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Kim Wilde: In alten Zeiten schwelgt man gern

Hamburg. Mit „Here Come The Aliens“ versucht Kim Wilde, an alte Erfolge anzuknüpfen. Überzeugend ist das neue Album nicht - aber ein guter Anlass, noch einmal ihrer alten Hits zu gedenken.

Kim Wilde: In alten Zeiten schwelgt man gern

Kim Wilde ist wieder in den Ring gestiegen. Foto: Steve Ullathorne

Die leiernden Synthies in „Cambodia“, das staccatohafte Schlagzeug in „Kids in America“: Der Musik von Kim Wilde hat man ihre Entstehungszeit immer angehört.

Auch aus ihrem neuen Album „Here Come The Aliens“ klingen die 1980er Jahre. Doch anders als früher „fetzt“ das leider nicht mehr so, wie die „Bravo“ es noch 1982 euphorisch beschrieb.

Dem Video zur neuen Single „Pop Don't Stop“ kann man nur wünschen, dass es ironisch gemeint ist. Kim Wilde hat sich in eine glitzernde Lederkluft geschmissen, die Instrumente hängen den Bandmitgliedern eher zu dekorativen Zwecken um die Schultern. In den Studiohintergrund sind abwechselnd knallige Farben und ein Wolkenpanorama geschnitten, die Musiker wippen auf und ab wie Pappfiguren. Dauergrinsen. Das wirkt eher wie eine Kim-Wilde-Coverband.

„Pop Don't Stop“ ist ein recht uninspiriertes Popstück. Das gilt leider auch ein bisschen für die restlichen Songs von „Here Come The Aliens“. Wie viele ihrer früheren Alben wurde es von ihrem Bruder Ricky Wilde produziert. Er ist auch der Duettpartner bei der neuen Single.

Hinsichtlich des Sounds ist „Here Come The Aliens“ Wildes alten Liedern ähnlich: Kurzweilige Popstücke mit Rock- und Synthie-Einflüssen, viele Uptempo-Nummern. Liebeslieder („Addicted To You“, „Yours Til The End“) wechseln sich ab mit apokalyptischen Zukunftsvisionen („1969“, „Cyber.Nation.War“). Nur die eingängigen Melodien, die fehlen leider. Jene, für die heute 57-Jährige bekannt geworden ist, und die bei aller Kurzweiligkeit ziemlich schlau komponiert waren.

Man denke nur an den ersten Song des selbstbetitelten Debütalbums von 1981, „Water on Glass“. Es handelt von Tinnitus: „It's a sound in my head/ That I feel and it shuts me in a prison“. Toll, wie die Instrumente diese Hörschädigung imitieren: Ein Bass dengelt sich in monotoner Wiederkehr durch die Strophen, die Synthesizer kratzen im Intro wie splitterndes Glas am Trommelfell. „Say it won't last“, fleht Wilde - und die Gitarre antwortet mit ein paar beschwichtigenden Tönen. „Say it will pass“, fleht Wilde - die Gitarre wiederholt ihre tröstliche Antwort.

Oder natürlich „Cambodia“: Das Lied erschien Ende 1981 und war die erste Single des zweiten Albums, das schon im Folgejahr herauskam. Elf weitere Studioalben sollten folgen. Ein Lied, das zur Zeit des Vietnamkriegs spielt und die Geschichte eines Piloten erzählt, der von einem Air Force-Flug nach Kambodscha nicht mehr zurückkehrt. Entgegen der früheren Hits war „Cambodia“ so gar nicht mehr Upbeat, sondern für die Verhältnisse der 1980er Jahre fast in Zeitlupengeschwindigkeit - ein düsteres, mächtiges Lied voller schwerer Synthesizer. Wildes Trauer steigert sich in den Strophen langsam, bis sie im Refrain schließlich in der bekannten Klagemelodie mündet: „Flying to Cam-bo-di-aaa“. Keyboard-Solo.

Melodien waren das, die man bis heute nur schwer wieder aus dem Kopf bekommt. Sie haben das Leben so vieler Leute geprägt, dass man der 57-jährigen Wilde dafür auch mal ein Album wie „Here Come The Aliens“ verzeihen kann.

Das jüngste Werk ist Wildes erstes Album seit sieben Jahren. Noch länger ist es her, dass die Sängerin auf großer Tour war. „Here Come The Aliens“ bringt sie im Oktober für zwölf Konzerte nach Deutschland. Jetzt, wo ihre Kinder auf der Universität seien, war es an der Zeit, „zurück in den Ring zu steigen“, erzählte sie vor kurzem der britischen Zeitung „Telegraph“. Und natürlich werde sie dann auch ihre alten Hits spielen, versprach ihr Plattenlabel „Earmusic“ vorab.

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