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Kein perfekter Lebenslauf: So lassen sich Rückschläge nutzen

BERLIN Ein perfekter Lebenslauf: Viele Jugendliche verspüren den Druck, so einen abzuliefern. Doch wie geht man mit Niederlagen und Irrtümern um? Dankbar dafür sein, raten Experten. Denn nur durch sie lernt man dazu und kann sich verbessern.

Kein perfekter Lebenslauf: So lassen sich Rückschläge nutzen

Klassenarbeit verhauen oder Stress mit den Mitschülern? Jugendliche sollten sich von solchen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Wer sich mit ihnen beschäftigt, kann es beim nächsten Mal besser machen. Foto: Diagentur

Auf dem Zeugnis steht «versetzungsgefährdet», der Freund hat sich eine Neue geangelt, und die Ausbildung nervt nur noch - die ersten Rückschläge im Leben müssen die meisten spätestens im Teenageralter verkraften. Manchmal scheint es so, als ob sich kleine Niederlagen in ausweglose Situationen verwandeln.

Dabei steckt in den unangenehmen Erlebnissen Potenzial. Durch sie sammelt man Erfahrungen und kann die nächsten Herausforderungen umso besser meistern.

«Was mich nicht umbringt, macht mich stärker», heißt es. Das mag etwas hart formuliert sein, die Kernaussage aber stimmt. «Es ist inzwischen erwiesen, dass wir nicht durch die Erfahrungen anderer lernen, sondern nur durch unsere eigenen», sagt Jutta Stiehler vom Dr. Sommer-Team der Jugendzeitschrift «Bravo» in München.Kritische Analyse

Egal, ob es um Probleme mit der Freundin, dem neuen Freund, den Eltern oder Sorgen in der Schule geht: Stiehler empfiehlt, sich erstmal zu fragen, was schief gegangen ist. «Nur wer sich kritisch analysiert, kann hilfreiche Antworten finden.» Prinzipiell sei es wichtig, negative Gefühle ernst zu nehmen und als einen Bestandteil der eigenen Persönlichkeit zu begreifen, sagt Psychologe Manuel Tusch aus Köln. Nur so könne eine Veränderung stattfinden, die neue Kraft und Motivation gebe.

Wer seit längerem schlechte Noten schreibt, muss sein Lernverhalten hinterfragen. «Vielleicht habe ich immer erst kurz vor einem Test oder abends vorm schlafen gehen angefangen, Vokabeln zu pauken», sagt Stiehler. Dann könne es helfen, etwas Struktur ins Lernpensum zu bringen. Wer eine Woche vor dem Test anfange, zum Beispiel jeden Tag zehn Vokabeln zu lernen, sei wahrscheinlich besser vorbereitet und so den Anforderungen auch auf lange Sicht gewachsen. «Manchen kann es auch helfen, in der Gruppe zu lernen. Andere, die sich bisher immer mit der besten Freundin zum büffeln getroffen haben, konnten danach nicht mehr als vorher, weil die meiste Zeit gequatscht wurde. Da wäre es besser, in Zukunft alleine zu lernen.»Strategien bei anderen abgucken

Doch negative Erfahrungen und Rückschläge können auch noch auf andere Art hilfreich sein, erklärt Stiehler: «Wer keine Lust hat, zu lernen, kann sich in die unangenehme Situation, die er während der letzten verhauenen Klausur erlebt hat, zurückversetzen.» Die Erinnerung schrecke wahrscheinlich ab, kann aber auch zur Vorbereitung auf den nächsten Test motivieren. Eine weitere Strategie sei es, sich andere anzugucken: «Wie gehen denn Mitschüler und Freunde mit solchen Problemen um? Vielleicht haben die eine interessante Methode entwickelt», sagt Tusch.

Wer trotzdem keine Lösung findet, sollte sich Hilfe holen. «Am besten beim Vertrauenslehrer, Beratungsstellen oder auch Telefonhotlines», so Tusch. Egal, ob bei schulischen Problemen oder Stress mit Freunden - sich auszuquatschen sei immer gut, weil es Trost gebe, findet auch Stiehler. «Es ist wichtig, sich ein Netz von vertrauten Personen aufzubauen, von denen man weiß: So lange die da sind, ist alles nicht so schlimm.» Diese Menschen seien Verbündete und Unterstützer. «Kurz gesagt: Fixpunkte, die ein Mensch im Leben braucht.»Schwächen erklären

So lange Ausrutschern im Lebenslauf immer ein paar vorzeigbare Leistungen und viel persönliches Engagement entgegenstünden, sei sogar ein weniger gutes Zeugnis oder die abgebrochene Lehre kein Grund zu resignieren, sagt Karrierecoach Jürgen Hesse aus Berlin. «Personalchefs schauen schon lange nicht mehr auf den perfekten Lebenslauf. Viel mehr suchen sie nach interessanten Abschnitten im Werdegang.» Trotzdem sollten sich Jugendliche überlegen, wie sie vermeintliche Schwächen erklären können.

«Wer die erste Ausbildung abgebrochen hat, sollte die Schuld keinesfalls auf den Chef schieben. Besser ist es, zuzugeben, dass man sich damals zu wenig über den Job informiert hat. Inzwischen sei man besser vorbereitet.» Nicht mal eine mittelmäßige Mathe-Note müsse das vorzeitige Aus für eine Bewerbung bei der Bank sein. «Ein freundliches Wesen, gute Vorbereitung und Kommunikationstalent gleichen kleine Schwächen beim Rechnen schnell wieder aus», sagt Hesse.

Scheitern sei immer eine Chance, glaubt Manuel Tusch, Psychologe in Köln. Nur leider erkenne man das erst im Nachhinein. «Aus der Situation heraus gelingt es leider nicht, weil wir da noch den Tunnelblick haben und nur auf unser vermeintliches Versagen fixiert sind.» Der Experte rät, sich nach einem negativen Erlebnis an die letzten drei Situationen ähnlicher Art zu erinnern. «So kann man sich vergegenwärtigen, was sich Positives daraus entwickelt hat.» Diese Methode helfe, über schwierige Zeiten zu kommen, bis sich der nächste positive Effekt einstelle.

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