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Angeklagte schweigen nach missglückter Geldautomaten-Sprengung

Gerichtsprozess

Sie hofften auf den großen Coup und landeten im Gefängnis. Nach einer missglückten Geldautomaten-Sprengung in Kirchhellen müssen sich zwei Männer seit Donnerstag vor Gericht verantworten.

Kirchhellen

, 06.09.2018

Wenn die Anklage stimmt, dann war die Tat eigentlich ganz gut vorbereitet. Der Fluchtwagen war schon zehn Tage vorher in einem Duisburger Autohaus gestohlen worden. Dort gab es zwar eine Überwachungskamera, die Aufnahmen waren jedoch nicht gespeichert worden. Offenbar ein Software-Fehler. Die Nummernschilder waren ebenfalls geklaut.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass einer der Angeklagten das Auto damals ungesehen vom Hof gefahren und erst einmal in einer Garage in Venlo abgestellt hat.

In der Nacht auf den 25. August 2017 war es schließlich soweit. Um 3.40 Uhr soll der gestohlene Audi vor der Filiale der Deutschen Bank in der Hauptstraße in Kirchhellen vorgefahren sein. Ausgestiegen sind zwei Männer – komplett maskiert und mit Handschuhen.

Kameraufnahmen zeigen Zünder, Kabel und Gasflasche

Erst wurde die Eingangstür aufgebrochen, dann die Überwachungskamera samt Deckenplatte aus der Verankerung gerissen. Einige wenige Sequenzen waren zu diesem Zeitpunkt aber schon aufgezeichnet worden. Zu sehen waren nicht nur die beiden maskierten Männer, sondern auch Zünder, Kabel und wohl auch eine Gasflasche, mit der die Sprengung offenbar durchgeführt werden sollte.

Womit die Täter aber wohl nicht rechneten: Plötzlich ging der Alarm los. An eine Sprengung war nun nicht mehr zu denken. Vor ihrer Flucht haben die Täter allerdings noch versucht, eventuelle Spuren an der Eingangstür mit Ammoniak zu verwischen.

Polizei erwartete die Täter bereits in Venlo

Laut Anklage ging die Fahrt zurück nach Venlo. Dort wartete allerdings bereits die Polizei. Wie es am Rande des Prozesses vor dem Essener Landgericht hieß, war das Auto bereits beobachtet worden.

Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich um zwei Niederländer mit marokkanischen Wurzeln. Beide kommen aus Utrecht, haben Familie und Kinder. Einer ist 32 Jahre alt, der andere 33. Ob sie sich schon länger kannten, ist nicht klar. Rund sechs Monate lang saßen sie in Holland im Gefängnis, im April 2018 folgte die Auslieferung nach Deutschland.

Angeklagte mit unauffälligen Lebensläufen

Zum Prozessauftakt wollten sich die Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Nur zu ihren Lebensläufen. Die sind zwar nicht gerade von großem Erfolg gekrönt, aber auch nicht sonderlich auffällig. Einer ist gelernter Buchhalter, hat sich um das Friseurgeschäft seiner Frau gekümmert. Der andere ist Automechaniker, allerdings schon länger ohne Job.

In der Anklage heißt es, dass beide zu einer internationalen Verbrecherbande gehören, die sich auf das Aufsprengen von Geldautomaten spezialisiert hat. Dass sie zur Führungsebene gehören, glaubt aber wohl auch die Staatsanwaltschaft nicht.

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