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Kleinbauern wollen mehr am Kaffee verdienen

Mexiko-Stadt. Das Geschäft mit dem Heißgetränk ist von einem extremen Machtgefälle geprägt. Während Millionen Kleinbauern in armen Ländern die Ernte einfahren, werden die Gewinne bei den Röstern und Händlern in Europa und den USA verbucht. Nun wollen die Landwirte mehr.

Kleinbauern wollen mehr am Kaffee verdienen

Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern jährlich ist Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen, noch vor Mineralwasser und Bier. Foto: Tobias Hase

Das Geschäft mit dem belebenden Heißgetränk boomt: In den vergangenen 15 Jahren hat die Kaffeeproduktion weltweit mehr als 20 Prozent zugelegt. Jedes Jahr werden Milliarden Dollar mit dem Wachmacher erwirtschaftet.

Doch von den riesigen Erlösen kommt nur ein kleiner Teil bei den Kaffeebauern in den Entwicklungsländern an. Bei einem Weltmarktpreis von rund 1,15 US-Dollar für ein Pfund Rohkaffee verdienen die Produzenten nur etwa fünf Cent pro Tasse.

„Wenn die Konsumenten nur fünf Cent pro Tasse mehr bezahlen, könnten die Bauern doppelt so viel wie derzeit verdienen“, sagt der US-Wirtschaftsprofessor Jeffrey Sachs. „Eine kleine Erhöhung bei den Verbrauchern würde eine große Verbesserung für die Produzenten bedeuten. Das ist fairer Handel.“ Bei der Tagung der Internationalen Kaffee-Organisation (ICO) in der kommenden Woche in Mexiko-Stadt will Sachs eine Studie über die Wertschöpfungskette in der Kaffee-Industrie vorstellen und seine Vorschläge unterbreiten.

Deutschland ist eine Großmacht im Kaffeegeschäft. Nach Angaben des deutschen Kaffeeverbands wurden 2016 von den weltweit produzierten gut neun Millionen Tonnen Rohkaffee rund 1,14 Millionen Tonnen nach Deutschland importiert. Zudem ist Deutschland der weltweit größte Exporteur von Kaffeeprodukten. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern jährlich ist Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen, noch vor Mineralwasser und Bier. Das Pfund gibt es beim Discounter hierzulande schon für rund drei Euro.

Die Branche ist von einem extremen Machtgefälle geprägt. Während etwa 25 Millionen Kleinbauern in den Entwicklungsländer rund 80 Prozent der weltweiten Kaffee-Ernte einfahren, wird der Handel von wenigen großen Händlern wie der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe oder der JAB Holding der deutschen Unternehmerfamilie Reimann dominiert. „Die Preise sind auch deshalb so niedrig, weil die Konzerne mit ihrer Einkaufsmacht nach Belieben die Preise diktieren“, sagt Fernando Morales de la Cruz von der Initiative Café for Change.

„Beim Marktzugang sind vor allem die kleinen Kaffeebauern immer stärker benachteiligt und müssen zu ungleichen Bedingungen verhandeln“, sagt Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der seine Karriere als Vertreter seines Landes bei der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO) begann. „Wir müssen eine ernsthafte und realistische Diskussion führen, wie wir diese Asymmetrie ausgleichen können.“

Bis Ende der 1980er Jahre legte die ICO Produktionsquoten fest und diktierte die Preise. Seit der Freigabe schwanken die Preise heftig. So wurde das Pfund Rohkaffee 2001 für rund 45 US-Cent gehandelt, 2011 stieg der Preis auf 2,10 Dollar und derzeit liegt er bei rund 1,15 Dollar.

Morales' Berechnungen zufolge bezahlen die Handelskonzerne inflationsbereinigt heute rund 60 Prozent weniger für das Pfund Rohkaffee als noch 1983. „Es ist grausam“, sagt der gebürtige Guatemalteke, der mit seiner Initiative von Frankreich aus die globale Kaffeeindustrie grundlegend verändern will. „Die künstlich niedrig gehaltenen Preise sorgen für extreme Armut und Kinderarbeit.“

Schätzungen zufolge werden in der Kaffeeindustrie jährlich rund 200 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Allerdings kommen nur etwa zehn Prozent bei den Farmern an. „Man muss sich schon fragen, wo das ganze Geld bleibt“, sagte der Präsident des kolumbianischen Verbands der Kaffeebauern, Roberto Vélez, beim Weltforum der Kaffee-Produzenten im vergangenen Jahr.

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