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Ganz viel Flausch

Katzenfilmfest in Düsseldorf: Auf die Katze, fertig los

Düsseldorf Eine alte Internet-Weisheit lautet: Katzenvideos gehen immer. In Düsseldorf wurde diese These am Freitag ausgiebig getestet, denn dort fand das erste Katzenvideo-Festival Deutschlands statt. Zu gewinnen gab es dort einen besonderen Preis: Den goldenen Kratzbaum. Und noch dazu einige psychologische Erkenntnisse.

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Soo viele Katzenfilme: Besucherinnen beim ersten Katzenvideofestival in Düsseldorf.

Das ist er: Der Gewinner des Preises für das beste Katzenvideo Thomas Baitinger mit Freundin Simone und seinem Preis, einen golden angesprühten Kratzbaum.

Tausende Katzenvideos schwirren durchs Internet, millionenfach werden die Filmchen geteilt und „geliked“. Kein Wunder, dass mehrere Hundert Fans sich Freitagabend beim ersten deutschen Katzenvideofestival in Düsseldorf drängten, um zu verfolgen, wie den sinnfreien, aber lustigen Clips eine geistige Flughöhe verliehen werden sollte. Zu verdanken ist das dem Kater „Signor Rossi“ und einer mutigen Maus. Und dem Katzenfan Thomas Baitinger aus der Nähe von Bremerhaven, der sein Smartphone zur rechten Zeit zückte.

Ein goldener Kratzbaum für den Sieger

Baitinger filmte, wie sein Kater eine echte Maus um einen Spielzeugpinguin jagt und von ihr mit einem mutigen Nasenstüber in die Flucht geschlagen wird. Dafür bekam Baitinger im NRW-Forum den ersten deutschen „Golden Kitty Award“ verliehen, einen golden angestrichenen Kratzbaum für das beste Katzenvideo.

Die Jury aus Medien- und Katzenexperten legte eine tierethisch und tiefenpsychologisch ausgefeilte Begründung vor. Der Film verlege „den Konflikt aus der Wildnis auf den Laminatboden eines deutschen Wohnzimmers“, urteilte sie. Zugleich zeige das Video „den Rollenkonflikt der modernen Hauskatze: Ist sie noch Jäger oder nur Flausch? Weiß sie überhaupt noch, wer sie ist?“

Erfindung aus Amerika

Das Internet Cat Video Festival orientiert sich am Walker Art Center (Minnesota), das jedes Jahr Tausende Fans anlockt. In Düsseldorf wären auch gern mehr dabei - aber der Platz reicht nicht. Familien mit Kindern, Senioren, Fans mit Plüsch-Katzenohren im Haar und Internet-Nerds schauen einträchtig eine Stunde lang Katzenvideos an. Rentner, die nie etwas von Facebook gehört haben, und Internet-Profis brechen gemeinsam in Gelächter aus, wenn die Samtpfoten von Tischen fallen, sich den Kopf im Pappeisbecher einklemmen oder die Fische eines Aquarium-Bildschirmschoners fangen wollen.

So sieht das Vorbild aus den USA aus (Video in englischer Sprache):

Die Autorin Katja Berlin („Cat Content: SMS von meinem Kater“) erklärt den Hype um Katzenvideos damit, dass es dort „einfach harmonisch und nett zugeht“. „Man muss sich nicht konzentrieren. Es ist gut für den Alltag.“ Fast alle Besucher des Festivals besitzen Katzen oder mögen sie zumindest. Andrea Bade (49) aus Frankfurt allerdings nicht: „Ich habe eine Katzenhaarallergie“, sagt sie. Trotzdem findet sie das Phänomen Katzenvideo spannend. Hanna Dreisow, die mit einem Hochsprung ihres Katers Felix den Publikumspreis gewinnt, hat für ihren vierbeinigen Sieger schon eine Facebook-Adresse. Ihr Bruder Paul (27) verrät: „Alle Bilder, die wir uns untereinander schicken, sind Katzenbilder“.

Für manche das erste Katzen-Video überhaupt

Katzenfan Franz Lamprecht (56) hat von seinen Freunden den Besuch des Videofestivals zum Geburtstag geschenkt bekommen. Katzenvideos im Internet hat er noch nie gesehen. „Das ist heute das erste Mal.“ Social-Media-Managerin Jennifer Kosche (26) hat Katzentattoos auf dem Arm und trägt eine Bluse mit Katzenköpfen. Ihre Freundin Melissa Rexroth ist wie eine Katze geschminkt. Katzenvideos guckt sie „am liebsten mit meiner Mutter beim Sushi-Essen“.

Einige Fans warteten allerdings vergeblich auf die Miezen-Filme. Sie hatten nicht gewusst, dass die Veranstaltung bereits ausverkauft war und mussten sich nach langem Warten in der Schlange dann doch wieder auf den Weg nach Hause machen. Sie beklagen auf der Facebook-Seite der Veranstalters eine mangelnde Kommunikation. "Das soll dieses Internet sein", schreibt ein Nutzer, der zuvor eine dreiviertel Stunde vergeblich in der Schlange gestanden hatte, "dann bleib ich nächstes mal doch lieber zu Hause."

"Weniger amüsant"

Nicht immer niedlich sind die Katzenfilme außerdem: In einem Filmchen des Wettbewerbs ist zu sehen, wie eine Katze gegen eine Aquarium-Glaswand springt und abstürzt. Die elfjährige Ricarda hat auf Youtube schon viele ähnliche Filme gesehen. „Das ist manchmal Tierquälerei“, sagt sie. „In einem Film ist eine Katze mal in einen Wasserbottich gefallen und fast ertrunken.“

Auch der Deutsche Tierschutzbund beobachtet die Katzenvideoszene. Man freue sich ja, wenn die Tierhalter ihre Lieblinge mit Fotos und Videos begleiteten, heißt es da. Aber der Gurkentrick sei für die sensiblen Tiere „weniger amüsant“. Der Schreck könne für eine Katze ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Die von Thomas Baitinger gefilmte Boxer-Maus hat das „Spiel“ von „Signor Rossi“ übrigens überlebt. „Sie ist zur Haustür raus.“ 

mit Material von dpa/sag

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Soo viele Katzenfilme: Besucherinnen beim ersten Katzenvideofestival in Düsseldorf.

Das ist er: Der Gewinner des Preises für das beste Katzenvideo Thomas Baitinger mit Freundin Simone und seinem Preis, einen golden angesprühten Kratzbaum.

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