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Klaus Fußmann: Zwischen Großstadt und Ostseeküste

Düstnishy. Landschaften in Öl, die einem entgegenzuspringen scheinen. Stillleben von verlassenen Berliner Häusern und immer wieder Blumen-Aquarelle. In rund 60 Jahren hat Klaus Fußmann ein umfangreiches Werk geschaffen. Jetzt wird der Künstler 80.

Klaus Fußmann: Zwischen Großstadt und Ostseeküste

Klaus Fußmann in seinem Atelier in Düstnishy. Foto: Carsten Rehder

Der Umzug ist geschafft. Seit wenigen Tagen ist der Künstler Klaus Fußmann zurück in seinem Sommerdomizil an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

Hier in Düstnishy, einem Flecken an der Geltinger Bucht im nördlichen Schleswig-Holstein erschafft Fußmann, einer der renommiertesten Maler Deutschlands, seine großformatigen Ölgemälde, die Landschaften und Gärten und symbolische Figuren darstellen.

Noch sind die Spuren des Winters nicht zu übersehen. Bis auf ein paar Frühblüher ist der Garten des Künstlers noch kahl und braun. Doch man ahnt, wo im Sommer die Blütenpracht unzähliger Stauden und Rosen erblüht. Ahnt die Ostsee, die nur wenige Kilometer entfernt ist.

„Ich arbeite sehr gerne nachmittags“, sagt Fußmann, der am 24. März 80 Jahre alt wird. Vor allem in den späten Nachmittagsstunden. Wenn die Schatten länger werden und sich ein rötlicher Schimmer in die von der Sonne beschienene Landschaft mischt. Das Licht wärmer wird.

Der groß gewachsene Mann mit den wachen blauen Augen sitzt in der Küche seiner Reetdachkate in Düstnishy. An den Wänden Fotografien und Bilder. Er bietet seinen Besuchern Tee an, nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Auch seine Frau Barbara, die Fußmann 1969 kennenlernte und kurze Zeit später heiratete, kommt dazu.

Dem Bild eines einzelgängerischen Künstlers entspricht Fußmann nicht. „Ein Eigenbrötler bin ich nicht“, sagt er von sich selbst. Er habe gerne Menschen um sich rum. In den Sommermonaten, die das Ehepaar Fußmann seit Jahrzehnten an der Ostsee verbringt, bekommt es immer viel Besuch. Er wirkt nahbar, authentisch, interessiert an seiner Umgebung.

Geboren wurde Fußmann am 24. März 1938 in Velbert im Rheinland. Schon früh wusste er, dass er Maler werden will. „Aber sowas bekommt man ja schnell ausgeredet.“ Also arbeitet er erst als Grafiker, bevor er Anfang der 60er Jahre ein weiteres Studium unter anderem an der damaligen Hochschule für Bildende Künste (HBK) Berlin absolviert. Seit Mitte der 70er unterrichtete Fußmann viele Jahre als Professor an der Hochschule der Künste Berlin, die 1975 aus HBK und Hochschule für Musik und Darstellende Kunst gegründet wurde und seit 2001 Universität der Künste Berlin (UdK) heißt.

Fußmann sei einer der bekanntesten zeitgenössischen Maler Deutschlands und der derzeit renommierteste Maler in Schleswig-Holstein, findet die Direktorin des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, Kirsten Baumann.

Von Sonntag an werden auf der Museumsinsel Schloss Gottorf in einer umfassenden Einzelausstellung mehr als 150 Gemälde, Gouachen und Aquarelle gezeigt, die Fußmann in sechs Jahrzehnten geschaffen hat. Auch im Museum Barberini in Potsdam ist zurzeit eine Schau mit Werken Fußmanns zu sehen.

Die beiden Ausstellungen seien ihm wichtig, sagt der Künstler. Ein bisschen ambivalent scheint er den Kunstbetrieb zu sehen, das Streben nach immer höheren Preisen, nach noch einer Ausstellung. „Man muss ja ausstellen, sonst wird man nicht wahrgenommen.“ Und ein Maler brauche auch sein Publikum und freue sich über hohe Preise, die für seine Werke erzielt werden. Aber Fußmann sagt auch: „Anfangs habe es ihn frustriert, dass Geld so eine große Rolle spiele. Mittlerweile scheint er sich daran gewöhnt zu haben, „das Geld und Kunst nicht von einanderlos kommen“. Auch wenn er dies auf der einen Seite furchtbar findet, ist das ja auch eine Art Anerkennung, „wenn die Leute bereit sind, was für ein Bild zu bezahlen“ und nicht nur beim Atelierbesuch die Schönheit des Werkes loben.

Die Sujets für seine Werke findet Fußmann in der Natur und Landschaft rund um Gelting. 1971 kamen er und seine Frau - eine gebürtige Amerikanerin - zum ersten Mal aus Berlin hierher. „Und da wusste ich, das ist meine Landschaft.“ Einige Jahre später kauften sie die Reetdachkate in Düstnishy. Seitdem pendeln sie zwischen der Großstadt und dem kleinen Örtchen an der Ostsee. Den Winter verbringen sie in Berlin, den Sommer am Meer. „Wir genießen es auch in Berlin sehr.“

Und auch wenn er sich selbst treu geblieben ist - „leichtfüßige“ Blumen und Aquarelle gemalt hat, als diese als out galten - konnte Fußmann sich den Einflüssen seiner Zeit nicht ganz entziehen. Zu Beginn seines Schaffens fand er viele seiner Sujets in verlassenen West-Berliner Altbauten, ein Hauch von Surrealismus umwehte seine Bilder. Stillleben mit Interieur, Straßenzüge. Später Landschaften, Menschen, eine überfrachtete Farbigkeit, die das Sujet fast zurückdrängt.

In seinen Bildern ist keine erkennbare Botschaft zu finden, keine Überfrachtung. Aber, wie der der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Björn Engholm in einem NDR-Filmporträt zum 80. Geburtstag des Malers sagte, vielen Bildern bergen eine „leichte Melancholie“. Fußmann fange das „Vergängliche ein“ und damit ist eben doch eine Botschaft verbunden, wie der SPD-Politker findet: Bewahrt das, was noch da sei.

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