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Keine Spur vom „Sakrileg"

WITTEN „Den Roman ‚Sakrileg‘ habe ich nie gelesen, aber der Film war spannend“, urteilt Christian Vorbeck. Was der engagierte Wittener Kirchenmusiker da feststellt, klingt zunächst einmal nicht sehr aufregend. Doch wenn man weiß, dass er Novize des Templerordens ist, bekommt diese Aussage eine andere Tragweite. Sucht er vielleicht auch ein so abenteuerliches Leben wie die Romanhelden im „Sakrileg“? Susanne Linka hat ihn besucht.

von Von Susanne Linka

, 23.12.2007

Der Erfolgsroman von Dan Brown erzählt schließlich, wie Mitglieder des alten Ritterordens brutal ermordet werden. Im Buch sind sie im Besitz des geheimnisvollen Heiligen Grals. Eine Story, die sich um die These rankt, dass Jesus direkte Nachkommen hatte. Und ein Ritter dieses Ordens will Christian Vorbeck werden?

„Ich habe vor einem Jahr im Internet gezielt nach einer christlichen Laien-Gemeinschaft gesucht“, berichtet er nüchtern. Der geistliche Austausch, die historische Verankerung des alten Ritterordens, die Feierlichkeit des Ordenslebens – danach sucht Vorbeck tatsächlich. Nicht nach Abenteuern.

Finanzwirt aus dem Sauerland

Doch die Aussage: „Ich möchte mit Ihnen den Gral suchen“, hört Wolfgang Hänisch immer wieder, wenn Interessierte sich bei ihm melden. Der Finanzwirt aus dem Sauerland ist seit 1998 ein waschechter Ritter des Templerordens. Damals war Wolfgang Hänisch durch einen Fernsehbericht neugierig geworden, nahm den Kontakt auf und wurde ein Jahr später in Jerusalem zum Ritter geschlagen.

„Das ist richtig feierlich, ganz wie früher“, verrät er. Allerdings: „Es ist überhaupt keine Showeinlage. Was wir tun, das meinen wir auch.“ Was der Orden mit seinem Patriarchen im Heiligen Land durch seine Unterstützung dreier Krankenhäuser leiste, sei wirklich beeindruckend, berichtet Ritter Hänisch: „Wir sind da sehr angesehen, weil wir gute Beziehungen zu allen Parteien im Palästina-Konflikt haben.“

Christian Vorbeck hat bereits die erste Hürde genommen

Doch zurück nach Deutschland. Circa 90 Prozent aller Bewerber kommen für eine Mitgliedschaft gar nicht erst in Frage. Christian Vorbeck aber hat die erste Hürde genommen. So könnte er zum Knappen aufsteigen und schließlich auch die Ritterwürde erlangen. Offenbar interessieren sich zunehmend junge Leute für den Orden: „Als ich dazustieß war das Durchschnittsalter 60, jetzt liegt es eher bei 40“, weiß Wolfgang Hänisch.

Wie viele Ritter es in Deutschland nun gibt, dazu macht der Orden keine genauen Angaben. Es seien aber einige Dutzend, deutet Hänisch die Größenordnung an. Er bedauert, dass der Begriff Templer nicht geschützt ist: „Vom Nachbarschaftsverein bis zum kuriosen Geheimbund darf sich jeder so nennen.“

Was die Templer über die Dan Brown und Fachliteratur denken

Da lässt wieder der Da-Vinci-Code aus Dan Browns Bestseller grüßen. Ärgert der Orden sich über das Buch, oder kann man dort darüber schmunzeln? „Weder das eine noch das andere wäre richtig“, gibt Novize Vorbeck eine diplomatische Antwort. Wer sich ärgert, müsste sich ja auch angegriffen fühlen. Und ein Schmunzeln wäre überheblich.

Ritter Hänisch ergänzt, dass dem Romanautoren wohl kein Vorwurf zu machen sei. Er wolle ja nur Geld verdienen. Doch ärgerlich sei das Pseudo-Fachbuch „Der Heilige Gral und seine Erben“, auf dem es basiere: „Das ist ein böses Buch gegen die Kirche und gegen den Glauben“, betont der Katholik.

Der Gral ist das, was die Templer zusammenhält

Den Heiligen Gral, so sagt er, hüte sein Orden nicht. Allerdings halte er Reliquien wie einen Splitter vom wahren Kreuze Christi in Ehren. „Vielleicht hat mal ein Kelch existiert. Doch der Mythos ist mehr. Der Gral ist für jeden von uns etwas anderes. Das, was uns zusammenhält.“

Christian Vorbeck ergänzt: „Der Mensch braucht den Ritus, er darf aber nicht zur Hauptsache werden.“ Genau in diesem Sinne wünscht er sich eine Reise nach Jerusalem - und den Ritterschlag.