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Keine zweite Chance

Berlin. Eine Frau verliert von einem Moment zum anderen alles - ihren Mann, ihr Kind und fast ihr Leben. Der Sat.1-Zweiteiler „Keine zweite Chance“ zeigt nun, was danach mit ihr passiert.

Keine zweite Chance

Dr. Nora Schwarz (Petra Schmidt-Schaller) kann sich nicht erinnern, was passiert ist. Foto: Chistiane Pausch/Sat.1

Ein Familienmorgen daheim: Der Mann ist im Bad, die Frau versorgt das kleine Kind. Plötzlich fallen Schüsse, die Frau bricht blutend zusammen. So beginnt der TV-Zweiteiler „Keine zweite Chance“. Er ist an diesem und am kommenden Dienstag (jeweils 20.15 Uhr) auf Sat.1 zu sehen.

Die Frau ist Dr. Nora Schwarz (Petra Schmidt-Schaller), die erst in einem Berliner Krankenhaus wieder aufwacht. Dort erfährt sie, dass ihr Mann Mickey (Golo Euler) erschossen und ihre Tochter entführt worden ist. Ihr Schwiegervater Reinhard Kroneberg (Hanns Zischler) stellt zwei Millionen Euro Lösegeld bereit, was die Entführer in Empfang nehmen, ohne jedoch das Kind zurückzugeben.

Noras Anwalt und Freund Leo Korwatsch (Sebastian Bezzel) und seine Frau Clara (Johanna C. Gehlen) versuchen, ihr zu helfen - doch ihr Erinnerungsvermögen ist weg. Die beiden ermittelnden Beamten Sarah Bäumler (Inez Bjørg David) und Peter Leyen (André Szymanski) verdächtigen die Ärztin, zumal ihre Pistole verschwunden ist, die für die Tatwaffe gehalten wird. Gemeinsam mit ihrem Freund Robert (Murathan Muslu), einem ehemaligen BKA-Mann, versucht sie selbst, auf die Spur der Erpresser zu kommen.

Das Drehbuch für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Harlan Coben schrieb Hannah Hollinger („Unsichtbare Jahre“). Der Regisseur Alexander Dierbach (38, „Helen Dorn“) hat den Film um eine zerbrechende Familie ziemlich verschachtelt und als Mischung aus Action, Thriller und Drama inszeniert. Er sorgt für zahlreiche Wendungen, falsche Spuren und undurchsichtige Figuren, die allesamt einsam sind und scheinbar abwechselnd erst auf die eine und dann auf die andere Seite gezogen werden. Das sorgt für reichlich Spannung, auch wenn die Entführer (Josefine Preuß, Joan Pascu) recht früh bekannt sind. „Keine zweite Chance“ ist das Motto des Paares, das seltsam dilettantisch wirkt, aber dennoch brandgefährlich ist und eiskalt handelt. Doch die wahren Hintermänner sind noch gefühlskälter.

„Man muss sich in die Situation einarbeiten, muss nachfühlen, wie es ist, wenn man seinen Mann oder sein Kind verliert und es einfach verschwunden bleibt“, sagt Schmidt-Schaller (37, „Eine gute Mutter“ war gerade im Ersten zu sehen, „Eine Braut kommt selten allein“ läuft dort am 6. Dezember) im Presseheft zum Film. „Wie es ist, wenn um einen herum Stück für Stück die Wahrheit bröckelt und auch Freunde ins Vertrauensvisier geraten. Wenn man nicht mehr weiß, wem man vertrauen kann.“

Vertrauen und Misstrauen spielen in der Tat eine große Rolle - und das, was man über seinen Partner weiß oder zu wissen glaubt. Die Geschichte ist etwas zu breitgewalzt, stellenweise auch unlogisch, die beiden Kommissare sind zu eindimensional gezeichnet, und nicht alle Schauspieler agieren hier überzeugend. Doch Sebastian Bezzel (er ist auch in Wirklichkeit mit Johanna C. Gehlen verheiratet) spielt gut und lässt irgendwann die Maske fallen. Petra Schmidt-Schaller und Murathan Muslu retten insbesondere den (etwas zu blutigen) zweiten Teil. Die Auflösung ist seltsam und verblüffend zugleich - und einzig der Mutter zu verdanken, die nichts unversucht lässt, ihr Kind wiederzufinden.

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