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Kaufhaus-Brand: Politiker entschuldigt sich mit Kniefall

Kemerowo. Nach einem verheerenden Feuer in einem sibirischen Kaufhaus richtet sich die Wut der Angehörigen immer mehr gegen die Behörden. Zwar entschuldigte sich ein ranghoher Stadtvertreter. Dennoch bleiben Zweifel: Wollen die Verantwortlichen in Kemerowo etwas vertuschen?

Kaufhaus-Brand: Politiker entschuldigt sich mit Kniefall

Eine Luftaufnahme des ausgebrannten Einkaufszentrums in Kemerowo. Foto: Russian Ministry for Emergency Situations/AP

Nach der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum im Sibirien mit mehr als 60 Toten haben sich Politiker bei den Angehörigen entschuldigt.

„Ich will um Verzeihung bei denen bitten, die in diese schwierige Situation geraten sind“, sagte der Vizegouverneur Sergej Ziwiljew russischen Agenturen zufolge in der Industriestadt Kemerowo. Er fiel dabei vor zahlreichen Angehörigen der Todesopfer auf die Knie. Ersten Ermittlungen zufolge sollen mehr als 40 Kinder getötet worden sein.

Präsident Wladimir Putin versprach bei einem überraschenden Besuch des Unglücksort, alle Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. „Alle, die antworten müssen, werden uns Antworten geben“, sagte der Kremlchef. Experten und Politiker prangerten an, dass die ungenaue Einhaltung der Brandschutzregeln zu dem verheerendem Feuer geführt habe.

Hunderte Menschen versammelten sich deshalb im Zentrum und forderten den Rücktritt des Gouverneurs, der seit rund 20 Jahren im Amt ist. Die Ermittler nahmen insgesamt fünf Verdächtige fest, die für die Brandkatastrophe verantwortlich sein sollen, unter ihnen auch den Direktor des Kaufhauses.

Das Feuer war am frühen Sonntagabend in der Kinderabteilung im vierten Stock ausgebrochen. Es erfasste innerhalb kurzer Zeit eine Fläche von rund 1600 Quadratmetern. Das Shopping-Center „Simnjaja Wischnja“ (Winterkirsche), das wegen seines Kinos und des Tiergeheges besonders bei Familien beliebt ist, war 2013 in der Industriestadt rund 3000 Kilometer östlich von Moskau eröffnet worden. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich hunderte Menschen dort aufgehalten haben.

Nach offiziellen Angaben starben 64 Menschen, darunter mehr als 40 Kinder. Am Tag nach der Brandkatastrophe kursierten Berichte, dass die eigentliche Opferzahl weit höher liegen könnte, die Behörden dies jedoch verheimlichten.

Hunderte Bewohner von Kemerowo forderten bei der Demonstration daher auch eine vollständige Opferliste von der Behörden. Eine Bürgergruppe aus Angehörigen und Bewohnern bestätigte nach einem Besuch in einer Leichenhalle, dass die offiziellen Angaben korrekt seien. Viele der Opfer seien jedoch noch nicht identifiziert, hieß es.

Präsident Putin reiste überraschend nach Kemerowo und legte einen Blumenstrauß an einer Mauer des Einkaufszentrums nieder. Auch er kritisierte die Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen scharf. Es sei zu „verbrecherischer Nachlässigkeit und Schlamperei“ gekommen.

Die Ermittler bestätigten, dass ein Wachmann den Alarm ausschaltete, nachdem er ein Signal über das Feuer im Gebäude erhalten hatte. Warum er das tat, war zunächst nicht bekannt. Zudem sollen die Eingangstüren des Kinos verschlossen gewesen sein. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Maßnahmen zur Rettung ergriffen, die Notausgänge waren blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen.

Die Brandursache war bislang nicht eindeutig geklärt. Ersten Ermittlungen zufolge soll ein defektes Kabel das Feuer ausgelöst haben. Es gibt auch Angaben von Augenzeugen, dass Jugendliche mit einem Feuerzeug gespielt und Schaumstoffwürfel angezündet haben sollen. Einer der festgenommenen Kaufhaus-Manager sagte Medienberichten zufolge, dass es sich um Brandstiftung handele. Die Jugendlichen seien bereits zuvor im Shopping-Center aufgefallen.

Überlebende berichteten von dramatischen Szenen: Die im Kino eingeschlossenen Menschen riefen Medienberichten zufolge Angehörige an, im Glauben, es handele sich um eine Geiselnahme oder einen Terrorangriff. Menschen sprangen in Panik aus dem Fenster. Ein Elfjähriger habe schwer verletzt überlebt, seine Eltern und die jüngere Schwester starben. Angehörige hätten selbst nach ihren Kindern gesucht und hilflos zusehen müssen, wie diese starben.

Auf Anordnung Putins sollte am Mittwoch landesweite Trauer gelten. In der Staatsduma wurde eine Schweigeminute eingelegt, in der russischen Hauptstadt gab es ebenfalls Gedenkveranstaltungen. Auch die Hafenstadt Wladiwostok im Fernen Osten Russlands verkündete aus Solidarität mit den Opfern eine dreitägige Trauer.

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