzt. „Wenn wir heute sagen, uns verbindet viel mehr als uns trennt, dann ist das nicht zuletzt Frucht des jahrzehntelangen ökumenischen Dialogs, für den sich Kardinal Lehmann kontinuierlich im Gesprächskreis von katholischen und evangelischen Theologen einsetzte.“

dpa/kar

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Panorama

Das Wochenende bringt traumhaftes Sommerwetter

Offenbach. Am Wochenende können Sonnenliebhaber noch mal ordentlich auftanken, bevor am Montag Gewitter aufziehen. Sommerliche Temperaturen, blauen Himmel und Sonne satt sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) voraus.mehr...

17-Jährige in Essener U-Bahn überfallen

Polizei nimmt ersten Verdächtigen fest und fahndet weiter

Essen Wieder ein brutaler Angriff von hinten in der U-Bahn. Eine junge Frau wird in Essen mit einer Flasche auf den Hinterkopf geschlagen. Einen ersten Verdächtigen hat die Polizei festgenommen.mehr...

Panorama

Schulstreiks an US-High-Schools: Protest gegen Waffengewalt

Washington. Am Anfang stand die Wut einer Schülerin, inzwischen ist daraus ein Schulstreik mit 2500 Veranstaltungen geworden. Wieder geht es in den USA um Waffengewalt, landesweit wurde an High Schools demonstriert.mehr...

Fahndung: 17-Jährige in Essener U-Bahn überfallen

Video zeigt feigen Überfall, Umzug per Kreuzfahrschiff, Autobahn-Sperrungen

NRW Eine 17-Jährige wird hinterrücks in der U-Bahn in Essen von zwei Männern überfallen - die Polizei sucht jetzt mit Video und Foto nach den Tätern. Autobahnsperrungen, ein Feuerwehreinsatz wegen Ameisensäure an einem Dortmunder Gymnasium, der Streit um einen Umzug per Kreuzfahrtschiff - hier das Morgen Update.mehr...

Panorama

Mehr als 50 Verletzte bei Zugunglück in Salzburg

Salzburg. Zwei Nachtzüge prallen in Salzburg aufeinander, es gibt viele Leichtverletzte. Eine Frau muss nach einem Milzriss operiert werden. Informationen zur Unglücksursache gibt es zunächst nicht.mehr...

Panorama

„Entschärft“: Viel Trubel um Weltkriegsbombe in Berlin

Berlin. Dass ein ganzer Stadtteil quasi komplett stillsteht, kommt in Berlin auch nicht so oft vor. Jetzt ist genau das passiert. Der Grund ist mehr als 70 Jahre alt - und war trotzdem bis jetzt gefährlich. Ein Sprengmeister dazu: „Ich lebe jeden Tag, als wäre es mein letzter.“mehr...